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Warum stellte Polizei Ermittlung ein?

Kopie von Missbrauchsfall Elbrinxen: Mutter beschuldigt vierten Mann

ELBRINXEN/DETMOLD. Die jahrelange sexuelle Gewalt an Minderjährigen auf dem Campingplatz „Eichwald“ im Lügder Ortsteil Elbrinxen erscheint wie ein monströser Albtraum. Nachdem bereits drei Männer in Untersuchungshaft genommen worden sind, gibt es nun Hinweise, dass ein weiterer Dauercamper verwickelt sein könnte.

veröffentlicht am 25.02.2019 um 21:54 Uhr
aktualisiert am 26.02.2019 um 11:43 Uhr

Blick in einen Lagerraum auf Andreas V.s Camping-Parzelle. Jetzt macht eine Mutter der Polizei neue Vorwürfe. Foto: Christian Mathiesen/dpa

Autor:

Julia Rathcke, Janet König und Juliane Lehmann

Der vierte Mann, der aus Steinheim bei Höxter kommt, soll im April 2018 eine 15-Jährige vergewaltigt haben. Deren Mutter hat die Tat damals nach eigenen Angaben zur Anzeige gebracht. Die Ermittlungen seien aber eingestellt worden, sagte Michaela Vandieken (39) dem TV-Sender RTL. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Detmolder Polizei: „Man hat uns nie Gründe genannt, weshalb nichts unternommen wurde.“ Vandiekens Familie hatte selbst viele Jahre einen Stellplatz auf dem Elbrinxer Campingplatz. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter bestätigt den Fall: „Es hat Ermittlungen dazu gegeben.“ Warum sie eingestellt wurden, könne er wegen der aktuellen Ermittlungen nicht sagen. „Das kann damit zu tun haben, dass es keine hinreichenden Beweise gab oder die Zeugin nicht glaubwürdig war.“ Der Fall werde nun aber erneut überprüft.

Bei dem vierten Mann soll es sich um einen Dauercamper Mitte 40 handeln. Er ist offenbar mit dem in Untersuchungshaft sitzenden Mario S. (33) befreundet. Seine Parzelle soll in der Nachbarschaft von S.s Wohnwagen liegen. „Er war immer dabei und hat mit den Kindern rumgetobt“, sagt Michaela Vandieken. Da sich ihre Familien seit vielen Jahre durch das Campen kannten, habe sie keinen Verdacht geschöpft. Auch die Enkel des Mannes seien oft auf dem Campingplatz gewesen. Bei einem Grillabend im April 2018 sei ihre Tochter dann nach eigenen Angaben von dem Mittvierziger „abgefüllt“ worden, womöglich mit K.o.-Tropfen. „Sie kann sich noch daran erinnern, wie der Täter sich auf sie legte und Mario zuschaute“, sagt die 39-Jährige. Ihr Kind habe sich nicht wehren können. Drei Wochen später habe die Jugendliche sich ihr anvertraut. „Wir sind direkt zum Jugendamt nach Blomberg – die haben uns zur Polizei geschickt.“ Die Beamten dort hätten die Anzeige aufgenommen und an ihre Detmolder Kollegen weitergegeben. „Wir waren viermal zur Vernehmung in Detmold wegen des Missbrauchs an meiner Tochter“, erklärt die vierfache Mutter. Doch die Ermittlungen seien im Sande verlaufen. Sie habe noch nicht einmal ein Aktenzeichen bekommen. Das hätte sie gebraucht, um Hilfe beim Opferschutz zu bekommen. Ihre Tochter leide unter schlimmen Schlafstörungen. Die Familie habe bis vor drei Jahren auf dem Campingplatz gelebt – ihr Vater sei ein guter Freund von Andreas V. gewesen. Der 56-Jährige gilt als Hauptverdächtiger. Er und Mario S. sollen sich an mindestens 31 Kindern vergangen haben. „Viele müssen weggeschaut haben“, glaubt Vandieken. Sie selbst sei als Elfjährige mehrfach von Andreas V. angefasst worden. Die Erinnerungen seien durch das Erlebte ihrer Tochter wieder hochgekommen. „Ich habe es damals meinem Vater und meiner Oma erzählt – keiner hat mir geglaubt.“ Über Jahre hinweg soll sich der Dauercamper an ihr vergangen haben. Als 15-Jährige habe sie für ein paar Monate bei ihm leben müssen. Ihre Tochter habe zu Andreas V. nie Kontakt gehabt – dennoch habe sie auf dem Campingplatz ein ähnliches Schicksal ereilt.

Der Missbrauchs- und Polizeiskandal wird nun in den Landtagen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Thema. Auf Antrag von SPD und Grünen tritt heute der NRW-Innenausschuss zusammen. Minister Herbert Reul (CDU) soll über die Arbeit der Sonderermittler informieren, die das Verschwinden von 155 CDs und DVDs mit 0,7 Terabyte Daten aufklären müssen.




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