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Hinter verschlossenen Türen bleiben Fragen zum Umweltschutz im Möllenbecker Wald offen

Reese plant Bodendeponie in der Sandgrube

Möllenbeck (wer). Das Kieswerk Reese will die Sandgrube im Möllenbecker Wald zum Teil mit Bodenaushub verfüllen. Beim Gewerbeaufsichtsamt hat das Unternehmen einen Antrag auf Einrichtung einer Bodendeponie gestellt. Die Stellungnahme der Stadt dazu steht noch aus – für den Verwaltungsausschuss blieben in zwei Sitzungen Fragen zur Umweltsicherheit offen.

veröffentlicht am 01.12.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 14:21 Uhr

Sandgrube des Kieswerks Reese im Möllenbecker Wald – bald

Auf einer Teilfläche von acht Hektar soll eine Deponie mit einem Aufnahmevolumen von rund 800 000 Kubikmetern und einer Schutthöhe von maximal 27 Metern (im Schnitt zehn bis elf Meter) angelegt werden. Geplant ist lediglich das Einbringen von Material der Deponieklasse Null (Inertabfälle), das heißt von unbelastetem Boden aus Straßen-, Industrie- oder privaten Bauprojekten, der die Umwelt nicht kontaminiert.

Die Deponie wird für 15 Jahre projektiert, was nach Angaben des Unternehmens bei einer jährlichen Liefermenge von rund 53 000 Kubikmetern etwa 20 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Tag ausmachen würde, wobei zum Teil auf den Rückfahrten Sand als Ladegut mitgenommen werde. An- und Abfahrten sollen auf der vorhandenen Straße zum Kieswerk erfolgen. Die Verwaltung drängt in ihrer Vorlage vorsorglich auf das Einhalten der Schallschutz-Vorgaben für das benachbarte Baugebiet „Auf dem langen Lande“ in Möllenbeck.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss jedoch in ganz anderer Hinsicht zum Teil vehemente Kritik am Projekt geäußert. Laut Protokoll der ersten Sitzung meldete vor allem SPD-Ratsfrau Gerlinde Göldner- Dorka Bedenken hinsichtlich der Kontrolle der Abfälle an: Wie soll sichergestellt werden, dass tatsächlich nur unbelasteter Boden deponiert wird, wie das Kieswerk angibt? Antje Rinne (WGS) teilte die Skepsis und plädierte dafür, das Projekt abzulehnen. Für eine positive Stellungnahme sprach sich Dr. Dietmar Nolting (CDU) aus.

Das Thema wurde vertagt, kam aber am 18. November erneut in den Ausschuss. Diesmal stellten Reese und Vertreter des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover das Projekt persönlich vor. Doch auch sie konnten die offenen Fragen zur Versickerung des Oberflächenwassers und zu möglichen Gefahren für das Grundwasser nicht ausräumen. Vor allem Heinrich Sasse (WGS) fühlte den Behörden-Vertretern in dieser Sitzung kritisch auf den Zahn und wies auf das benachbarte Wassergewinnungsgebiet hin. Das Ergebnis war die erneute Vertagung – ein Teilerfolg für die Kritiker.

Jetzt hat die WGS einen Antrag gestellt, das Thema in den Rat und damit in die Öffentlichkeit zu holen, wo es bislang noch nicht diskutiert wurde.

Weil eine wirksame Kontrolle des Bodenmaterials nicht sichergestellt werden könne, so argumentiert die WGS, soll der Rat das Gewerbeaufsichtsamt auffordern, die Deponie nicht zu genehmigen. Ohne wirksame Kontrolle könne auch kontaminiertes Material aus Baugruben in den Möllenbecker Wald gelangen, ausgeschwemmt werden und das Grundwasser belasten. Wörtlich heißt es im Antrag: „Jenseits der eher moralischen Frage, ob man die Kameshügel wegbaggern und das Loch dann teilweise mit Abfall verfüllen sollte, sind die bestehenden Risiken für das Grundwasser derzeit nicht abgeklärt.“

Die Verwaltung will zu dieser Frage eine Einschätzung der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis einholen.

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