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Staatsanwaltschaft ermittelt

Noah (2) stirbt nach Krankenhausbesuch - Schaumburger spenden für trauernde Familie

POHLE. Urplötzlich hat eine Krankheit das Leben des gerade einmal zwei Jahre alten Noah aus Pohle beendet. Für die Familie ist eine Welt zusammengebrochen. Nun erdrückt die Schuldenlast der Beerdigung die Familie. Ein enger Freund von Noahs Vater sammelt daher Spenden. Zu erreichen ist die Kampagne online auf www.gofundme.com/f/abschied-mit-tranen. Das steckt dahinter:

veröffentlicht am 10.08.2019 um 08:30 Uhr

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POHLE. Urplötzlich hat eine Krankheit das Leben des gerade einmal zwei Jahre alten Noah aus Pohle beendet. Für die Familie ist eine Welt zusammengebrochen. Besonders tragisch: Noah hätte bald einen Bruder bekommen, denn die trauernde Mutter ist schwanger. Zusätzlich erdrückt nun die Schuldenlast der Beerdigung die junge Familie.

Mit Fieber war Noah Mitte Juli in das Johannes Wesling Klinikum in Minden, das zu den Mühlenkreiskliniken gehört, gebracht worden. Mit einem fiebersenkenden Mittel seien er und seine Eltern wieder nach Hause geschickt worden. In seinem Kinderzimmer in Pohle starb er anderthalb Stunden später. Die Kosten für die Beerdigung können die Eltern nicht aufbringen, weshalb Lukas Böhm, ein enger Freund des Vaters Nico Bormann, eine herzergreifende Spendenkampagne ins Leben rief.

„Ich bin selbst Vater. Ich habe mich verantwortlich dafür gefühlt, den Eltern einen Teil der Last abzunehmen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Am 26. Juli wurde Noah beerdigt – mit seinen Kuscheltieren und seiner Decke. „So, als würde er schlafen“, sagt Böhm. Dafür habe sich die Familie verschuldet.

„Deswegen möchte ich Spenden sammeln und hoffe wirklich, dass ich meinem besten Freund damit helfen kann, diese Tragödie zu verarbeiten“, heißt es in dem Aufruf. Das Ziel der Kampagne liegt bei 6000 Euro. Bislang haben 15 Spender erst 375 Euro aufgebracht.

Beide Elternteile beziehen Hartz IV – Bormann, weil er aufgrund einer Krankheit aktuell nicht arbeiten kann, die Mutter war wegen der Kindesbetreuung ausgelastet.

Mit der Schuldenlast auf den Schultern falle es den Eltern noch schwerer, mit dem tragischen Tod ihres zweijährigen Sohnes abzuschließen, schildert Böhm. Kurz nach dem Abschiednehmen konnten die Eltern noch nicht einmal Gegenstände zur Trauerbewältigung, wie zum Beispiel Stofftiere, aus dem Zimmer holen, weil der Raum versiegelt wurde, wie es üblich ist bei Todesfällen von Kindern. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld nahm allgemeine Ermittlungen auf (siehe Kasten), was in einem solchen Fall ebenfalls üblich ist.

Nun müssen die Trauernden auch noch einen Umzug organisieren, weil sie es nicht länger in der Wohnung aushalten, in der Noah gestorben war. In diese waren sie erst wenige Wochen zuvor eingezogen. Die junge Familie freute sich zu jener Zeit bereits auf weiteren Zuwachs – Bormanns Lebensgefährtin Oliwia, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist aktuell wieder schwanger.

„Ich möchte, dass sie damit abschließen können“, so Böhm. Solange die Eltern auf diesen Kosten sitzen, sei das aber schwer möglich, da sie immer wieder an die Beerdigung erinnert werden. „Sie müssen jetzt stark bleiben und nach vorne schauen können für das Kind, das in Oliwia heranwächst“, betont Böhm.

Ein Gedanke geht den Eltern immer wieder im Kopf herum. Er macht die Verarbeitung des Geschehenen unmöglich. „Sie fragen sich die ganze Zeit, warum sie wieder nach Hause geschickt wurden“, sagt Böhm. Unbestätigten Informationen zufolge soll Noah an der Influenza gestorben sein.

Erreichbar ist die Spendenkampagne für die Familie im Internet auf www.gofundme.com/f/abschied-mit-tranen.

Information

Bei den Mühlenkreisklinken ist die Bestürzung über Noahs Tod groß. Binnen weniger Stunden hat sich ein Sprecher des Krankenhauses auf die Anfrage dieser Zeitung zurückgemeldet und eine Stellungnahme abgegeben.

„Der Tod des kleinen Jungen hat die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mühlenkreiskliniken sehr betroffen gemacht“, schreibt Pressesprecher Christian Busse. Der Tod sei eine Tragödie für die Eltern und die übrigen Angehörigen. „Ihnen gilt unser tiefes Mitgefühl.“

Der Sprecher bestätigt, dass Noah in der Klinik „vorgestellt wurde“ – sprich: dass die Eltern ihn dort untersuchen ließen. Einzelheiten könne er aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht nennen.

„Da die Staatsanwaltschaft Bielefeld den Todesfall als ungeklärt betrachtet, hat sie allgemeine Ermittlungen aufgenommen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Auch aus diesem Grund wolle man keine weiteren Angaben machen. Die Ermittlungen würden aber von den Mühlenkreiskliniken im vollen Umfang unterstützt, betonte der Sprecher.göt




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