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Gewerbegebiet am Schnatwinkel zieht Mittelständler an

Mehr Platz zum Geldverdienen: Fürstliche Hofkammer verkauft Land

NIENSTÄDT. Für Außenstehende mag langweilig klingen, was der Nienstädter Rat am kommenden Donnerstag diskutiert. Unter Punkt 4 der Tagesordnung soll es um den Bebauungsplan Nr. 21 „Hohes Feld“ gehen, also das Gewerbegebiet am Schnatwinkel. Hinter der Bezeichnung „Nr. 21“ verbirgt sich jedoch nichts weniger als dies: Der Rat bastelt tüchtig an Nienstädts Zukunft.

veröffentlicht am 16.01.2019 um 17:05 Uhr

Oberhalb der Hallen liegt heute noch Ackerland, demnächst sollen auch dort Gewerbetreibende siedeln. Foto: RG
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Arne Boecker Reporter
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NIENSTÄDT. Etwa 30 Betriebe sitzen heute in dem Gewerbegebiet links und rechts der Straße Schnatwinkel, die von der B 65 abzweigt: Baumärkte, Getränkehandel, Speditionen, Kunststoffverarbeiter, Autowerkstätten, gemeinnützige Vereine, dazu der obligatorische Spielsalon.

Die Höhe der Gewerbesteuern, die der Gemeinde zufließen, schwankt zwar von Jahr zu Jahr, aber die Bedeutung des Gewerbegebiets ist unumstritten. „2017 hat Nienstädt 876 000 Euro an Gewerbsteuern eingenommen“, liefert Gemeindedirektorin Sandra Wiechmann einen Beleg, „40 Prozent davon kamen aus dem Schnatwinkel.“

Salopp gesagt: Für ein gewerbesteuerstarkes, direkt an die B 65 angebundenes Gewerbegebiet wie den Schnaqtwinkel würden viele Bürgermeister ihre Großmutter verkaufen. Lukrativer sind nur Flächen entlang der A 2 - siehe Lauenau.

Vor diesem Hintergrund ist nicht erstaunlich, dass die Gemeinde seit Jahren versucht, den Geldbringer und Job-Motor zu erweitern. Seit jeher im Fokus: Flächen der Fürstlichen Hofkammer, die an das Gewerbegebiet grenzen. „Die Hofkammer wollte immer nur Land tauschen, aber nicht verkaufen“, sagt Nienstädts Bürgermeister Gerhard Widdel (SPD).

Erst als der Bürgermeister den Hof-Herren Alexander Schaumburg bei einem Termin zu einer Tasse Kaffee überreden konnte, löste sich im Vieraugengespräch der Knoten.

Gemeindedirektorin Sandra Wiechmann skizziert die Vereinbarung: „Die Hofkammer hat uns 78 000 Quadratmeter verkauft, die östlich an das Gewerbegebiet angrenzen.“ Eine Million Euro musste die Gemeinde der Hofkammer überweisen. „Wenn wir das Land für 22 Euro pro Quadratmeter abgeben, liegen wir unterhalb der Preise, die Stadthagen und Bückeburg nehmen“, erklärt Wiechmann. Die Kosten für die Erschließung sind eingepreist.

Bürgermeister und Gemeindedirektorin sind zuversichtlich, dass sie das Gewerbegebiet vermarktet bekommen. „Nachfragen kommen jetzt schon rein“, sagt Wiechmann. Sie erhofft sich für Nienstädt ein Mehr an „wohnortnahen Arbeitsplätzen“. In Zeiten grassierender Berufspendelei sind sie besonders beliebt.

Mindestens genau so wichtig wie Zuzügler anzulocken sei es aber auch, Alteingesessenen am Schnatwinkel Raum zur Erweiterung zu geben. Von dieser Sorte gibt es einige. „Wir freuen uns, dass wir demnächst zusätzliche Quadratmeter anbieten können“, sagt Sandra Wiechmann.

Die Erschließung der Flächen, die die Gemeinde dazu gewinnt, dürfte nicht kompliziert werden. „Das Wichtigste ist heute schnelles Internet“, sagt Gerhard Widdel über die Infrastruktur, „und das können wir bieten.“

Selbst die Frage, wo der Regen bleibt, der auf das Gewerbegebiet fällt, ist beantwortet. Die Gemeinde hat nahebei ein Gelände in der Hinterhand, auf dem sie ein Rückhaltebecken anlegen kann.

„Klar ist, dass wir die Straße ‚Schnatwinkel‘ neu machen müssen“, sagt Gemeindedirektorin Wiechmann, „die ist in der Vergangenheit immer weiter von der B 65 in das Gebiet hinein gewachsen.“

Es ist nicht leicht herauszufinden, seit wann es das Gewerbegebiet an der B 65 gibt. Selbst Bürgermeister Gerhard Widdel, seit fast drei Jahrzehnten im Amt, muss tief im Gedächtnis kramen. „Anfang der Siebzigerjahre muss das gewesen sein“, sagt er, „als erstes Unternehmen siedelte Witte, die Norddeutschland-Vertretung von Stihl-Motorsägen, am Schnatwinkel.“ Witte war seinerzeit aus Stadthagen zugezogen.

Bis vor zehn Jahren hatte die Gemeinde etwa die Hälfte der heutigen Belegung geschafft, dann lief das Gebiet endgültig voll. In den neunziger Jahren hatte die Hofkammer über ein eigenes Bauprojekt nachgedacht, eine Großraum-Disco und eine Kartbahn. Die Pläne zerschlugen sich jedoch.

Zurück in die Gegenwart: Bevor die Gemeinde die Flächen vermarkten kann, muss sie die Regeln festlegen. „Wir wollen hier keine Industrie, sondern Mittelstand“, sagt Gemeindedirektorin Wiechmann. Ausschließen wolle man den Bau von Bordellen und weiteren Spielhallen.

Die passen nämlich nicht zum Gewerbegebiet am Schnatwinkel, wo Nienstädts Zukunft heran wächst.




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