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Aggressives Tier tobt in Aerzen

Seniorin verletzt, Autos beschädigt: Wildschwein versetzt Region in Aufruhr

GROSS BERKEL. Als alles andere als harmlos erwies sich ein tierischer Einsatz in Groß Berkel. Ein Wildschwein hat am Samstagmittag im Dorf für Wirbel gesorgt. Das aggressive Tier verletzte bei seinem Lauf durch den Ort eine Seniorin (93), rammte zwei Autos und demolierte die Schaufensterscheibe eines Autohauses.

veröffentlicht am 09.12.2018 um 18:48 Uhr
aktualisiert am 09.12.2018 um 20:00 Uhr

Ungewöhnlicher Einsatz: Ein Polizist mit Maschinenpistole sucht das Schlossareal ab, wo Hotelgäste ebenfalls das Wildschwein gesehen haben wollen. Foto: Neitz
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Während der Suche nach dem Schwarzkittel ließen Polizeibeamte sogar kurzzeitig die Bundesstraße sperren.

Um kurz vor 11 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein. Ein „freilaufendes“ Wildschwein sollte an der B 1 aus Richtung Hameln kommend nach Groß Berkel laufen. Eine Hamelner Streifenwagenbesatzung bezog an der Aral-Tankstelle im Hummedorf Position, hielt von dort nach dem Schwein Ausschau. Kurz darauf trat das offenbar in Panik geratene Tier in Aktion und donnerte aus vollem Lauf gegen die Fahrertür des Polizeiwagens.

Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite schepperte es. Karsten Schüller war in einem Autohaus im Gespräch mit einem Kunden, als es im Verkaufsraum plötzlich dumpf knallte. Der Serviceleiter dachte zunächst, dass ein Auto gegen das Gebäude gefahren sei, erzählte der Kfz-Meister. Der schmutzige Körperabdruck eines Wildschweins und Blutflecken an einer großen gläsernen Schiebetür belehrten ihn jedoch eines Besseren. Die Scheibe blieb zwar ganz, doch das Tier hatte die Tür aus dem Rahmen gedrückt.

Gegen diese Schaufensterscheibe war das Tier am Samstagvormittag geprallt. Foto: Neitz
  • Gegen diese Schaufensterscheibe war das Tier am Samstagvormittag geprallt. Foto: Neitz
Vermutlich konnte es Carolin Siekmann zu nächtlicher Stunde in Groß Berkel per Video im Bild festhalten. Foto: Caroline Siekmann
  • Vermutlich konnte es Carolin Siekmann zu nächtlicher Stunde in Groß Berkel per Video im Bild festhalten. Foto: Caroline Siekmann

Schwerwiegendere Folgen verursachte das Wildtier auf dem Parkplatz eines Discounters am Höpperkrug. Direkt vor dem Markt rannte das Schwein eine 93-jährige Groß Berkelerin um. Die Frau stürzte und zog sich Verletzungen zu. Sie wurde von Notfallsanitätern versorgt und mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren. Wie schwer die Seniorin verletzt wurde, konnte die Polizei zunächst nicht mitteilen.

Es sei sehr schnell gegangen, sagte die Tochter der Groß Berkelerin. Das Wildschwein sei plötzlich aufgetaucht und ihrer Mutter förmlich durch die Beine gelaufen. Auf der Hamelner Straße war das Tier in der Zwischenzeit gegen ein weiteres Auto gelaufen.

Die Polizeibeamten wussten um die Gefahr, die vom Tier ausging. Sie bewaffneten sich mit Maschinenpistolen, um es notfalls zu erlegen. Zusammen mit alarmierten Feuerwehrleuten durchstreiften die Polizisten die umliegenden Wohngebiete. Entdecken konnten die Einsatzkräfte das Schwein zunächst nicht mehr. Auch nicht auf dem Gelände des Schlosshotels Münchhausen in Schwöbber. Dort wollen Gäste gesehen haben, wie ein Wildschwein durch den Schlossgraben schwamm. Als die Polizei eintraf, hatte sich das Tier bereits auf und davon gemacht.

Am Abend wurde das Wildschwein gegen 20.30 Uhr erneut gesehen – in einem Gebüsch am Discounter und in einem Garten, teilte die Polizei am Sonntag mit. Es sei in Richtung Wald geflüchtet, als man nach ihm suchte, so ein Beamter. Familie Siekmann entdeckte vermutlich das Tier zu mitternächtlicher Stunde in Höhe des Dorfplatzes Kathers Hof. Ein Hund? Oder tatsächlich ein Wildschwein? Auf jeden Fall habe es nicht verletzt gewirkt, meint Knut Siekmann. Tochter Carolin Siekmann reagierte schnell und hielt die ungewöhnliche Begegnung aus dem Auto heraus im Video fest.

„Im Bereich von Groß Berkel fanden mehrere Drückjagden statt. Es ist wahrscheinlich, dass der Schwarzkittel dadurch aufgescheucht wurde und vom angrenzenden Waldgebiet kommend Reißaus inRichtung Groß Berkel genommen hat“, sagte Polizeihauptkommissar Claudio Schünemann. Ob das Tier von dort geflohen ist, blieb unklar. Ebenso, ob das Tier möglicherweise durch einen Schuss verletzt worden war. Von einem Vorfall bei der Jagd sei er noch nicht informiert worden, teilte Kreisjägermeister Jürgen Ziegler am Sonntag auf Anfrage mit.




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