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Wie lebt es sich auf dem Wasser, wenn es kalt wird? Wir haben nachgefragt.

Schwimmhaus: „Ein Tannenbaum passt nicht rein“

Als der erste Schnee in die Weser rieselt, steht Reiner Olias am Wohnzimmerfenster und beobachtet die Enten, die auf seiner Terrasse umherwatscheln. Wenn die Temperaturen in den Minusbereich sinken und eine Eisschicht die Dielen überzieht, verlieren die Wasservögel schon mal den Halt. Auch auf dem Steg vor der Eingangstür kann es rutschig werden. „Reingefallen bin ich noch nie“, sagt der 58-Jährige und schmunzelt. Wenn, dann geht er freiwillig schwimmen. Doch dazu ist es längst zu kalt.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 22.11.2018 um 19:10 Uhr

Reiner Olias lebt zusammen mit Kerstin Becker auf einem Schwimmhaus im Hamelner Schutzhafen. Mit ihrer „Janneke Jans“ sind sie aus Hamburg hergezogen. Foto: mo
Muschik, Moritz

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HAMELN. An diesem Nachmittag ist Reiner Olias alleine zu Hause, Kerstin Becker ist noch unterwegs. Zusammen wohnen beide seit 2017 auf dem Schwimmhaus im Hamelner Schutzhafen – natürlich zu jeder Jahreszeit. „Im Sommer hatten wir hier drin fast 40 Grad“, erzählt Olias. Wenn es draußen warm ist, hält daher eine Klimaanlage das Hausinnere kühl. In der kalten Jahreszeit dagegen wird auch auf der „Janneke Jans“ geheizt. Konventionenelle Heizkörper sind auf dem schwimmenden Haus allerdings nicht zu finden. Olias deutet auf das Sepia-Foto neben der Küchenzeile. Darauf zu sehen ist eine Flaschenpost, die an einem Stein im Wasser lehnt. „Das ist eine Infrarotheizung“, erklärt der 58-Jährige. Wer nah an das Bild herangeht, spürt die ausstrahlende Wärme. Solch elektrische Heizungen hat das Paar auch in anderen Zimmern installiert.

„Dazu müssen wir in der kalten Zeit unsere Begleitheizung anstellen“, sagt Olias. Damit Frischwasser und Abwasser nicht einfrieren, gehört neben der Isolation auch eine zusätzliche Heizung zur Wasserleitung. Durch sie ist sichergestellt, dass es bei Minusgraden keine Probleme mit der Wasserversorgung auf der „Janneke Jans“ gibt. So kann das Paar auch in der kalten Jahreszeit entspannt duschen, kochen und Geschirr spülen.

Apropos Geschirr: Seitdem Kerstin Becker und Reiner Olias auf dem Wasser leben, haben sie sich von einigen Sachen getrennt – und gelernt, was sie wirklich zum Leben brauchen. „Was soll ich auch mit fünf Geschirr-Sets anfangen?“, meint Olias, der bei der Lufa arbeitet, aus Lauenau kommt und seine Partnerin seit Schulzeiten kennt. Beide haben eine Zeit lang in Hamburg gewohnt. 2017 zogen sie mit der „Janneke Jans“ in die Nähe der Familie zurück. Für Familienessen ist in ihrem Haus aber nur begrenzt Platz. Ab sechs Leuten kann es im Wohn- und Essbereich schon mal eng werden. Übermäßig viel Geschirr braucht das Paar also ohnehin nicht.

Die „Janneke Jans“ bietet 70 Quadratmeter Wohnfläche. Aus dem Wohnzimmer (oben) können Kerstin Becker und Reiner Olias aufs Wasser schauen. Fotos (2): mo
  • Die „Janneke Jans“ bietet 70 Quadratmeter Wohnfläche. Aus dem Wohnzimmer (oben) können Kerstin Becker und Reiner Olias aufs Wasser schauen. Fotos (2): mo
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70 Quadratmeter haben sie zur Verfügung. „Ein Tannenbaum passt da nicht mehr rein“, sagt Olias. Adventskranz und weihnachtliche Deko müssen reichen. Draußen an der Terrasse hängt schon eine Eiszapfen-Lichterkette. Wenn es in der frostigen Jahreszeit tatsächlich mal schneit, ist Schneeschippen angesagt. Dann aber nicht auf einem Bürgersteig, sondern auf Gangway, Steg und Treppe vor dem Eingangshaus. Olias transportiert Einkäufe gern in einer Schubkarre vom Parkplatz über den Deich bis kurz vor das Schwimmhaus. Rutschig sollte der restliche Weg dann nicht mehr sein. Er sagt: „Ganz egal, welches Wetter: Für uns ist auf dem Schwimmhaus immer Urlaub.“




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