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Prozess um Gewaltexzess zieht sich

Nach fünf Jahren noch kein Ende

MEERBECK/BÜCKEBURG. Mehr als fünf Jahre nach einer folgenschweren Gewalttat gegen Ende der Vatertagsfeier 2013 in Bad Hiddenserborn beschäftigt der Fall noch immer die Gerichte. Drei Männer aus Bückeburg und Bad Eilsen sollen den Praktikanten einer Gaststätte, der Gläser einsammeln wollte, so verprügelt haben, dass das Opfer eine Hirnblutung erlitt und auf einem Ohr taub geblieben ist.

veröffentlicht am 09.08.2018 um 15:31 Uhr

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Das Schöffengericht in Stadthagen hatte die Angeklagten im März 2016 wegen gefährlicher Körperverletzung zu Bewährungsstrafen zwischen 15 Monaten und zwei Jahren verurteilt. Vor dem Bückeburger Landgericht läuft zurzeit die Berufungsverhandlung. Es ist bereits der dritte Anlauf. Aus verschiedenen Gründen ist der Prozess seit Ende 2014 viermal geplatzt – beide Gerichte zusammengerechnet. Dreimal hatte die Verteidigung Richter abgelehnt, in zwei Fällen mit Erfolg. Einmal war eine wichtige Zeugin krank geworden.

Die Beweisaufnahme gestaltet sich auch diesmal schwierig. Das Opfer, zur Tatzeit 24 Jahre alt, kann sich an nichts erinnern. „Fünf oder sechs Tage sind weg“, erklärte der Helpser zum Prozessauftakt. Was damals passiert sein soll, wisse er nur von anderen. Zu diesen Zeugen gehören ein Gastwirt und dessen Sohn, die an jenem 9. Mai ebenfalls angegriffen worden waren, als sie ihrem Praktikanten helfen wollten. Der Vater erlitt einen Kieferriss, sein Filius einen Nasenbeinbruch. Beide werden demnächst vernommen.

Bis zu sechs Männer sollen den Praktikanten damals von einem Radlader gezogen, geschlagen und noch getreten haben, als er bereits hilflos am Boden lag. Die Ärzte stellten ein Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutungen fest. Psychisch ist der Verletzte schwer angeschlagen.

Eine Zeugin, die damals in der Gaststätte beschäftigt war: „Ich hab‘s aus meinem Gedächtnis verbannt und wollte davon auch nichts mehr wissen“, erklärte sie. Richterin Christiane Wilk hielt ihr eine Vernehmung im Vorfeld des Prozesses vor. Damals hatte die Zeugin zu Protokoll gegeben, in einer Gruppe von vier oder fünf Leuten einen der Angeklagten erkannt zu haben.

Über den Praktikanten sagte sie, dieser habe die Gruppe „ganz normal angesprochen“. Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge hatte der Gastwirt gehupt, während der Praktikant die Zecher mündlich aufforderte, zur Seite zu treten. Die Männer sollen verärgert gewesen sein, weil es nichts mehr zu trinken gab. Zu den Vorwürfen schweigen die Angeklagten. Die Tat muss ihnen nachgewiesen werden.

Im ersten Prozess war das Schöffengericht Stadthagen von einer Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung abgerückt, die härter bestraft wird als gefährliche Körperverletzung. Dazu müsste das Opfer auf beiden Ohren taub sein. Nun erscheint sogar ein Freispruch denkbar, nachdem eine Zivilkammer am Landgericht eine Klage des Helpsers auf 30 000 Euro Schmerzensgeld abgewiesen hat. Rechtskräftig ist diese Entscheidung noch nicht. ly




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