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Gesundheitssystem wird auf eine riesige Welle an Corona-Patienten vorbereitet

So bereitet der Krisenstab Schaumburg auf die Katastrophe vor

LANDKREIS. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Toten in Italien stehen jedem im großen Sitzungssaal vor Augen. Sie zeigen das Ausmaß der Katastrophe auf die sich der Landkreis Schaumburg vorbereiten muss. Im Krisenstab des Landkreises weiß jeder, worum es geht: Der Kollaps des heimischen Gesundheitssystems muss in jedem Fall verhindert werden. Dafür werden derzeit eilig alle Hebel in Bewegung gesetzt. Drei Rehakliniken dienen als Ausweichquartiere für das Krankenhaus. Beatmungsgeräte stehen bereit. Personal wird geschult. Noch ist Zeit dafür.

veröffentlicht am 27.03.2020 um 19:06 Uhr
aktualisiert am 27.03.2020 um 20:25 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Es ist eine ungewöhnliche Krise, die auf Schaumburg zurollt. Eine Krise mit Ansage. 48 Infizierte in Schaumburg scheinen noch wenig zu sein – selbst wenn man die hohe Dunkelziffer mit einrechnet.

Doch die Zahl der Infizierten steigt. Und sie steigt exponentiell. Mehr Infizierte stecken auch mehr Menschen an. Der „Tsunami“ an Corona-Patienten, der über den Landkreis hereinbrechen kann, erfordert jetzt minutiöse Vorbereitungen.

Die ersten beiden Phasen der Vorbereitung hat der Krisenstab bereits gemeistert. „Zunächst ging es darum Veranstaltungen abzusagen und alles zu schließen, die Schulen und Kindergärten“, erklärt Landrat Jörg Farr. Er leitet den Krisenstab. Danach wurden Test-Zentren für den Corona-Virus eingerichtet. Hier halten die Ehrenamtlichen des DRK mit heimischen Ärzten die Stellung.

Und in Phase drei geht es jetzt darum, die Gesundheitsversorgung im Landkreis in den Krisenmodus umzustellen. Das System wird auf die Behandlung hunderter Corona-Patienten vorbereitet. 20 Betten der Intensivstation des Klinikums sind bereits mit Beatmungsgeräten ausgerüstet worden. Es sollen noch mehr werden.

Alle nicht medizinisch dringend notwendigen Operationen wurden abgesagt. Deshalb ist jetzt Zeit für Schulungen. Die Pflegekräfte trainieren den Umgang mit den Beatmungsgeräten.

Zeitgleich bereitet der Krisenstab drei heimische Rehakliniken für die Aufnahme von Patienten vor. Sie sollen so schnell wie möglich aus dem Vehlener Klinikum entlassen werden. Erste Patienten sind bereits verlegt. Das System läuft an.

Jeden Tag identifiziert der Krisenstab solche Probleme und arbeitet an unbürokratischen Problemen. Ein Beispiel: Die Hausarztpraxen wurden von möglicherweise infektiösen Patienten überbeansprucht. Die Lösung: In Stadthagen sind nun Container aufgestellt und eine Fieber-Ambulanz eröffnet worden.

Ein weiteres Beispiel: Die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist ständig besetzt. Die Lösung: Eine eigene Rufnummer mit Mitarbeitern des Landkreises bietet Entlastung.

Das sind nur zwei von dutzenden Problemen, die jede Woche im Krisenstab erkannt, analysiert und gelöst werden müssen.

Denn die Uhr tickt. Die Frage ist nicht, ob die Zahl der Infizierten steigt. Sondern nur, wie schnell sie steigt.

Und wie gut Schaumburg vorbereitet ist, wenn der Tsunami kommt.




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