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„Outsourcing“ von patientenfernen Leistungen / Über 100 Stellen von Sparmaßnahmen betroffen

Personalabbau in den Krankenhäusern

Landkreis. Die Planungen zum Personalabbau in den Krankenhäusern Rinteln und Stadthagen werden konkreter. Nach Informationen unserer Zeitung stehen über 100 Stellen in den pflegefernen Bereichen zur Disposition. Befristete Verträge haben vor allem in Rinteln wenig Chancen auf Verlängerung, auch mit betriebsbedingten Kündigungen ist zu rechnen. Am 3. Juli will sich das neue, von Pro Diako getragene Management mit dem Personalrat auf ein Konzept verständigen.

veröffentlicht am 24.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 06:22 Uhr

Autor:

Frank Werner
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Von Sparmaßnahmen betroffen sind vor allem die „Sekundär- und Tertiärbereiche“ der Krankenhäuser, Sparten wie Reinigung, Labor, Küche, Pforte oder Verwaltung. Jeden dieser Bereiche hat die neue Management-Gesellschaft auf den Prüfstand gestellt – mit unterschiedlichen Konsequenzen.

Für das Labor beispielsweise wird ein Betriebsübergang bevorzugt, ein Outsourcing-Modell innerhalb der Krankenhäuser. Ein niedergelassener Laborarzt soll in die Krankenhäuser geholt werden, durch die internen Aufträge sein Umsatzvolumen steigern und das vorhandene Personal besser auslasten. Für die 24 Labor-Mitarbeiter (16 Vollstellen) in Stadthagen und Rinteln bedeutet der Betriebsübergang, dass die Verträge ein Jahr Bestandsschutz genießen, danach sind Anpassungen allerdings zu erwarten.

Deutlich über zwei Millionen Euro sollen allein in diesem Bereich eingespart werden, sagt Pro-Diako-Geschäftsführer Claus Eppmann. Die Strategie, einen externen Anbieter ins Haus zu holen, der das Personal übernimmt, werde von Pro Diako auch in anderen Kliniken angewandt. Eppmann legt viel Wert auf dieses Beispiel, um deutlich zu machen, dass man intelligente Lösungen anstrebe und keinen personellen Kahlschlag.

Doch es gibt andere Bereiche, bei denen Eppmann weniger ins Detail gehen möchte. „Es sind laufende Verhandlungen und ich lege Wert darauf, zuerst mit den Arbeitnehmern selbst zu sprechen“, gibt der Geschäftsführer keine Auskünfte zu den Bereichen, in denen das Auslagern von Leistungen massiven Stellenabbau bedeutet.

Auch über die definitive Zahl der Stellen, die wegrationalisiert werden soll, bewahrt Eppmann Schweigen. Allerdings wird die bereits veröffentlichte Zahl von über 100 Stellen auch nicht dementiert. Der Werksausschuss (Nachfolger des Krankenhaus-Ausschusses), der sich am Montag in nicht-öffentlicher Sitzung konstituierte, wurde zumindest in groben Zügen über die laufende Planung für jede Abteilung in Stadthagen und Rinteln unterrichtet. Auch zwei Mitglieder des Personalrats gehören dem (allerdings weitgehend kompetenzlosen) Werksausschuss an.

Nach Informationen unserer Zeitung zählt die Reinigung zu den Sparten, die ohne Betriebsübergang an eine Fremdfirma ausgelagert werden sollen – hier sind Kündigungen und Nicht-Verlängerungen von befristeten Verträgen zu erwarten. Und wohl auch die härtesten Verhandlungen mit dem Personalrat und der Gewerkschaft Verdi.

Beeinflusst wird die Personalplanung auch von der unterschiedlichen Auslastungsentwicklung beider Kreiskrankenhäuser: Stadthagen boomt regelrecht, Rinteln hat wachsende Probleme, vergrößert das Defizit. Deshalb soll Pflegepersonal von Rinteln nach Stadthagen versetzt werden.

Für die Diskrepanzen bei den Fallzahlen werden intern konkrete Gründe genannt. Stadthagen kann nach einer Karenzzeit jetzt die durch den neuen Linksherzkatheter-Messplatz entstehenden stationären Fallzahlen geltend machen. In Rinteln dagegen stehen dem Vernehmen nach die Chefärzte in der Kritik der Sanierer – nicht in medizinischer Hinsicht, aber mit Blick auf die Bilanzen. Zu wenig Kontaktpflege nach außen wird dem Chef-Chirurgen ins Stammbuch geschrieben (wie schon seinem Vorgänger), die Überweisung von Herz-Patienten nach Bad Oeynhausen statt nach Stadthagen hält man dem Chef der Inneren Abteilung vor.

Offiziell kündigt Eppmann eine „Marketingoffensive“ für das Haus in Rinteln an.

Eine Stelle, die wegfallen wird, steht schon jetzt fest: Geht der Stadthäger Gynäkologie-Chefarzt Dr. Johannes Feltz-Süßenbach in wenigen Monaten in Ruhestand, soll die Gynäkologie und Geburtshilfe an allen drei Schaumburger Krankenhäusern nur noch von einem Chefarzt geführt werden – dem Bückeburger Dr. Momme Arfsten. Durch die Zusammenlegung an der Spitze erhofft sich Pro Diako zudem eine Erlössteigerung um eine Million Euro.




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