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Unternehmen unterzeichnen Erklärung und kündigen Fusion an / Farr: „Stärkung des Partners“

Klinik-Riese Agaplesion greift nach proDiako

Landkreis. Der christliche Gesundheitskonzern Agaplesion und das diakonische Krankenhaus- und Pflegedienstleistungsunternehmen proDiako haben die Fusion ihrer Einrichtungen in eine gemeinsame Konzernstruktur bekannt gegeben. Die proDiako wird künftig unter dem Dach der Agaplesion AG geführt. Das teilten die beiden Unternehmen gestern in einer gemeinsamen Erklärung mit. Auswirkungen der Fusion auf den geplanten Neubau des Gesamtklinikums Schaumburg wurden darin indes nicht konkret geäußert. Betroffen von dem Zusammenschluss der Klinikbetreiber ist auch das Krankenhaus in Holzminden und das Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont.

veröffentlicht am 17.02.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Der Erklärung von gestern zufolge sei bereits am 10. Februar ein sogenannter „Letter of Intent“, eine Absichtserklärung, unterzeichnet worden. Ziel ist die gesellschaftsrechtliche Fusion zu einem gemeinsamen Konzern. „Vor dem Hintergrund immer schwieriger werdender Rahmenbedingungen und dem zunehmenden Wettbewerb für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen freuen wir uns über den nunmehr möglichen gemeinsamen Weg unter dem Dach der Agaplesion. Wir sind davon überzeugt, dass ein solcher Schritt dazu beitragen wird, die in der proDiako vereinten Häuser zu stärken“, erklärten die proDiako-Geschäftsführer Heinz Kölking und Michael Schwekendiek.

Seit Ende November 2011 haben die beiden Klinikbetreiber Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt. Seither gab es immer wieder Zweifel an der Finanzkraft der proDiako, die für den Neubau des Schaumburger Klinikums rund 35 Millionen Euro aufbringen muss, zudem an der Defizitdeckung der bestehenden Krankenhäuser in Rinteln und Stadthagen beteiligt ist. Bereits zu Beginn der Gespräche im vergangenen Herbst hatte proDiako-Geschäftsführer Schwekendiek betont, dass Agaplesion für die Realisierung des Gesamtklinikums einen „größeren finanziellen Background“ hat.

„Im Verlauf der bisherigen Gespräche stellten wir große Übereinstimmungen fest. Als diakonische Träger von Gesundheitseinrichtungen ist es unsere Aufgabe, christliche Unternehmen mit dem ihnen eigenen Profil zu stärken und damit neben der Arbeitsplatzerhaltung und -sicherung Diakonie und Kirche weiterhin in unserer Gesellschaft wahrnehmbar zu erhalten“, sagte nun Agaplesion-Gründer und Vorstandsvorsitzender Bernd Weber.

Die Agaplesion gAG mit Sitz im hessischen Frankfurt ist 2002 gegründet worden und vereint bundesweit rund 80 Gesundheitseinrichtungen. Der Konzern versorgt in seinen Krankenhäusern mit rund 5000 Betten über 280 000 Patienten. Die proDiako ist nicht einmal halb so groß. In den zehn Krankenhäusern des Unternehmens mit Sitz in Rotenburg stehen 2300 Betten für etwa 100 000 Patienten zur Verfügung. Niedersachsen ist bislang „weißer Fleck“ in der Konzernaktivität von Agaplesion, die Fusion mit dem vorwiegend in Niedersachsen tätigen Unternehmen proDiako durchaus eine strategische Entscheidung, als diakonisches Unternehmen weitere Marktanteile zu gewinnen. Denn seit Gründung befindet sich die gemeinnützige Aktiengesellschaft Agaplesion auf rasantem Wachstumskurs, innerhalb von zehn Jahren haben sich die Umsatzerlöse verfünffacht. Schwekendiek hatte auch betont, dass proDiako nicht nur die stärkere Finanzkraft des größeren Partners Agaplesion, sondern auch das „Management-Knowhow“ nutzen wolle. Dem Vernehmen nach sollen proDiako und Agaplesion derzeit über die Absichtserklärung der Fusion hinaus auch über organisatorische Abläufe im Gesamtklinikum Schaumburg beraten. Genutzt werden sollen dabei vor allem die Erfahrungen der Agaplesion AG beim Neubau eines Klinikums in Hamburg. Dort wurde vor einem Jahr ein Agaplesion-Neubau mit einer ähnlichen Bettenzahl wie für Schaumburg geplant eingeweiht. Das Hamburger Diakonieklinikum ist auch aus der Fusion dreier bestehender Krankenhäuser hervorgegangen.

Im Stadthäger Kreishaus wird die Fusion von proDiako und Agaplesion durchaus positiv bewertet. „Es ist gut, dass die Verhandlungen vorankommen“, sagte Landrat Jörg Farr. „Eine Stärkung des Partners ist für das Projekt Schaumburg zu begrüßen.“




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