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Polizeistreife vereitelt Explosion / Versuchte Attacke auf Geldautomat: Roller in Holland gestohlen

Maskierte Täter wollen Commerzbank-Geldautomaten sprengen / Spur führt in die Niederlande

UPDATE: Spur führt in die Niederlande. HAMELN. Einen Tag nach dem gescheiterten Versuch, einen Geldautomaten in der Commerzbank-Filiale zu sprengen, fehlt von den Tätern weiterhin jede Spur. Zuletzt hatte sie eine Streifenwagenbesatzung an der Münsterbrücke gesehen, als die Unbekannten mit einem Motorroller in Richtung Klütstraße davonrasten. Das Fluchtfahrzeug wurde am Mittwoch am Rennacker gefunden (wir berichteten).

veröffentlicht am 13.12.2018 um 16:20 Uhr

Kriminaltechniker gehen in den Vorraum der Commerzbank-Filiale. Die Beamten sichern Spuren am Tatort. Auf dem Boden liegt ein Zündkabel. Die Täter wollten offenbar von außen ein Gasgemisch entzünden und dadurch einen Geldautomaten in die Luft jagen.
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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UPDATE 13.12.2018:

HAMELN. Einen Tag nach dem gescheiterten Versuch, einen Geldautomaten in der Commerzbank-Filiale zu sprengen, fehlt von den Tätern weiterhin jede Spur. Zuletzt hatte sie eine Streifenwagenbesatzung an der Münsterbrücke gesehen, als die Unbekannten mit einem Motorroller in Richtung Klütstraße davonrasten. Das Fluchtfahrzeug wurde am Mittwoch am Rennacker gefunden (wir berichteten).

Mittlerweile wissen Ermittler, dass der Motorroller in den Niederlanden gestohlen wurde. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine niederländische Tätergruppe handelt“, sagt Kriminalhauptkommissar Gerald Göhmann. Es handele um eine „netzwerkartige Zusammensetzung verschiedener Personen , die in unterschiedlichen Konstellationen diese Straftaten begehen“, wie der Ermittler die Bande beschreibt.

Die Polizei vermutet, dass die Täter mit einem Transporter, in dem der Roller verstaut war, unterwegs gewesen sind. Im Klütviertel wurden Kennzeichen von einem VW Crafter gestohlen, teilt Göhmann mit. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Täter diese Nummernschilder an ihr Fahrzeug montierten, um die niederländischen Kennzeichen zu überdecken, so der Polizeibeamte. Die Ermittler bitten Zeugen, denen im Klütviertel ein Transporter mit niederländischen Kennzeichen aufgefallen ist, sich bei der Polizei in Hameln unter der Telefonnummer (05151) 933-222 zu melden.

Mitte September versuchten Unbekannte, einen Geldautomaten in einer Filiale der Commerzbank in Stadthagen zu sprengen. Die Täter flüchteten, ohne Beute gemacht zu haben. Erfolgreicher waren Täter im Juli vergangenen Jahres in Holzminden – ebenfalls bei einer Commerzbank. . Sie jagten einen Automaten in die Luft und verursachten einen Schaden von mehreren Hunderttausend Euro.

Bericht vom 12.12.2018:

HAMELN. Viel hat nicht gefehlt, und in der Commerzbank wäre es zu einer Explosion gekommen. In der Nacht auf Mittwoch versuchten Kriminelle, einen Geldautomaten im Schalterraum der Bank an der Osterstraße zu sprengen. Die Täter wurden bei ihrem Tun von einer Polizeistreife gestört. Die Unbekannten flüchteten mit einem Motorroller durch die Fußgängerzone – verfolgt von dem Streifenwagen. Hinter der Münsterbrücke verschwanden die Gauner in der Dunkelheit. Die Enttäuschung, die Ganoven nicht geschnappt zu haben, war den beiden Streifenpolizisten in den Gesichtern abzulesen. Die Beamten waren nur wenige Meter von den Tätern entfernt, konnten sie schließlich aber nicht dingfest machen.

Gegen 3 Uhr lief in der Leitstelle ein Notruf ein. Ein Mitarbeiter eines Frankfurter Sicherheitsunternehmens schilderte dem Disponenten, in der Commerzbank-Filiale sei Alarm ausgelöst worden. Der 45-Jährige konnte in einer Videoübertragung zwei Männer beobachten, wie die an einem Geldautomaten hantierten und offenbar eine Sprengung vorbereiteten.

Sofort fuhren Polizeibeamte zum Grünen Reiter, eine Streife wurde allerdings von den Tätern bemerkt. Ein Mann hatte bereits auf dem Motorroller gesessen, erzählte der Kommissar im Gespräch mit dieser Zeitung. Der andere habe neben dem Fahrzeug gehockt und sei dann schnell auf das Moped gesprungen. Mit geschätzten 50 bis 60 Stundenkilometern sei der Motorroller durch die Osterstraße gerast, sagten die Beamten, die die Verfolgung aufgenommen hatten, vorbei an Betonpollern und zwischen den Weihnachtsmarktbuden hindurch.

Bis zum Ende der Bäckerstraße konnte die Streife den Flüchtigen folgen, dann seien die Täter mit dem Moped die Treppe eines Fußgängertunnels hinuntergefahren. Eine zweite Streifenwagenbesatzung entdeckte die Männer am Europaplatz und nahm die Verfolgung des über die Münsterbrücke fahrenden Rollers auf. An der Klütstraße verloren auch diese Polizisten das Fahrzeug aus den Augen. Die Täter entkamen.

Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sah die Täter gleich zweimal an sich vorbeifahren. Der Mann bewacht in den Nachtstunden den Weihnachtsmarkt. Zuerst sei der Motorroller von der Bäckerstraße in die Osterstraße gefahren. Nur Minuten später sei er in die entgegengesetzte Richtung gerast, verfolgt vom Streifenwagen und einem Zivilfahrzeug, erzählte die Security-Fachkraft.

Mittlerweile war der Tatort an der Bankfiliale mit Flatterband abgesperrt. Im Vorraum standen zwei Gasflaschen neben einem der Geldautomaten. Ein weißes Zündkabel lag auf dem Boden, führte hinaus ins Freie. Am Ende des Kabels war ein Plastikkasten montiert – vermutlich ein selbst gebauter Zünder. Die Unbekannten hatten versucht, im Inneren des Automaten eine Gasexplosion herbeizuführen. Dazu braucht es Fachkenntnis. Gas hatten sie allerdings noch nicht in das Gerät geleitet. Die Armaturen seien verschlossen gewesen, sagte Bernhard Mandla. Der Oberbrandmeister war Einsatzkraft in einem Feuerwehrtrupp, der mit einem Gasspürgerät die Raumluft überprüfte. Ein explosives Gas-Luftgemisch konnte die Feuerwehr nicht feststellen.

Kriminaltechniker suchten am Morgen in der Bankfiliale nach Spuren. Die Ermittler sicherten Fingerabdrücke, fotografierten den Tatort und stellten die „Arbeitsgeräte“ der Verbrecher sicher. Feuerwehrleute transportierten die zurückgelassenen Gasflaschen zur Dienststelle. Der zur Flucht genutzte Motorroller wurde am Vormittag am Rennacker gefunden. Eine Frau hatte das Moped in einem Gebüsch entdeckt, als sie mit ihrem Hund spazieren ging“, sagte Inspektionssprecherin Stephanie Heineking-Kutschera. Anhand von Standbildern der Videoüberwachung liegen Beschreibungen der Täter vor. Ein Mann trug eine Jeans sowie einen olivgrünen Parka. Sein Kompagnon war mit einer dunklen Hose und einer dunklen Regenjacke (mit dünnen, hellen Streifen auf dem Rücken) bekleidet. Die Männer sollen schwarze Sturmhauben und Handschuhe getragen haben.

Das Vorgehen der Kriminellen erinnert an eine Tat, die sich Anfang August an der Bäckerstraße ereignete. Unbekannte sprengten einen Geldautomaten in der Filiale der Santander-Bank und richteten einen Schaden von 180 000 Euro an. Sie flüchten ebenfalls mit einem Motorroller. Das Fahrzeug wurde später bei Tündern aufgefunden. Die Täter wurden noch nicht gefasst.




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