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Landesforsten bauen Nisthilfe für seltenen Waldbewohner im Forstamt Saupark

Schwarzstorch willkommen

SPRINGE/ALVESRODE/ALTENHAGEN I. Immer wieder wird er am Deister bei Springe beobachtet – nicht nur im Hallerbruch, sondern gleich an mehreren Orten in der Kernstadt und den Ortsteilen. Zur Freude nicht nur des Naturschutzbundes Springe, der die Sichtungen ganz genau dokumentiert hat. Auch das Forstamt Saupark freut sich über den seltenen Waldbewohner – und unterstützt den Vogel intensiv.

veröffentlicht am 08.04.2019 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 08.04.2019 um 19:20 Uhr

Durchfliegt auch den Deisterwald: Der Schwarzstorch brütet gern auf alten Bäumen. Die Landesforsten haben dem Vogel nun eine Nisthilfe gebaut, damit er sich sicher um seinen Nachwuchs kümmern kann. FOTO: LANDESFORSTEN
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite
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Sechs Mal haben die Aktiven des Nabu den Schwarzstorch gesichtet. Diese Sichtungen haben sie in ihrem Avifaunistischen Bericht akribisch dokumentiert. Daraus geht hervor, dass der scheue Bewohner alter Wälder am Mühlbach in Sedemünder vermutlich zur Nahrungssuche beim Forsthaus Mühlenbrink, immer wieder am Mühlbach, aber auch am Neuen Gehlenbach bei Eldagsen gesehen wurde.

„Der seltene Schwarzstorch hat sich in den vergangenen Jahren auch in den Niedersächsischen Landesforsten wieder etabliert“, kommentiert Heiko Brede, Förster für Waldökologie des Forstamtes Saupark. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts galt der Schwarzstorch in Niedersachsen als nahezu ausgestorben.

Seither hat sich die Anzahl stabilisiert, sein Bestand ist aber keinesfalls gesichert, so die Einschätzung von Experten. Verbreitet ist der dunkle Verwandte des Weißstorchs vor allem in den südlichen und östlichen Landesteilen Niedersachsens. Dort findet er die von ihm bevorzugten großen Waldgebiete und reichlich Nahrung in naturnahen Bächen, die für das Tier besonders wichtig sind.

FOTO: LANDESFORSTEN

Ebenso wichtig sind allerdings auch geeignete Nistplätze: Weil der Vogel als äußerst scheu gilt, braucht er Plätze ohne Krach, Störung oder Besucher. „Wird er irgendwie gestört, lässt er sein Nest allein – und die Brut ist damit vorbei“, weiß Brede. Nun ist der Landesforstenwald nicht als Lärmquelle bekannt. Aber wenn ein Holzfällertrupp durch den Wald streift, reicht das schon, um dem Storch sein Brutunterfangen zu verleiden. Deshalb wissen die Landesforsten gern, wo die Paare brüten. Darum lässt Brede Nisthilfen bauen. Die Vorteile: „Wir wissen, wo die Brutplätze sind – und sie sind gegen Absturz gesichert.“ Letzteres ist nicht so trivial, wie man meinen sollte – vor einem Jahr ist einem Brutpaar im Deister das natürlich gebaute Nest abgestürzt und die Brut nahm ein jähes Ende.

Das könne mit der Nisthilfe nicht passieren, erläutert Brede, sie sei stabil verankert und ein Absturz daher äußert unwahrscheinlich. Dass das Nistangebot am Absturzort angenommen wird, ist wiederum viel wahrscheinlicher, weil Schwarzstörche als sehr brutplatztreu gelten. Heißt: Wo sie einmal gebrütet haben, wollen sie im nächsten Jahr erneut brüten.

Brede bittet aber um Verständnis, dass die Landesforsten nicht bekannt geben, wo die Nisthilfe ist. Zu groß sei das Risiko, dass Naturfans in den Wald stapfen, um ein Foto von dem seltenen Vogel zu machen – und diesen dabei so erschrecken, dass das Tier die Sache mit dem Brüten vergisst und die Brut verloren ist.

Was alle wissen dürfen: Dass das künstliche Nest auf einer alten Buche steht. „Der Bau von Nestplattformen hat sich als hocheffizientes Mittel erwiesen, den Ansiedlungsort zu steuern und den Bruterfolg der Schwarzstörche noch besser zu sichern“, sagt Brede.

In 15 Metern Höhe bastelte Baumkletterer Thomas Henjes den künstlichen Horst für den heimlichen Waldbewohner zusammen. Auf die Unterkonstruktion aus zwei starken Holmen bringt er sechs Sprossen als Unterlage für den eigentlichen Horst an. Auf diese Plattform kommen mehrere Lagen groben und feinen Reisigs. Das Polster für die Brut bilden Moos und Gras. „Also Material, das der Storch natürlicherweise im Wald findet“, erläutert Brede.

„Er bewohnt vorrangig alte, ruhige Wälder mit ausreichenden Feuchtbereichen zur Nahrungssuche. Das alles findet er hier im Bereich des Forstamtes“ so Brede. Jetzt wird er nach seiner Überwinterung in Afrika sehnlichst zurückerwartet.

In unseren Breiten beginnt die Brut des Schwarzstorchs übrigens – frühestens – Mitte April. Also haben die Landesforsten rechtzeitig vorher ein Brutplatzangebot gemacht.




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