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Missbrauch in Bad Oeynhausen: 16 Monate vom ersten Hinweis bis zur Durchsuchung / Datenmengen überfordern Ermittler

Mindener Landrat räumt „folgenreichen“ Fehler ein

MINDEN/BAD OEYNHAUSEN. Im Fall eines wegen des Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs beschuldigten 60-jährigen Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen schweigt der Beschuldigte. Zunehmend gerät nun die Polizei unter Druck. Sie brauchte vom ersten Hinweis bis zur Durchsuchung 16 Monate.
„Ein Fehler mit weitreichenden Folgen“, erklärte der Minden-Lübbecker Landrat Ralf Niermann jetzt gegenüber der Neuen Westfälischen. „Wir werden den Fehler aufarbeiten.“ Niermann ist als Landrat dienstrechtlich für Personal und Organisation der Kreispolizei verantwortlich.

veröffentlicht am 12.04.2019 um 18:01 Uhr

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Bereits im November 2017 hatte ein Computer-Fachmann aus Süddeutschland kinderpornografisches Material auf dem PC des Physiotherapeuten gesichert und dieses an die Polizei übergeben. Trotzdem benötigten die Beamten bis März dieses Jahres, um die Wohn- und Praxisräume zu durchsuchen und seine Mobiltelefone und Computer – insgesamt ist die Rede von vier Terabyte Daten – sicherzustellen. Zuvor rückten die Beamten offenbar dreimal erfolglos wieder ab.

Welche Umstände zu der Verzögerung geführt hätten, werde nun in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW in Selm und dem übergeordneten Landesinnenministerium geprüft. Vom Ergebnis hänge es ab, ob sich daraus Konsequenzen ergeben würden.

Als in den Tagen nach der Durchsuchung am 8. März klar gewesen sei, welche Dimensionen der Fall habe, habe die Verzahnung zwischen Polizei und Verwaltung dazu geführt, dass das Kreisgesundheitsamt am 25. März ein Berufsausübungsverbot gegen den Physiotherapeuten ausgesprochen habe. Erst einen Tag nach der Verhaftung, so Niermann, seien die Beamten des Polizeipräsidiums Dortmund involviert worden und in Minden angereist.

Grundsätzlich leiste die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke gute Arbeit. „Trotzdem können Situationen entstehen, in denen das Personal nicht ausreicht.“ Auch bei der Kriminalpolizei würden immer mehr Stellen eingespart. Niermann sinnvoll, Missbrauchsdelikte genauso zu zentralisieren wie Mordfälle.

Missbrauchsfälle aufzuarbeiten ist aufgrund riesiger Datenmengen schwierig. Darauf wies jetzt NRW-Innenminister Herbert Reul hin. „Wir stehen vor Bergen von Daten, Bildern und Filmen, die da zusammenkommen. Und wir bekommen sie nicht ausgewertet. Das ist die Wahrheit.“

Im Missbrauchsfall von Lügde müssen die Ermittler 15 Terabyte an Daten durcharbeiten. Zum Verständnis: Ein Terabyte entspricht 250 Millionen A-4-Schreibmaschinenseiten. Beim Landeskriminalamt wurden 2018 zwischen 2000 bis 3000 Terabyte Daten bei Kinderpornografie-Ermittlungen sichergestellt.mt/dpa




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