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Kreishandwerkerschaft begrüßt Initiative zur Rückkehr: „Ganze Berufszweige liquidiert“

Meister soll wieder Pflicht werden

LANDKREIS. Handwerkspräsident Peter Wollseifer fordert die Rückkehr zur Meisterpflicht für viele Berufe. Die Gesetzesänderung im Jahr 2004 habe viele negative Konsequenzen für das Handwerk gehabt.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 14:24 Uhr

Fliesenleger müssen sehr genau arbeiten. Eine Meisterpflicht gibt es in diesem Gewerbe aber nicht. Foto: dpa

Autor:

Mira Colic
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LANDKREIS. „Grundsätzlich kann seit damals jedermann beispielsweise einen Fliesenlegerbetrieb eröffnen“, erklärt Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Und das, ohne den Beruf je erlernt zu haben.“

Als Folge sei etwa die Ausbildungsquote in dem Beruf um 80 Prozent zurückgegangen. Denn viele fragten sich natürlich, was es ihnen nütze, wenn sie sich gar nicht qualifizieren müssten. „So ist unnötigerweise ein ganzer Arbeitszweig liquidiert worden.“ Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen.

Pape ist davon überzeugt, dass die Politik noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen wird. „Es gibt auf Bundesebene eine Initiative, die zur Meisterpflicht zurückkehren möchte. Das Thema ist jetzt so hochgekocht, dass die Politik reagieren muss.“ Im Gegensatz zu damals, als die Entscheidung zur Abkehr getroffen worden sei, herrsche heute eine andere Rechtsauffassung. „Es war damals nicht klar, ob die Meisterpflicht gegen EU-Recht verstößt.“ Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Handwerks besage, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich sei.

Der Geschäftsführer erhofft sich von der Meisterpflicht auch ein Ende der „fliegenden Kolonnen“, die für kurze Zeit eine Baustelle übernehmen und dann wieder weg sind.

Handwerkspräsident Wollseifer kritisiert zudem, dass viele Solo-Selbstständige keine Kranken- und Unfallversicherung zahlten. „Dadurch können sie ganz andere Preise kalkulieren und noch mal fast 40 Prozent günstiger anbieten. So komme es, dass sie für die Stunde 25 Euro berechnen, und Betriebe, die ihre Sozialversicherungsabgaben leisten, 50 Euro berechnen.

Dass „die Preise kaputtgemacht werden“, ärgert auch Fliesenleger-Meister André Hartmann. Er hat noch 2009 – freiwillig – seinen Meister gemacht. Ihm sei es nicht nur für sich persönlich wichtig gewesen, sondern wollte damit auch die „Qualität hochhalten“. Seitdem er sich 2009 selbstständig gemacht hat, beschäftigt er mittlerweile sechs Mitarbeiter. „Ich bilde auch noch aus, was viele andere schon gar nicht mehr machen.“ Es sei schwierig geworden, an „vernünftige Mitarbeiter“ zu kommen, weil die meisten lieber selbst einen Betrieb eröffneten. Hartmann hat auch vermehrt die Erfahrung gemacht, dass Kunden ihn anriefen, „um das zu beheben, was unqualifizierte Kollegen angerichtet haben“.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die die Rückkehr nicht für alle Branchen begrüßen. Gerade Gesellen, die sich selbstständig gemacht haben, wollen nicht verpflichtet werden, den Meister unmittelbar zu absolvieren. Phillipp Böhning hat seine Ausbildung vor etwa sieben Jahren zur Bestattungsfachkraft gemacht.

In seiner Branche ist ein Meistertitel ebenfalls keine Pflicht – und das begrüßt er im großen und ganzen auch. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb. Die Zeit für eine Meisterprüfung hat man nicht unbedingt“, sagt der 28-Jährige. Für die Weiterbildung müsste er ein Mal im Monat für eine Woche zu einem Lehrgang – und würde dem Betrieb in dieser Zeit nicht zur Verfügung stehen. Böhning wolle aber in keiner Weise ausschließen, dass er seinen Meister, sobald es zeitlich möglich sei, noch nachhole.

Aus seiner Sicht müsste zunächst vor allem die Pflicht bestehen, eine Ausbildung als Bestatter erfolgreich zu absolvieren, um ein Gewerbe eröffnen zu dürfen. So würde es ungelernten schwarzen Schafe erschwert, in dem Gewerbe Fuß zu fassen und Schaden anzurichten. col, jemi




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