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Teil I: Kassenärztliche Vereinigung warnt vor fehlendem Ärzte-Nachwuchs

Praxensterben

LANDKREIS. Ein Drittel aller praktizierenden Hausärzte in Schaumburg ist älter als 60 Jahre – 32 von 98 insgesamt Medizinern. Wie die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zeigt, ist die Situation in Nenndorf besonders kritisch. Dort wird in den nächsten zehn Jahren die Hälfte der Hausärzte ihre Praxis aufgeben.

veröffentlicht am 20.04.2019 um 00:00 Uhr

Ein Drittel der Hausärzte in Schaumburg wird seine Praxen in den nächsten zehn Jahren aufgeben. Foto: dpa

Autor:

mira colic
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„Statistisch gesehen ist jeder zweite berufstätige Arzt in Niedersachsen 50 Jahre und älter. Das Durchschnittsalter aller 15 764 Mitglieder beträgt 54,1 Jahre“, sagte Mark Barjenbruch, KVN-Vorstandsvorsitzender.

Der Landkreis ist in die Mittelbereiche Bückeburg, Nenndorf, Rinteln und Stadthagen unterteilt. Die Versorgungsgrade in Bückeburg betragen 108,8 Prozent (0,5 Sitze frei), in Nenndorf 111,7 (gesperrt) in Rinteln 93,5 Prozent (drei Sitze frei) und in Stadthagen 92,6 Prozent (acht Sitze frei). Von den im Bereich Bückeburg tätigen 18 Hausärzten sind vier älter als 60 Jahre – das sind 22,2 Prozent. In Nenndorf sind von den 23,5 Hausärzten elf älter als 60 (46,8 Prozent). In Rinteln sind es sechs von 15 (40 Prozent) und in Stadthagen elf von 42 Ärzten (26,2 Prozent).

„Die statistische Entwicklung zeigt klar, dass die demografischen Veränderungen sich auf die ärztliche Versorgung auswirken werden“, so der Vorsitzende der KVN-Bezirksstelle Hannover, Dr. Eckart Lummert. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, um eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuhalten: etwa mithilfe einer Aufstockung der Medizinstudienplätze oder der Einführung einer Landarztquote.

Insgesamt hat die KVN-Bezirksstelle Hannover für ihren Bereich im Jahr 2018 141 Arztsitze – für Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten – für eine Nachbesetzung ausgeschrieben. Davon konnten 98 einem Nachfolger übergeben werden. 35 Verfahren laufen noch. „Dieser Zuwachs wird langfristig jedoch bei weitem nicht den künftigen Versorgungsbedarf abdecken“, so der KVN-Vorstandsvorsitzende.

„Eine Aufstockung der Medizinstudienplätze in Niedersachsen um 200 Plätze ist dringend geboten. Die Rahmenbedingungen in ländlichen Regionen Niedersachsens müssen verbessert werden, damit das Leben und Arbeiten auch für Mediziner attraktiv bleibt. Der Ausbau der Internetstrukturen und die Stärkung des Bedarfsverkehrs sind unerlässlich“, sagt Barjenbruch.

Auf Anregung der KVN haben Stadthagen und die Nachbarkommunen, die den „Planbereich Stadthagen“ bilden, bereits 2017 die „Initiative für Hausärzte in Schaumburg“ ins Leben gerufen worden. Dazu gewährte die KVN für das Jahr 2018 im Planungsbereich für zwei Hausarztniederlassungen eine finanzielle Unterstützung von jeweils bis zu 60 000 Euro aus einem Strukturfonds. Zusätzlich können niederlassungs- oder anstellungswillige Ärzte eine Umsatzgarantie für die ersten beiden Jahre ihrer Tätigkeit erhalten.

„Alles muss auf den Prüfstand. Gemeinden könnten zum Beispiel über kommunale Stipendien für angehende Medizinstudenten nachdenken, um den Nachwuchs zu fördern. Sie sollten über die Schaffung von Ärztehäusern genauso nachdenken wie über die Schaffung von ausreichend Wohn- und Praxisräumen für künftige Bewerber. Die Kinderbetreuung für Arztfamilien und die Organisation eines Arbeitsplatzes für Partner oder Partnerin sollten Thema sein. Die Gemeinden müssen ihre Attraktivität für Arztfamilien aktiv in die Öffentlichkeit tragen“, schlug der Vorstandsvorsitzende vor.

Dies sieht auch die Schaumburger Initiative vor: So sollen die Vorzüge des Landkreises als attraktives Lebens- und Wohnumfeld dargestellt werden und in der Region aufgewachsene Medizinstudenten und Ärzte in der Weiterbildung sollen auch kontaktiert werden.

Welche Maßnahmen der Kreis, die KVN sowie die Gemeinden und Kommunen (erfolgreich) ergriffen haben, lesen Sie im 2. Teil.




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