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Beteiligung der Fischer nicht erwünscht / Landkreis: Unterschiedliche Interessen werden noch diskutiert

„Keine Option“ – Nabu lehnt Anglerangebot ab

Hohenrode (pk/jaj). Dem verbalen Schlagabtausch zwischen Naturschutzbund (Nabu) und Landessportfischerverband Niedersachsen über die Zukunft der Kiesseen in Hohenrode (wir berichteten) folgt jetzt ein gewisses Einlenken – zumindest seitens des Landessportfischerverbands. „Mit Freude“ nähmen die Angler zur Kenntnis, „dass der Nabu die Fischvorkommen der Auenlandschaft in Hohenrode als ,gleichrangiges‘ Schutzgut behandeln“ wolle, heißt es etwa in der jüngsten Pressemitteilung der Angler. Denkbar sei laut Thomas Klefoth „auch eine umfassende Pacht des Fischereirechts oder sogar ein gemeinsamer Kauf des Geländes, zusammen mit dem Nabu“.

veröffentlicht am 26.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

Es sei schließlich ein „offenes Geheimnis“, dass der Nabu Mühe habe, den von Eigentümer Dieter Eggersmann von Schaumburger Weserkies AHE veranschlagten Kaufpreis in Höhe von 350 000 Euro aufzubringen. „Der Landessportfischerverband ist bereit, diese Lücke zu schließen und das Gelände gemeinsam zu kaufen und zu bewirtschaften“, schreibt Klefoth. So ließe sich der „große Interessenkonflikt um die Auenlandschaft lösen“.

Dieser Vorschlag sei für den Nabu jedoch „keine Option“, wie Nick Büscher, Vorsitzender der Rintelner Nabu-Gruppe, gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Sowohl eine Pacht für fischereiliche Nutzung als auch einen gemeinsamen Kauf schließt Büscher aus, da die Ziele der Naturschützer dann „nicht erreicht werden“ könnten. Auch gebe es bei der Finanzierung keinen Grund, sich auf das Angebot der Angler einzulassen, da das Finanzierungskonzept bereits stehe.

Sascha Wagener, Geschäftsführer von Schaumburger Weserkies AHE, sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Landessportfischerverband wegen eines möglichen Kaufs der Auenlandschaft bislang noch nicht an AHE herangetreten sei. Überdies habe AHE nicht die Absicht, jetzt noch einen „Richtungswechsel“ vorzunehmen, auch nicht in Anbetracht möglicher „wirtschaftlicherer Angebote“, da mit dem Nabu schon „zu Ende verhandelt“ worden sei und „die Verträge fast fertig“ seien, so Wagener. Allein pro forma würde man sich Gesprächen mit den Sportfischern natürlich nicht verweigern. Dem Nabu habe man jedoch schon zugesagt. „Und wir halten uns an unsere Zusagen“, betont Wagener.

Dennoch ist das letzte Wort über das vom Nabu geplante Angelverbot an den Kiesteichen noch nicht gesprochen. Derzeit wird vom Landkreis noch die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Hohenroder Kiesteiche“ ausgearbeitet. „Im Moment wird bei der Abwägung der Interessen von Jägern, Anglern und Naturschützern viel diskutiert“, sagt Ursula Müller-Krahtz, Dezernentin des Landkreises. Fest steht jedoch, dass die Verordnung, wenn sie einmal verabschiedet ist, ihre Gültigkeit behält – egal, wer der Eigentümer des Geländes ist.

Würden in der Verordnung beispielsweise festgelegte Bereiche zur Angelnutzung freigegeben, könnte der Nabu als möglicher Besitzer diese Freigabe nicht aufheben. Welche Freigaben und Einschränkungen die Verordnung im Detail enthalten wird, steht zurzeit jedoch noch nicht fest. Dazu müssen erst die Gespräche zwischen den einzelnen Beteiligten abgewartet werden.

Auch während der jüngsten Sitzung des Ortsrats Hohenrode-Strücken am vergangenen Dienstag waren die Kiesteiche Thema. Gerlinde Göldner-Dorka (SPD) äußerte noch einmal die Befürchtung, dass ein geplantes Naturschutzgebiet Einschränkungen für den Freizeitverein mit sich bringen könnte. Immerhin besage ein Entwurf der Verordnung, dass es verboten ist, wild lebende Tiere im Naturschutzgebiet zu stören – auch durch Einwirkung von Außen. „Was ist denn, wenn wir mal ein Sommerfest feiern oder grillen?“, fragte Göldner-Dorka, die selbst Mitglied des Freizeitvereins und des Nabu ist. Immerhin könne eine Zuwiderhandlung mit einer Strafe von bis zu 25 000 Euro belegt werden.

Diese Bedenken zerstreute Ursula Müller-Krahtz auf Anfrage unserer Zeitung. Es gebe diesen Umgebungsschutz zwar, normalerweise seien bestehende Nutzungen bei neuen Verordnungen aber bestandsgeschützt, sagt sie. Zusätzlich gebe es noch die Möglichkeit, Ausnahmemöglichkeiten in die Verordnung einzubringen. Dabei handele es sich um Freistellungen oder Erlaubnisvorbehalte, die im Verordnungstext festgeschrieben sind. Solch eine Ausnahmemöglichkeit würde Gerlinde Göldner-Dorka bevorzugen – und diese sollte am besten schon Teil der Verordnung sein, bevor diese öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt wird. „Das muss dann schon in trockenen Tüchern sein“, forderte sie.

Der Ortsrat folgte dieser Ansicht und formulierte schließlich einen Beschluss, in dem die Stadt gebeten wird, die nachbarschaftliche Nutzung des Freizeitvereins und auch der Dorfgemeinschaft, die nahe des Naturschutzgebiets ihr Osterfeuer veranstaltet, zu berücksichtigen.

Nick Büscher bemühte sich gestern unserer Zeitung gegenüber, die Bedenken des Ortsrats zu zerstreuen. Er habe sich bereits mit Bernd Wübker, dem Vorsitzenden des Freizeitvereins, „zum Kennenlernen“ getroffen. Dabei sei man übereingekommen, dass Feste nur von Vereinsmitgliedern veranstaltet und vom Vorstand des Freizeitvereins genehmigt werden müssen. „Exzessives Feiern und Grillen, wie an anderen Kiesteichen, wird es in der Auenlandschaft allerdings nicht geben“, stellt Büscher klar.




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