weather-image
15°

Kaum Auswirkungen auf Klinikum Schaumburg

Pfleger: Sana-Klinikum fast täglich abgemeldet

HAMELN. Wenn eine Klinik keine Patienten mehr aufnehmen kann, meldet sie sich bei der Leitstelle, die die Einsätze für die Rettungskräfte und Notärzte koordiniert, ab. Das kann für die Notaufnahme gelten oder für einzelne Abteilungen. Im Sana-Klinikum soll das in den letzten Wochen sehr häufig der Fall gewesen sein, berichtet ein Mitarbeiter einer anderen Akut-Klinik in der Region, der anonym bleiben wollte.

veröffentlicht am 07.03.2019 um 17:33 Uhr

Rettungsfahrzeuge vor der Hamelner Notaufnahme. Foto: wal
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Beschreibung ist kein Einzelfall: Seit einigen Wochen seien zumindest Teilbereiche der Hamelner Klinik fast täglich mehrere Stunden oder sogar bis zum nächsten Tag abgemeldet, erzählt ein Rettungssanitäter. Für ihn beginne dann die mühsame Suche nach einem freien Bett in einem anderen Krankenhaus, sagt er. Der Mitarbeiter der Klinik spricht von Überlastung.

Der Leitende Arzt der Schaumburger Notaufnahme, Holger Finkemeier, kann bisher allerdings keine Auswirkungen auf Schaumburg erkennen. Man habe in den letzten Wochen „im normalen Umfang Patienten aus dem Landkreis Schaumburg aufgenommen.“ Auswirkungen der Abmeldung des Sana-Klinikums seien nicht vermehrt spürbar. Grundsätzlich versorge das Schaumburger Klinikum regelmäßig Patienten aus Hameln-Pyrmont, insbesondere aus den Grenzgemeinden.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont bestätigt, dass das Sana-Klinikum in letzter Zeit relativ häufig abgemeldet war. Der Landkreis, als zuständige Instanz für die Leitstelle, kennt die Zahlen zwar, bittet aber darum, diese beim Krankenhaus zu erfragen. Das Sana-Klinikum hatte bei einer Nachfrage der Dewezet zum selben Thema Ende Januar von einer „Ausnahme“ gesprochen.

„Wenn andere Häuser sich abmelden, bedeutet das immer eine Mehrbelastung für andere Häuser“, sagt Anja Tiemann, Sprecherin des Bathildis-Krankenhauses in Bad Pyrmont. Dort sei in den letzten Wochen ein erhöhtes Patientenaufkommen in der Notaufnahme spürbar gewesen. In der ersten Märzwoche im Durchschnitt 57 Patienten versorgt, „sonst sind es ungefähr 40 Patienten in der Notaufnahme.“

Für die Patienten bedeutet das lange Wege. Bis sie mit den Notärzten und Rettungssanitätern in der Klinik ankommen, vergehe oft viel Zeit, sagt der Krankenpfleger.

Das Problem der immer längeren Wegstrecken, bis sich ein freies Bett für die Patienten findet, kennt Thomas Breitkopf von Hauptberuflichen Wachbereitschaft in Hameln gut. Strecken von 50 Kilometern seien normal. Der Rettungsdienst fährt regelmäßig Kliniken in Hannover, Bad Pyrmont und Bad Münder an. Auch bis Höxter, Bad Oeynhausen werden die Patienten gefahren und sogar in Nienburg waren die Rettungskräfte schon. „Durch die langen Wege verzögert sich auch die Wiedereinsetzbarkeit des Rettungsfahrzeugs“, sagt Breitkopf, „das ist ein großes Problem. Die zunehmenden Abmeldungen der Kliniken, auch des Sanas, bekämen die Rettungskräfte deutlich zu spüren. „Das ist aber eine Tendenz, die schon seit Monaten anhält“, sagt Breitkopf. Mal sei die Chirurgie abgemeldet, mal die Innere, mal die Notaufnahme.

Doch woran liegt das? Das Sana-Klinikum argumentierte bei der letzten Nachfrage im Januar, als die Abmeldung der Notaufnahme als „Ausnahme“ eingeordnet wurde, neben Umbaumaßnahmen mit saisonal erhöhtem Krankheitsaufkommen. Diesmal wollte sich das Sana gegenüber dieser Zeitung gar nicht äußern.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare