weather-image
13°

Neue Angebote bringen neues Klientel

Schaumburger Tanzschulen erleben keine Renaissance

LANDKREIS. Dass der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband von einer „Renaissance“ der Tanzschulen spricht, würden nicht alle Tanzlehrer in Schaumburg so unterschreiben. Viele Angebote, die sich speziell an Jugendliche richten, blieben nämlich leer.

veröffentlicht am 10.02.2019 um 16:44 Uhr

Mit Hip-Hop-Kursen schafft es Mark Rudi, auch Jugendliche in seine Tanzschule in Bückeburg zu locken. Foto: rg

Autor:

Mira Colic

Tanzlehrerin Uschi Braun aus Stadthagen ist schon seit 43 Jahren im Geschäft. Sie habe in dieser Zeit immer wieder Hochphasen erlebt, „in denen Tanzen extrem angesagt war und dann eben wieder nicht“. In ihrer Tanzschule bietet Braun zwar Kurse für alle Altersklassen an, aber viele Jugendliche habe sie nicht bei sich. Dagegen liefen die Kurse für alleinstehende Über-60-Jährige schon seit vielen Jahren gut.

Ähnliches berichtet Burkhard Dorth, der seit 29 Jahren seine Tanzschule Steinbergen betreibt. Er biete zwar Kurse speziell für Jugendliche an – kommen würde aber keiner. „Es gibt immer mal vereinzelt Anrufe, aber ich kann ja keinen Kurs für zwei Mädchen anbieten“, sagt Dorth kopfschüttelnd. Selbst die Kinder von Paaren, die schon lange bei ihm tanzten, würden dem Beispiel ihrer Eltern nicht mehr folgen. „Drei Schulleiter, die bei mir tanzen, haben mir auch berichtet, dass die Kinder und Jugendlichen einfach kein Interesse am Tanz zeigen.“

Die Begeisterung fürs Tanzparkett habe seiner Beobachtung nach in den vergangenen Jahren allgemein stark abgenommen. Deswegen hätten auch Tanzsportvereine Probleme, Nachwuchs zu akquirieren.

Mit neuen Kursen versucht Mark Rudi gegenzusteuern. Das Angebot in den Tanzschulen sei keineswegs mehr mit dem vor 40 Jahren zu vergleichen, sagt Rudi, der vor fünf Jahren gemeinsam mit seiner Frau Stefanie Rudi-Steigerwald in Bückeburg Marks Tanzschule eröffnet hat. „Heute sind bei den Jugendlichen Hip-Hop, Breakdance und Videoclipdance angesagt“, weiß Rudi. Zudem hat der Tanzlehrer einen weiteren Trend ausgemacht: „Tanzen vermischt sich heutzutage stark mit Fitness und Lifestyle – immer mehr auch bei Männern.“ Deswegen sei der Run auf Zumba nach wie vor ungebrochen.

Aber auch die klassischen Tänze wie Walzer, Tango und Cha Cha Cha ließen nicht nach, „das Interesse wird durch die Tanzsendungen im Fernsehen verstärkt“. Der Klassiker sei nach wie vor eine anstehende Hochzeit: „Ganz, ganz schnell wollen die Paare dann noch einen Kurs machen, teilweise sogar mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft.“ Bei diesem Privatunterricht sei der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die wenigsten Schüler hat Rudi in der Altersspanne zwischen 19 und 25 Jahren, „in dem Alter haben die Leute einfach andere Sachen im Kopf“. Dass Tanzen jedoch auch im Alter kein Problem sei, bewiesen etwa die 88-Jährigen, die er zu seinen Kunden zähle.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare