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Verteidiger lehnt Strafbefehl ab

Schuss auf Jogger: Es kommt zum Prozess

LANDKREIS. Im Fall des angeschossenen Joggers aus Lauenhagen wird es voraussichtlich zu einem öffentlichen Prozess kommen. Und das, obwohl Staatsanwaltschaft und Richter es bei einem Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung belassen wollten. Doch der Verteidiger des 73-Jährigen wollte das Urteil nicht akzeptieren.

veröffentlicht am 10.04.2019 um 16:29 Uhr
aktualisiert am 11.04.2019 um 14:39 Uhr

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von Verena Gehring

Wie berichtet, wird dem Schaumburger Jäger vorgeworfen, am 17. Juli 2018 einen 31 Jahre alten Familienvater angeschossen zu haben. Der Lauenhäger war an besagtem Sommernachmittag mit seinen drei Kindern auf einem Feldweg in der Verlängerung der Straße Westerfeld unterwegs, als er plötzlich einen Schlag gegen den Kopf spürte und zu Boden ging. Ein Mediziner am Klinikum in Vehlen stellte eine Ein- und Austrittswunde am Kopf des Joggers fest. Umfangreiche Ermittlungen der Polizei führten dann zu dem Schaumburger. Dieser bestritt zuerst, überhaupt eine Waffe bei sich gehabt zu haben, als er in der Feldmark unterwegs war. Später dann sagte er nach unterschiedlichen Versionen gegenüber der Polizei aus, dass sich beim Entladen des Gewehrs ein Schuss gelöst habe.

Millimeter entschieden – auch nach Ansicht der Ärzte – über Leben und Tod des jungen Familienvaters. Der juristische Vertreter des 31-Jährigen, Volkmar Wissgott, hatte bei der Staatsanwaltschaft in Bückeburg ein ballistisches Gutachten eingefordert. Er wollte geklärt wissen, wie der Schütze die Waffe beim Abgeben des Schusses gehalten hatte. Doch das hat die Behörde nach Angaben von Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig abgelehnt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft liefere das ballistische Gutachten keinen sicheren Rückschluss auf eine vorsätzliche Tat. Stattdessen stellte die Behörde nach Abschluss der Ermittlungen Strafbefehl beim Richter. Dieser hat diesen erlassen. Der Jäger hätte demnach eine Geldstrafe zahlen und die Tatwaffe samt Munition abgeben müssen. Es wäre zu keinem öffentlichen Prozess gekommen.

Doch der Strafverteidiger des 73-Jährigen hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt. Demnach kommt es zur Hauptverhandlung. Wann, ist noch nicht klar.

Derweil läuft auf verwaltungsrechtlicher Seite noch ein Verfahren. Der Jäger war gegen die Entscheidung des Landkreises vorgegangen, dass er sowohl die Waffenbesitzkarte als auch den Jagdschein abgeben musste.

Wenn es zur Verhandlung wegen fahrlässiger Körperverletzung kommt, sind nach Dreißigs Worten 15 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Der Prozess fände vor dem Stadthäger Amtsgericht statt. Bis dahin hat der Verteidiger nach Angaben des Staatsanwaltes immer noch die Möglichkeit, den Einspruch zurückzuziehen. In dem Fall würde der Strafbefehl samt Geldstrafe und weiterer Auflagen gelten.




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