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Es wird auch Zeit: Defizite erreichen 14-Millionen-Euro-Grenze / Abteilungen werden zusammengelegt

Klinik-Baustelle soll im Spätsommer eröffnet werden

Landkreis. Noch diesen Spätsommer, da legt sich ProDiako-Geschäftsführer Heinz Kölking fest, wird in Vehlen die Baustelle für das neue Klinikum eröffnet. Davor liegt die Fusion mit dem Gesundheitskonzern Agaplesion und eine Baugenehmigung, die juristisch wasserdicht sein muss. Beide Wegmarken auf dem Fahrplan zum Neubau sollen bis Ende Juli erreicht sein. Denn fest steht auch: Je länger die Reise dauert, desto teurer wird sie für alle Beteiligten.

veröffentlicht am 14.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 12:22 Uhr

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Autor:

Frank Werner
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Mit „Hochdruck“ arbeite man in der Kreisverwaltung derzeit daran, die baurechtlichen Voraussetzungen für den Neubau zu schaffen, sagt Landrat Jörg Farr. In Abstimmung mit einem Fachanwalt – angesichts der Konflikterfahrungen mit der Bürgerinitiative wäre niemand überrascht, würde die Baugenehmigung auch juristisch angefochten. Grünes Licht erwartet Farr für Ende Juli.

Schon einen Monat früher, bis Ende Juni, soll die Fusion zwischen der ProDiako und Agaplesion in trockenen Tüchern sein. Gravierende Veränderungen für das Schaumburger Projekt erwartet Kölking durch die neue Konzernstruktur nicht: „Agaplesion ist ist von unserem Konzept und vom Standort des Neubaus überzeugt.“

Nicht ganz so überzeugt dürfte der Frankfurter Konzern von den bisherigen Bemühungen der ProDiako sein, die roten Zahlen der Kreiskrankenhäuser in den Griff zu bekommen. Als Ziel hatte die Geschäftsführung unter Claus Eppmann und Christian von der Becke noch im Sommer 2009 ausgegeben, die sich in der Planungs- und Bauphase über fünf Jahre ansammelnden Verluste um 20 Millionen Euro abzuschmelzen und am Ende auf einen Fehlbetrag von 14 Millionen Euro zu deckeln. Dieses Defizit sei jetzt schon „faktisch erreicht“, sagt Landrat Jörg Farr.

Schreibt man die Verlustkurve linear fort, würde sich in drei Jahren ein Gesamtdefizit von etwa 32 Millionen Euro auftürmen – mehr als das Doppelte der ursprünglich angepeilten Summe. Nicht nur ProDiako und die Stiftung Bethel, auch der Landkreis müsste deutlich tiefer in die Tasche greifen als erwartet.

Im Konsortialvertrag ist geregelt, dass der Landkreis für ein kumuliertes Defizit bis 14,1 Millionen Euro allein gerade steht und für die folgende Charge bis 24,1 Millionen zur Hälfte aufkommt. Dass diese insgesamt 19,1 Millionen tatsächlich die Kreiskasse belasten, daran zweifelt eigentlich niemand mehr.

Allerdings würden für den Landkreis ohne Partner und ohne Neubau-Projekt noch deutlich höhere Verluste zu Buche schlagen. Und selbst ein Verkauf der Häuser an Interessenten wie Sana oder Rhön – damals die Alternative zum Neubau – wäre nach derzeitigem Stand noch teurer geworden: Der Landkreis hätte zwischen 21 und 29 Millionen zubuttern müssen. Die Frage ist nur, ob auch die letzte im Konsortialvertrag fixierte Verlustmarke gerissen wird und die Belastung für die öffentliche Hand noch höher ausfällt. Denn alle kumulierten Verluste über 31,1 Millionen Euro müssten allein vom Landkreis geschultert werden.

Erwartet wird, dass Agaplesion den Druck zur Kosteneinsparung in den drei Krankenhäusern erhöht. Betriebsbedingte Kündigungen sehe er nicht, sagt Kölking auf Nachfrage, eher gehe es darum, für eine stärkere Auslastung des Personals zu sorgen. „Die drei Häuser müssen sich untereinander mehr abstimmen.“ Bislang habe jedes Haus primär an sich gedacht, auch die Führungsebene habe nicht einheitlich agiert. Durch den neuen Kopf der Geschäftsführung, den 54-jährigen Ralph Freiherr von Follenius, soll sich das ändern.

Künftig soll „in Sparten“ statt „in Standorten“ gedacht werden, erklärt Kölking. Das heißt: Abteilungen sollen nicht dreifach vorgehalten, sondern an einem Standort zusammengeführt werden. Das gelte für die Verwaltung, aber auch für den medizinischen Bereich.

Nicht zur Debatte stehe die Schließung des Standortes in Rinteln, schon aus ökonomischem Kalkül: „Man gibt ein Marktgebiet nicht auf“, sagt Kölking. Vielmehr soll gerade hier in neue Angebote investiert werden. Der ProDiako-Geschäftsführer lässt durchblicken, dass die Eröffnung neuer Abteilungen im neuen Klinikum – wie etwa die Neurologie – in Rinteln vorweggenommen werden könnte.

Für den unzureichenden Abbau des Defizits macht Kölking aber nicht nur die mangelnde Verschränkung der Standorte verantwortlich, sondern vor allem die sich verschärfenden Rahmenbedingungen. Der jüngste Tarifabschluss etwa treibe die Personalkosten weiter nach oben, auch die Honorarkosten für Ärzte seien erheblich gestiegen. Maßgeblich waren letztlich aber auch interne Faktoren, allen voran das Scheitern der Verhandlungen um einen Haustarifvertrag. Allein durch ihn sollte das Defizit ursprünglich um zehn Millionen Euro verringert werden.

Jetzt geht es darum, das Defizit durch konsequenter genutzte Synergien einzudämmen. Farr geht davon aus, dass sich am Ende etwa 25 Millionen Euro Verluste ansammeln könnten. Das allerdings nur, wenn die von Kölking angekündigten Maßnahmen greifen. Sonst könnte das noch düstere Vertragsszenario von über 30 Millionen im Minus Wirklichkeit werden.

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