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Video von Aufstiegsfeier

Portaner Fußballer feiern mit Nazi-Parole: Stadt schaltet Verfassungsschutz ein

Ein Video der Aufstiegsfeier des TuS Holzhausen/Porta macht derzeit die Runde in den heimischen WhatsApp-Gruppen. "Sieg heil" rufen einige der Feiernden gleich mehrfach im Chor und strecken dabei den Meister-Pokal der Kreisliga B Süd in die Höhe. Jetzt hat die Stadt den Verfassungsschutz eingeschaltet. Der Trikotsponsor aus Eisbergen will den Verein trotzdem unterstützen.

veröffentlicht am 04.09.2019 um 13:07 Uhr
aktualisiert am 04.09.2019 um 15:48 Uhr

PORTA WESTFALICA. Ein Video der Aufstiegsfeier des TuS Holzhausen/Porta schlägt derzeit hohe Wellen. „Sieg heil“ rufen einige der Feiernden laut dem Mindener Tageblatt, dem das Video vorliegt, gleich mehrfach im Chor und strecken dabei den Meister-Pokal der Kreisliga B Süd in die Höhe. Im Hintergrund sind auch einige kritische Stimmen zu hören, die sagen: „Jungs, was macht ihr da?“ Sie gehen jedoch in lauten Parolen unter.

Das Video ist offenbar direkt in der Kabine des TuS aufgenommen worden. Der Zeitstempel datiert es auf den 5. Mai 2019, 21.48 Uhr. Kurz zuvor war die erste Mannschaft des TuS „HoPo“, wie der Verein unter Fußballern kurz genannt wird, mit einem 6:0 gegen den TuS Bad Oeynhausen II in die Fußball Kreisliga A aufgestiegen.

Warum das Video erst jetzt, rund vier Monate nach der Aufnahme, öffentlich wird, steht bisher noch nicht fest. Womöglich hat es mit dem überraschenden Einzug des Teams ins Halbfinale des Kreispokals zu tun.

Matthias Adamkowitsch, Vorsitzender des TuS Holzhausen/Porta, hat das Video am Morgen erstmals gesehen. „Ich bin geschockt und immer noch völlig durch den Wind“, sagt er sichtlich mitgenommen im Gespräch in dem Mindener Tageblatt. „Wir distanzieren uns von diesem Video. So etwas darf und wird nicht wieder vorkommen.“ Der Vorstand werde sich am Mittwochabend zusammensetzen, um herauszufinden, wie es zu diesem Vorfall kam, wer auf dem Video zu sehen ist, wer es mit dem Handy aufgenommen hat.

Auch Mike Achtelik, Trainer der ersten Mannschaft, und womöglich auch einige Spieler sollen kurzfristig dazu befragt werden. Zunächst habe der Vorstand den Coach am Mittwoch noch nicht telefonisch erreichen können. Auch Anfragen des Mindener Tageblatts wurden von Achtelik bisher nicht beantwortet. In der Sitzung werde man das weitere Vorgehen besprechen. Was Adamkowitsch bereits in seiner ersten Stellungnahme sagen kann: „Dieser Vorfall wird definitiv Konsequenzen haben. So etwas lassen wir nicht zu.“

Die Stadt Porta hat das Video ebenfalls erhalten und wertet es als eine Straftat nach Paragraf 86a Absatz 1 und 2 StGB, darüber hinaus greife auch Paragraf 130 Volksverhetzung StGB. „Die Stadt wird sich in dieser Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft und den Verfassungsschutz wenden und darüber hinaus umgehend das Gespräch mit dem Verein TuS Holzhausen Porta 1905 und dem Vorsitzenden des Stadtsportverbandes suchen“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.

Bürgermeister Bernd Hedtmann: „Ein solches Verhalten kann und darf nicht toleriert werden. Abgesehen von der strafrechtlichen Relevanz halte ich es für dringend notwendig, hier das Gespräch zu suchen. Gerade vor dem Hintergrund, dass an der Porta 3000 Menschen unter dem nationalsozialistischen Regime in drei Lagern schwer gelitten haben und seit einigen Jahren intensive Aufklärungsarbeit hierzu geleistet wird, trifft mich ein solches Verhalten persönlich und auch als Bürgermeister, der den Ruf dieser Stadt zu schützen hat.“

Die RWS Baustoff-Recyling GmbH fungiert beim TuS Holzhausen/Porta als Trikotsponsor – und wird diese Tätigkeit auch nach dem Vorfall fortsetzen, wie Geschäftsführer Rainer Spier auf MT-Anfrage mitteilt. „Ich stehe weiterhin zum Verein.“ Von den Geschehnissen und dem in den Sozialen Medien kursierenden Video habe er bislang noch nichts gehört, als das MT ihn am Mittwoch kontaktiert. „Ich sehe es aber tolerant. Die Jungs haben an dem Tag schön gefeiert. Das kommt immer mal vor. Das Thema wird mir zu sehr an die große Glocke gehängt“, sagt Spier.

Ein Großteil der Mindener Fußballszene bewertet das offenbar anders. In zahlreichen WhatsApp-Gruppen wurde das Video am Mittwoch heiß diskutiert. Einige Mannschaften denken demnach auch über einen Boykott des Teams nach. Der Tus Holzhausen/Porta hat am Donnerstagabend sein nächstes Spiel gegen RW Maaslingen II. Anstoß ist um 18.15 Uhr in Maaslingen.

Am Mittag positionieren sich der SV Hausberge, der TuS Kleinenbremen 1920 und der FSC Eisbergen öffentlich mit der klaren Botschaft: Kein Platz für Rassismus. „In den Farben getrennt, in der Sache vereint – Gemeinsam gegen Rechts“ – mit diesen Worten beginnen die Vereine eine Stellungnahme auf ihren Facebookseiten. Das Video sorge in den Sozialen Netzwerken für sehr viel Aufsehen und Empörung – „und das unserer Meinung nach völlig zu recht. In unserer heutigen Zeit ist kein Platz für so etwas“, heißt es in dem Schreiben. Die drei Vereine seien Rivalen auf dem Platz, doch nun beziehen sie gemeinsam Stellung: Diese Form von Gedankengut „findet in unseren Vereinen keinen Platz“. Weder auf noch neben dem Platz habe Rassismus etwas zu suchen.




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