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Schaumburger Obermeister begrüßt 15,20 Euro pro Stunde als Mittel im Kampf gegen „schwarze Schafe“

Mehr Mindestlohn auf dem Bau

LANDKREIS. Auf Schaumburger Baustellen gilt seit Kurzem eine neue Lohnuntergrenze von 15,20 Euro pro Stunde. Der hiesige Innungs-Obermeister und Hagenburger Bauunternehmer Rudolf Nolte begrüßt den Abschluss als „wichtigen Schritt im Kampf gegen schwarze Schafe“.

veröffentlicht am 02.04.2019 um 00:00 Uhr

Idealerweise sollten Bauarbeiter auf Tariflohn pochen, findet die IG BAU. Foto: pr.
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Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gilt der Mindestlohn für 1250 Bauarbeiter im Landkreis. 140 Unternehmen in Schaumburg müssten ihn zahlen. Damit hätten auch angelernte Kräfte Anspruch auf 43 Euro mehr im Monat, wie die IG BAU mitteilt.

Die Bezirk Niedersachsen-Mitte der Gewerkschaft spricht von einem „überfälligen Lohn-Plus“ und appelliert an Fachkräfte, eine Bezahlung nach Tarif auch einzufordern „oder die Firma zu wechseln“. Der Mindestlohn sei gut, sagt IG-BAU-Bezirkschefin Stephanie Wlodarskiaber, aber der der Tariflohn sei besser. „Darunter sollte kein ordentlicher Bauarbeiter arbeiten gehen“, sagt Wlodarski.

Der Tariflohn für einen Spezialfacharbeiter liegt derzeit bei 20,63 Euro pro Stunde. „Wir hatten im vergangenen Jahr einen recht hohen Abschluss“, so die Arbeitgebersicht des Hagenburger Innungschefs Nolte. Dem einen oder anderen täte das „sicherlich auch weh“. Umso mehr sei der Mindestlohn aber „uneingeschränkt zu begrüßen“. So seien Betriebe, die keinen Tariflohn zahlten, gezwungen, „einigermaßen anständig“ zu entlohnen, was es ihnen wiederum erschwere, Aufträge zu unfair niedrigen Preisen auszuführen.

„Natürlich gibt es trotzdem immer noch Möglichkeiten, das zu umgehen“, sagt Nolte. Zum Beispiel indem man „Leute einfach länger arbeiten lässt“. Ein weiterer wichtiger Baustein seien deshalb verstärkte Zollkontrollen, die der Schaumburger Unternehmer ebenfalls befürwortet.

Auch Gewerkschafterin Wlodarski warnt Betriebe davor, zum Beispiel Fachleute mit dem – ebenfalls gestiegenen – Helfer-Lohn abzuspeisen. „Das ist illegal und kann bei einer Kontrolle durch den Zoll richtig teuer werden.“ Ungelernte auf der Baustelle bekommen seit März mindestens 12,20 Euro in der Stunde.

Über Auftragsmangel kann derzeit kaum jemand klagen. „Der Boom im Baugewerbe geht weiter“, stellt Wlodarski fest. Viele Firmen suchten händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern: „Deshalb sollten Bauarbeiter sich nicht unter Wert verkaufen.“

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche dem Statistischen Bundesamt zufolge deutschlandweit Auftragseingänge von knapp 80 Milliarden Euro – der höchste Wert seit 24 Jahren. jcp




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