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Interne Ermittlungen / Verdacht auf Datenlöschung

Missbrauchsfall Lügde: Jugendamt soll Akten gefälscht haben

LÜGDE. In den Akten des Jugendamtes Hameln soll ein Vermerk nachträglich hinzugefügt und rückdatiert worden sein. Das Jugendamt Hameln-Pyrmont hat den Mitarbeiter vorsorglich freigestellt und prüft weitere Konsequenzen.

veröffentlicht am 15.02.2019 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 15.02.2019 um 16:13 Uhr

Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) – hier bei einer Pressekonferenz im Jugendamt Hameln-Pyrmont in der vergangenen Woche – erklärte am Freitag: „Die Glaubwürdigkeit des Hauses ist in jedem Fall beschädigt. Zuvor hatte ein Jugendamtsmitarbeit

Im Fall des Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat das zuständige Jugendamt Hameln-Pyrmont einen Mitarbeiter freigestellt. Der Mitarbeiter habe am heutigen Freitag eingeräumt, einen Vermerk nachträglich in Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben, teilt die Behörde am Mittag in einer Pressemitteilung mit.

Tjark Bartels, Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, hat am Freitagmittag mitgeteilt, „dass ein Mitarbeiter am heutigen Tage eingeräumt habe, einen Vermerk nachträglich in Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben. Er wollte die Akte um einen fehlenden Vermerk ergänzen und so die Akte vervollständigen.“ Der Landkreis erklärte, umgehend eine interne Prüfung eingeleitet zu haben. Fest steht, dass das Verhalten des Mitarbeiters nicht zu tolerieren sei. „Ein fehlender Vermerk in einer Akte geschieht im Büroalltag - diesen Vermerk dann aber im Nachhinein zu erzeugen und rückzudatieren, lässt den Verdacht auf einen Verstoß gegen Dienstpflichten - ganz unabhängig davon, ob die eingefügten Informationen falsch oder richtig waren - zu“, erklärt Pressesprecherin Sandra Lummitsch.

„Ich stelle mich konsequent vor meine Mitarbeiter, habe aber ebenso unmissverständlich angekündigt, dass wir mit derselben Konsequenz vorgehen, wenn in unserem Haus vorwerfbar falsch gearbeitet wurde. Ohne den Vorgang im Detail zum jetzigen Zeitpunkt bewerten zu können, prüfen wir, ob das Verhalten eine Pflichtverletzung darstellt. Die Glaubwürdigkeit des Hauses ist in jedem Fall beschädigt“ führt Bartels aus. „Der betreffende Mitarbeiter ist ab sofort vorsorglich vom Dienst freigestellt, bis die Vorwürfe geklärt sind. Ebenso haben wir noch heute mit der eigenen Aufklärung begonnen. Die Staatsanwaltschaft wurde vom Landrat sofort informiert, auch der Mitarbeiter hat sich dort gemeldet“, so Lummitsch abschließend.

Laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter wird bereits gegen eine Person wegen des Verdachts auf Datenlöschung ermittelt. Gegen diesen Verdächtigen führe man ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung. Geprüft werde, ob die Person Daten für einen der drei Hauptverdächtigen gelöscht hat und ob damit eine Bestrafung verhindert werden sollte.

Bei der Akte handelt es sich um Unterlagen zur Pflegetochter des Hauptverdächtigen Andreas V., der neben mindestens 30 anderen Kindern auch seine Pflegetochter jahrelang schwer sexuell missbraucht haben soll.

Worum es im Einzelnen ging, wollte die Behörde am Freitag nicht erläutern. Vor Montag gebe es keine genaueren Erkenntnisse zu dem Vorfall, hieß es.




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