weather-image
-3°
Lärm an der B 65: Samtgemeinde wartet auf Ergebnisse einer eigenen Erhebung

Nienstädt will härtere Zahlen als die EU

NIENSTÄDT. Auf einer Länge von fast vier Kilometern zieht sich die B 65 durch die Gemeinde Nienstädt. Seit das so ist, wird entlang der Trasse über das Thema Lärm diskutiert. Die Europäische Gemeinschaft (EU) möchte dazu Zahlen sehen. Weil den Nienstädtern die angewandten Messmethoden zu ungenau sind, haben sie genauer hingeschaut und hingehört, als es die EU verlangt.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 16:54 Uhr

Auf der stark genutzten B 65 ist die Ortsdurchfahrt Nienstädt besonders stark vom Lärm umtost. Foto: rg
Avatar2

Autor

Arne Boecker Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

NIENSTÄDT. „Wir haben ein Büro aus Hannover beauftragt, exakte Zahlen zu erheben“, sagt Sandra Wiechmann, Vertreterin von Bürgermeister Ditmar Köritz in der Samtgemeinde und Nienstädter Gemeindedirektorin. Im Dezember haben sich die Fachleute mit Videokameras an drei Stellen in Nienstädt postiert, um die Fahrzeuge zu zählen, die über die B 65 brausen. Auf der Grundlage dieser Videos rechnen sie die Lärmbelastung hoch.

Laut Sandra Wiechmann kommen die Zahlen im Lauf der nächsten Wochen rein. „Wir wollen die Ergebnisse in der März-Sitzung des Samtgemeinderates vorstellen“, sagt sie. Anschließend wird die Öffentlichkeit an dem Verfahren beteiligt.

Die Fleißarbeit soll letztlich in den so genannten Lärmaktionsplan einfließen. Diesen Plan muss die Gemeinde aufstellen, weil es die Umgebungslärm-Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft und ein Bundesgesetz so wollen. Der Aktionsplan stellt eine Art Plattform dar, der Kommunen Daten über die Lärmbelastung liefert. Vereinfacht gesagt: Auf dieser Grundlage sollen sie einschätzen, wie laut es bei ihnen ist, sodass sie entscheiden können, wie sie gegensteuern. Sie sollen mithilfe des Plans auch ruhige Straßen schützen können.

Weil das Thema B 65 in Nienstädt aber nun mal eine gewisse Brisanz besitzt, gibt sich die Samtgemeinde nicht mit den Zahlen zufrieden, die auf der Grundlage der EU-Richtlinie vom Land Niedersachsen gesammelt wurden. Das Land hatte sich für die Erhebung der Zahlen des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts in Hildesheim bedient. „Die Messstellen lagen am Bruchhof in Stadthagen und in Gelldorf“, sagt Sandra Wiechmann von der Samtgemeinde, „für die Situation hier bei uns in Nienstädt ist das wenig aussagekräftig.“ Schließlich lägen zwischen Stadthagen und Gelldorf zahlreiche Zu- und Abfahrten zur Bundesstraße, die den Verkehrsstrom veränderten.

Auf Unverständnis stößt in der Verwaltung ein Teilergebnis der vorliegenden Erhebung. „Dass der Lärm über die Jahre abgenommen haben soll, kann in Nienstädt niemand nachvollziehen“, sagt Sandra Wiechmann aus der Verwaltung der Samtgemeinde.

Im Hintergrund wabert bei all diesen Zahlen und Tabellen natürlich das Thema Umgehungsstraße. Nienstädt soll eine Umgehung bekommen. Die Maßnahme findet sich als „vordringlich“ im Bundesverkehrswegeplan, der künftige Straßenbauprojekte auflistet und nach ihrer Bedeutung einstuft.

Vor allem der exakte Verlauf der Trasse erhitzt schon die Gemüter, dabei ist man von einer Umsetzung noch weit entfernt. Die Einstufung der Nienstädter Umgehung als „vordringlich“ klingt zwar zackig – aber womöglich zu Unrecht.

Sandra Wiechmann von der Samtgemeinde mutmaßt, dass die B 65-Umgehung frühestens in 15 Jahren fertig ist. Aber selbst das könnte zu optimistisch sein. Vor allem die personellen Engpässe in den Behörden und bei den Bauunternehmen bremsen den Elan der Planer und Bauer.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare