weather-image
22°
×

Staatsanwalt legt 18-Jährigem fünf Taten zur Last

Mutter und Sohn auf Diebestour

STADTHAGEN. Für ihren 18-jährigen Sohn ist eine Frau (42) aus Stadthagen offenbar kein gutes Vorbild. Gemeinsam sollen beide in einem Stadthäger Kaufhaus einen Ladendiebstahl begangen haben. Staatsanwalt Wilfried Stahlhut wirft der Mutter vor, den Tatort abgeschirmt zu haben, damit der Filius ungehindert drei T-Shirts und eine Hose einstecken konnte, Damenbekleidung im Gesamtwert von rund 80 Euro. Das soll im Juli 2015 passiert sein. Der Ladendetektiv hatte die mutmaßlichen Langfinger erwischt.

veröffentlicht am 02.08.2016 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 13:02 Uhr

Fest steht: Wegen einer ähnlichen Tat sind beide schon verurteilt worden. Im August 2014 hatten sie aus einem Stadthäger Markt Sportschuhe mitgehen lassen. Gegen die Mutter verhängte das Amtsgericht damals eine Geldstrafe. Im Fall des Sohnes blieb es bei einer Ermahnung, weil der Jugendliche zu der Zeit noch Ersttäter war. Diesmal droht dem Heranwachsenden im Fall eines Schuldspruchs eine Jugendstrafe. Mit oder ohne Bewährung, das ist die Frage.

Staatsanwalt Stahlhut legt ihm nämlich noch vier weitere Diebstähle zur Last, laut Anklage ohne Mutters Hilfe verübt. So soll der junge Mann in einem Mindener Kaufhaus drei Lederjacken für zusammen fast 470 Euro in seinen Rucksack gesteckt haben, ohne zu bezahlen. In einer Hannoverschen Parfümerie soll er es auf zwei Deo-Sticks (45 Euro) und in einem Modemarkt der Landeshauptstadt auf ein Paar Sportschuhe (40 Euro) abgesehen gehabt haben.

Ebenfalls in Hannover kam es zu einem Zwischenfall, der schwerwiegende Folgen haben könnte. Nachdem der Stadthäger aus einem dortigen Modehaus Kleidung und Parfüm im Wert von insgesamt fast 200 Euro gestohlen haben soll, sprach ihn der Ladendetektiv an. Laut Anklage riss sich der mutmaßliche Dieb los und bog dem Mann den kleinen Finger der linken Hand um. In diesem Fall wird dem 18-Jährigen räuberischer Diebstahl vorgeworfen, ein Verbrechen. Vor Gericht braucht er deshalb einen Pflichtverteidiger.

Im Gegenzug für ein Geständnis hatte Richter Kai Oliver Stumpe dem 18-Jährigen zum Prozessauftakt eine Jugendstrafe mit Bewährung in Aussicht gestellt. „Eventuell gekoppelt mit einem Warnschuss-Arrest“, wie Stumpe noch hinzufügte. Das heißt, der Richter geht von „schädlichen Neigungen“ aus. Nur dann darf bei Delikten dieser Art eine Jugendstrafe verhängt werden. Von einem umfassenden Geständnis will der Angeklagte jedoch nichts wissen. Verteidiger Paulo Dias sieht keine schädlichen Neigungen und findet die von Stumpe ins Spiel gebrachte Strafe auch mit Bewährung zu hart. „Einen Warnschuss-Arrest könnte ich mittragen“, so der Anwalt.

Während der Sohn bisher von seinem Recht Gebrauch macht, zu den Vorwürfen zu schweigen, versichert die Mutter: „Ich habe nicht geklaut.“ Der Prozess wird fortgesetzt. ly




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige