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„Kochen macht Freunde“: Nach dem Lesen geht es in die Küche, um Herz, Kopf und Bauch zu füttern

Ohne erhobenen Zeigefinger

EISBERGEN. Ulrich Bach und Klaus Becker haben ihr gemeinsames Buch vorgestellt. Nach dem Lesen geht es zum Kochkurs in die Küche.

veröffentlicht am 18.12.2018 um 17:33 Uhr
aktualisiert am 18.12.2018 um 19:40 Uhr

„Kochen macht Freunde“: Klaus Becker (r.) und Ulrich Bach stellen ihr erstes Buch vor. Foto: rnk
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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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EISBERGEN. Noch am Morgen hat er die ersten Reaktionen auf das gemeinsame Buch testen können, live und in Farbe, wie es so schon heißt, ungefiltert, in der Grundschule: Dort hat Ulrich Bach vorgelesen, ein bisschen davon erzählt, welch weiter Weg es zum eigenen Buch ist, und dann hat er mit den Kindern gekocht. Und wie war es? „Nun ja“, sagt der Eisberger, „am Anfang waren sie nicht so begeistert, weil Karotten und Kartoffeln auf dem Speiseplan standen.“ Und dann? Dann hat er mit den Kindern beides klein geschnitten und geröstet. Das Ergebnis war etwas Chipsartiges. Und? „Die Kinder waren begeistert.“

Zusammen mit Klaus Becker hat Bach das Buch geschrieben, er hat die Geschichte und die Rezepte beigesteuert, Becker die wirklich schönen und farbenprächtigen Bilder. Erzählt wird in „Kochen macht Freunde“, wie Koch Karl Eier kauft, aus einem schlüpft ein junges Küken, das auf den Namen Paul Boküse getauft wird, und ein Graupapagei und ein Pfannkuchen spielen ebenfalls mit, und am Schluss können Mama und Papa nach dem Vorlesen mit dem Nachwuchs in die Küche gehen und dort nachkochen, was Karl, der Koch, an Rezepten zum Buch beigesteuert hat.

Ulrich Bach ist seit Jahr und Tag selbstständiger Koch, er gibt Kurse für Erwachsene und Kinder, und die Geschichte des ersten Buches beginnt mit einer Anfrage des Kindergartens: Ob Bach nicht mal einen Kochkurs für diejenigen Kinder geben könnte, die demnächst in die Schule gehen würden? Bach hatte durchaus Bedenken: Was können die Kleinen? Was darf man ihnen überhaupt in einer Küche in die Hand geben? Dann sagte er zu – und erlebte jede Menge Spaß und Begeisterung. Und weil er selbst in längerer Elternzeit war, hatte er Zeit, sich eine Geschichte auszudenken: für Kinder, rund ums Kochen.

Weitere Abenteuer rund um Koch Karl sind durchaus geplant. Repro: rnk

Bach rief dann bei Klaus Becker an, man kennt und schätzt sich seit Jahren, Becker ist mit vielen kreativen Talenten gesegnet, und hatte schon vor langer Zeit, mehr aus Jux, angeboten, bei einem Kochbuch von Bach die Fotos beizusteuern. Dennoch, sagt Becker, sei er natürlich überrascht gewesen, als Bach anrief: Ja, er plane tatsächlich ein Kochbuch, aber für Kinder, und nein, Fotos werde er nicht brauchen, aber eben: Zeichnungen.

Angesichts schlechter Essgewohnheiten bei Kindern mit einem Übermaß an Fastfood und immer mehr übergewichtigen Kindern und solchen, die an Diabetes erkranken, wollen beide gegensteuern, erklären sie im Pressegespräch, aber eben: ohne erhobenen Zeigefinger. Ganz im Gegenteil, mit Wortwitz und liebevollen Zeichnungen stellen sie gekonnt den Spaß und die Freude am Kochen in den Vordergrund.

Bis beide das fertige Buch in der Hand halten konnten, war es doch noch ein längerer Weg, denn jeder Verlag, dem sie es vorstellten, war grundsätzlich begeistert: Schöne Idee, das ja. Aber in welches Regal sollte man es später in der Buchhandlung stellen? Denn ein reines Kochbuch wäre es ja nicht und ein reines Kinderbuch ebenfalls nicht.

Becker und Bach blieben hartnäckig, sie nutzten einen Kontakt, den der Koch bei einem Eventkochen geknüpft hatte, sie erhielten ein bisschen Unterstützung und neue Impulse, aber den letzten Schritt gingen sie allein: Auf einer Buchmesse hatten sie vorab alle Verlage herausgesucht, die möglicherweise für das Buch infrage kommen würden, im kleinen Verlag Neunmalklug fanden sie abschließend ihren bestens passenden Partner. Denn der Verlag Neumalklug arbeitet nach dem Prinzip „Cradle to Cradle“, also von der Wiege zur Wiege; das bedeutet, dass es bei der Buchproduktion keine bedenklichen Abfälle gibt, sondern einen biologischen Kreislauf. Alle eingesetzten Materialien und Stoffe sind umweltfreundlich und für die Gesundheit unbedenklich. Somit sind ihre Bücher nicht nur perfekt für kleine Kinderhände, sondern auch gut für die Umwelt. Auch Bach und Becker betonen den nachhaltigen Aspekt: Es seien Pflanzenfarben für ihr Buch genutzt worden, es werde nicht in Folie verpackt, das Papier selbst stammt aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft, sagt Bach, und, nicht zu vergessen, „gedruckt wurde nicht in China, sondern hier in Deutschland“.

Das Duo hat in diesen Vorweihnachtstagen die örtlichen Buchhändler und Geschäfte angefahren und ihr Werk ausgeliefert; wo es nicht vorrätig ist, kann es ganz normal über den Handel bestellt werden. Becker hat zudem einen Online-Shop eröffnet: karl-der-kleine-koch.de.




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