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Frisierte Jugendamtsleiter Akte für besseren Eindruck?

Missbrauchsfall Lügde: Landrat räumt Fehler ein

HAMELN-PYRMONT. Bei einer Pressekonferenz hat Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) weitere Informationen zu der Aktenmanipulation gegeben, die ein Mitarbeiter des Jugendamtes ihm gegenüber im Zusammenhang mit dem Lügder Missbrauchsfall vorgenommen haben soll. Die Manipulation war der erste konkret nachweisbare Fehler in der Kreisverwaltung, den Bartels im Zusammenhang mit dem Lügder Missbrauchsfall einräumen musste.

veröffentlicht am 19.02.2019 um 22:44 Uhr
aktualisiert am 20.02.2019 um 10:52 Uhr

Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels: „Es ist falsch, ein Dokument im Nachhinein einzufügen.“
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Manipulation war der erste konkret nachweisbare Fehler in der Kreisverwaltung, den Bartels im Zusammenhang mit dem Lügder Missbrauchsfall einräumen musste. Sein Versprechen, schonungslos mit Fehlern umzugehen, suchte Hameln-Pyrmonts Landrat nun mit der Pressekonferenz einzulösen.

Zum aktuellen Kenntnisstand berichtete Bartels am Dienstag, der Mitarbeiter habe im Dezember ein Vermerk angefertigt und unter einem anderen Datum in die Akte des Pflegekinderdienstes über Andreas V. und seine Pflegetochter eingefügt. „Nach unserem Eindruck sollte der spätere Leser der Akte eine andere Wahrnehmung bekommen.“ Um einen falschen Inhalt sei es dabei nicht gegangen. Aber, so Bartels: „Es geht um Aktenintegrität.“ Eine Rückdatierung werde zum Problem, wenn der, der sie vornehme, das viel später mit einem Wissen tue, das er zum vorgeblichen Erstellungszeitpunkt am 20. Juni noch nicht gehabt habe. Und: Wenn die Person damit eine bestimmte Zielsetzung verfolge: dass nämlich ein späterer Leser eine bestimmte Wahrnehmung bekommen sollte.

Offenbar versuchte die „Führungskraft“ (Bartels), also wohl der Jugendamtsleiter, im Bemühen um einen besseren Eindruck den Anschein zu erwecken, als habe es im vergangenen Sommer eine „eindeutige Lage“ gegeben. Konkret ging es um die Zusammenfassung eines Kontaktbesuchs mit einem neuen Träger der Familienhilfe auf dem Elbrinxer Campingplatz. Der schwierige und komplexe Abwägungsvorgang sei im Nachhinein geglättet zusammengefasst worden. Bartels: „Es ist falsch, ein Dokument im Nachhinein einzufügen.“

Im Frühsommer 2018 hatte es einen Wechsel der sozialen Dienstleister gegeben, die das Jugendamt mit der Begleitung des Pflegeverhältnisses beauftragt hatte. Weil die Mitarbeiterin des vorher tätigen Dienstes und der heute als Hauptverdächtiger geltende Pflegevater nicht miteinander klarkamen, sollte ein neuer Familienhelfer her. Doch der fand sich nicht gleich, und die vorher wöchentlichen Besuche wurden seltener. Laut Bartels entstand eine Betreuungslücke von acht Wochen, „die uns im Rückblick zu lang erscheint“. Der Landrat erklärte, er glaube, „dass wir das enger hätten begleiten müssen“.

Mindestens 31 Kinder sind auf einem Campingplatz im Lügder Ortsteil Elbrinxen für den Dreh von Kinderpornos sexuell missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft.




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