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Gewalt nimmt zu

Sanitäter und Polizisten geschlagen: Vatertag am Kanal eskaliert

LANDKREIS. Die Bilanz ist erschreckend: zwei verletzte Polizisten, fünf Festnahmen, 13 Platzverweise, drei Beleidigungen, fünf Körperverletzungen, vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine Sachbeschädigung, 27 Gefährderansprachen und fünf Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte. Die Rede ist vom Vatertags-Gelage in Bad Hiddenserborn. Selbst erfahrene Beamte sprechen von einer „noch nie da gewesenen Dimension“. Denn während die einen fröhlich feierten, gab es auf der anderen Seite etliche Jugendliche und Heranwachsende, die in vielfältiger Form über die Stränge schlugen.

veröffentlicht am 31.05.2019 um 15:11 Uhr

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Los ging es bereits am Morgen am Hafen Wiehagen. Dort trafen sich bis zum Nachmittag etwa 500 Jugendliche. Schon dort floss nach Polizeiangaben etliches an Alkohol, auch Drogen sollen im Spiel gewesen sein. „Die Kollegen haben dort recht früh eine aggressive Grundstimmung gespürt“, sagt Behördensprecher Udo Philipp. Ein Sanitäter, der einem jungen Mann helfen wollte, wurde geschlagen. Er blieb aber unverletzt.

Der Tross zog später weiter nach Bad Hiddenserborn. Am Kanal registrierten die Einsatzkräfte etwa 1200 Feiernde. Die Stadthäger Beamten wurden unterstützt von der Bereitschaftspolizei. Dass das auch dringend nötig war, zeigten die folgenden Stunden. Quasi im Dauereinsatz mussten die Beamten Streitigkeiten schlichten und Anzeigen aufnehmen. Dabei gerieten sie vielfach selbst in die Schusslinie. Als ein Stadthäger Polizist einen Platzverweis durchsetzen wollte, traf ihn unvermittelt ein Faustschlag im Gesicht. Seine Brille ging zu Bruch, eine Schnittwunde über der Augenbraue musste behandelt werden. Der Täter wurde nach Stadthagen in die Gewahrsamszelle gebracht, nachdem er sich mehrfach gegen die Festnahme zur Wehr gesetzt hatte. Ihm sollten an dem Tag vier weitere junge Männer folgen.

Um das Einsatzaufkommen zu stemmen, riefen die Polizisten in Bad Hiddenserborn sogar noch einen Teil der Bereitschaftspolizisten dazu, die in Rusbend einen vergleichsweise ruhigen Dienst hatten. Insgesamt waren 75 Beamte vor Ort. Gegen 18 Uhr versuchten die Einsatzkräfte, die Veranstaltung zu einem Ende zu bringen. Zurück blieben Müllhaufen entlang der Wege und der Wiesen.

„Das Maß an Aggressionen den Einsatzkräften gegenüber hat es so noch nicht gegeben“, sagt Philipp. Er ist Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Stadthagen und hat bereits zahlreiche Himmelfahrts-Veranstaltungen begleitet. Doch dieses Mal sei es anders gewesen. „Die Verrohung der Gesellschaft war bei den zumeist jungen Leuten deutlich zu spüren.“ Grunderziehungsregeln seien nicht mehr vorhanden. Besonders erschreckend für Philipp: Die Gewalt gegen Rettungskräfte, die einfach helfen wollen.

Was Vatertag 2020 betrifft, so wollen sich die Verantwortlichen bei der Stadthäger Polizei zusammensetzen und die Geschehnisse am Donnerstag noch einmal analysieren. Eines steht nach Angaben Philipps schon jetzt fest: „Bei Gewalt gegen Einsatzkräfte haben wir null Toleranz.“ sn/vin




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