weather-image
Fachausschuss stimmt für Fortsetzung in bisherigem Umfang: 980 000 Euro Zuschuss plus Mehrbedarf

Rückenwind für Flüchtlings-Sozialarbeit

LANDKREIS. Die Flüchtlings-Sozialarbeit im Landkreis soll im kommenden Jahr in unverändertem Umfang fortgesetzt werden. Das hat der Ausschuss für Soziales und Gesundheit nahezu einstimmig empfohlen.

veröffentlicht am 30.11.2018 um 17:40 Uhr

Beratung bei der Arbeiterwohlfahrt: Die Mittel für die Flüchtlingsarbeit sollen erhalten bleiben. Foto: rg/Archiv

Autor:

Stefan Rothe
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die mit dieser Aufgabe betraut ist, soll dafür aus Kreismitteln einen Zuschuss von 980 000 Euro erhalten. Darüber hinaus empfahl der Ausschuss: „Zur Sicherstellung aufsuchender Sozialarbeit sind weitere Mittel einzustellen.“

Im laufenden Jahr kann die Awo mit 1,33 Millionen Euro aus Kreismitteln arbeiten. Vor dem Hintergrund der Debatten zum diesjährigen Haushalt hat die Kreisverwaltung nach den Worten von Sozialdezernent Klaus Heimann „der Awo im Vorfeld signalisiert, dass aus unserer Sicht nicht sicher ist, dass der Zuschuss im bisherigen Umfang politisch genehmigt wird“.

Daraufhin hat die Awo ein Konzept vorgelegt, das die aufwendige aufsuchende Flüchtlings-Sozialarbeit durch eine rationellere „Komm-Struktur“ ersetzt. Beim erstgenannten, bisher praktizierten Modell werden die Flüchtlinge von den Sozialarbeitern vor Ort in den Wohnungen aufgesucht. Bei der „Komm-Struktur“ müssen die Flüchtlinge bei Bedarf in zentrale Beratungsstellen kommen, von denen kreisweit vier eingerichtet werden sollen. Bei diesem Modell würde man mit den 980 000 Euro auskommen.

Bei einem Treffen mit den Gemeinden habe die Kreisverwaltung bei Vorstellung dieses Konzeptes freilich „Gegenwind bekommen“. Es sei verbreitet die Sorge geäußert worden, dass die Flüchtlings-Sozialarbeit beim neuen Modell gerade in den ländlichen Gebieten des Kreises zu kurz komme und die Kommunalverwaltungen dies auffangen müssten.

Die Äußerungen aus den Fraktionen machten eindeutig klar, dass die genannte Vermutung der Kreisverwaltung nicht zutreffend ist. Außer der AfD machten sich nämlich alle Seiten für eine Fortsetzung der Sozialarbeit im bisherigen Umfang stark. „Wir brauchen noch eine ganze Weile die alte Struktur der aufsuchenden Sozialarbeit“, argumentierte Michael Dombrowski (Grüne). Dies gelte, obwohl die meisten der hiesigen Flüchtlinge mittlerweile vom Jobcenter betreut werden. Denn zusätzlich sei die Awo-Sozialarbeit unabdingbar, so Dombrowski: „Jetzt fängt die Integrationsarbeit erst richtig an.“

Dem stimmte Jan-Philipp Beck (SPD) zu: „Gerade in einem ländlichen Landkreis bleibt eine aufsuchende Sozialarbeit wichtig.“ Denn wegen der Lücken im ÖPNV sei es gerade für Flüchtlinge in Dörfern schwierig, zu zentralen Beratungsstellen zu kommen. In dem jetzt stattfindenden Integrationsprozess sei eine intensive Sozialberatung noch eine Zeit lang nötig.

Das sah auch Monika Insinger (CDU) so: „Wir können hier noch nicht kürzen. Die Union möchte es beim bisherigen Ansatz belassen.“ Richard Wilmers (WIR) fügte hinzu: „Wir sehen keine Grundlage für eine Reduzierung.“ Und Henning Dormann (WGS) bemerkte, man werde die Herausforderung der Integration nur bewältigen, „wenn man die Sozialarbeit so weiter betreibt wie bisher“. Jens Wilharm (AfD) merkte hingegen an, irgendwann „muss es mit der Sozialarbeit auch mal genug sein“. Er plädierte deswegen für eine Reduzierung des Zuschusses. Letztlich enthielt sich Wilharm der Stimme.

Alle anderen Ausschussmitglieder stimmten für den Zuschuss von 980 000 Euro plus den von der Kreisverwaltung vorgeschlagenen Zusatz, dass zur Sicherstellung aufsuchender Sozialarbeit weitere Mittel einzustellen sind. Genaueres, etwa die Höhe dieser Mittel und wie die aufsuchende Sozialarbeit zusätzlich zu den Beratungszentren aussehen soll, wird jetzt Gegenstand von Verhandlungen der Kreisverwaltung mit der Awo sein.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare