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Zwei findige Emmerthaler bauen „Schwitzkästen“ in Form von Badekarren

Rollende Sauna für zu Hause

EMMERTHAL. „Schwitzkasten ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Unterarmwürgegriff, wobei mit möglichst großer Kraft zugedrückt wird“, heißt es bei Wikipedia. Doch die Emmerthaler Firma Schwitzkasten 1800 hat nichts mit Ringern, Catchern und bösen Verletzungen zu tun. Ganz im Gegenteil, sie bietet Besonderes für Entspannung und Gesundheit an: zu einer Sauna umfunktionierte Badekarren.

veröffentlicht am 27.12.2018 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 27.12.2018 um 18:30 Uhr

Michael Titz legt letzte Hand an einem Badekarren an, der demnächst in Bad Harzburg aufgestellt wird. Foto: HEK

Autor:

Henner E. Kerl
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„Wir haben die mobilen Umziehkabinen auf Norderney gesehen“, erzählt Michael Titz, „und uns gedacht, dass man aus denen eigentlich mehr machen könnte“. Mit „wir“ meint der Hamelner Thomas Girke aus Bielefeld. Ihn lernte er vor sieben Jahren bei einem Urlaub auf der Nordseeinsel kennen, und mit ihm gemeinsam entwickelte sich aus einer „Bierlaune“ heraus die Idee, selbst Badekarren zu bauen, die aber nicht für den Strand, sondern als Sauna für den heimischen Garten.

„Eigentlich eine verrückte Idee“, sagt Titz. „Doch die ersten von uns gebauten Strandkarren fanden überaus gute Resonanz“. So gründeten sie ihre Firma „Schwitzkasten 1800“ mit Sitz in Emmerthal, und machten sich daran, den Bau der ungewöhnlichen Vehikel zu forcieren. „Mit Serienproduktion aber hat das natürlich nichts zu tun. Jeder Badekarren von uns ist eine Einzelanfertigung“. Dabei kommt den Firmeninhabern zugute, dass sie beide nicht nur das Meer lieben und überzeugte Saunagänger, sondern auch Handwerker mit Leib und Seele sind und sich geradezu ideal ergänzen: Michael Titz ist Elektromeister, Thomas Girke Tischler. Doch einen Badekarren als Sauna zu bauen, war gar nicht so einfach. Vor allem benötigten Titz und Girke einen Ort, an dem sie ihre Wagen bauen konnten. „Wir hatten unwahrscheinliches Glück“, freut sich Michael Titz, „dass uns Tischlermeister Bernhard Albrecht so unterstützt“. Er habe ihnen auf dem Gelände seiner Firma „Holz & Haus“ in der Morgensternstraße in Hameln nicht nur Platz für die Werkstatt zur Verfügung gestellt, sondern helfe ihnen mit seinem Team auch beim Bau. Das Ergebnis ist der ebenso kultige wie historische Badekarren, der gleichermaßen Wohlfühl- und Gesundheitsoase ist und zugleich an die Zeiten erinnert, da in den Strandbädern der Nordsee Männer Frauen nicht in Badekleidung sehen dürften, sich die Damen in den Badekarren umziehen konnten und dann von Pferden ins tiefere Wasser gezogen wurden. Der individuell gebaute Karren ist 1,60 Meter breit, 3,10 Meter hoch und 2,65 Meter tief und hat neben der Sauna, in der bis zu drei Personen Platz finden, einen kleinen Vorraum. Sein Gestell und die Wagenräder werden aus robustem Hartholz gefertigt und sind somit sehr witterungsbeständig.

Ein bisschen Meergefühl kommt auch bei den Namen der Modelle des „Schwitzkasten 1800“ auf: Der Weststrand ist mit einem Bio-Saunaofen (55 bis 70 Grad) und der Südstrand mit der finnischen Saunaofen-Variante (80 bis 110 Grad) ausgestattet. Und dann gibt es da noch das Modell Ebbe. Wer den Badekarren liebt, ihn aber nicht als Sauna möchte, kann sich ihn übrigens auch ganz nach den persönlichen Vorstellungen bauen lassen, als Kinderspielhaus beispielsweise, als Gartenhaus oder als Oase der Ruhe nach dem Arbeitsalltag.

Michael Titz mit einem der von „Schwitzkasten 1800“ gebauten Badekarren. Foto: pr



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