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Nach Lkw-Unfall

So gefährlich sind Pannen auf der A2

PORTA WESTFALICA-VELTHEIM. Im Abschnitt zwischen Veltheim und Bad Eilsen kommt es auf der A2 immer wieder zu Zusammenstößen. Wie bei den Unfällen am Dienstag und Mittwoch entstehen oft Folgeunfälle im Rückstau. Die Beteiligten haben Glück, wenn dabei nicht mehr passiert, denn Bergung und Abschleppen gestalten sich häufig schwierig:

veröffentlicht am 30.09.2021 um 17:00 Uhr

Das Trümmerfeld erstreckt sich über 300 Meter Länge. Zwei von drei Fahrspuren der Autobahn 2 nahe Veltheim hat die Polizei am späten Mittwochmittag gesperrt. Der zur Hälfte aufgerissene Sattelauflieger auf dem Standstreifen ist stiller Zeuge eines vermutlich heftigen Einschlags. Den hat nach ersten Erkenntnissen der Fahrer eines voll beladenen Autotransporters verursacht, der gut 300 Meter weiter kurz vor der Brücke der Eisberger Straße steht.

Es grenzt vermutlich an ein Wunder, dass bei diesem Verkehrsunfall zwischen den beiden 40-Tonnern niemand verletzt wurde. Warum der polnische Sattelzug auf dem Standstreifen hielt und der nachfolgende Lkw zu weit rechts fuhr, ist noch völlig unklar – die Autobahnpolizei ermittelt. Priorität hat in den ersten Stunden nach dem Aufprall das Trümmerfeld. Das muss so schnell wie möglich von der Fahrbahn verschwinden, damit sich der mittlerweile zwölf Kilometer lange Rückstau auflösen kann. Dort herrscht zeitweise Stillstand. Immer wieder halten Polizisten die vorbeifahrenden Autos, die nur noch auf einer Spur Platz haben an, um Metall- oder Holzteile von der Mittelleitplanke wegzuräumen. Eine mühevolle Arbeit, bei der auch einer der beiden Lkw-Fahrer hilft.

Doch die Eile hilft nicht. Mittlerweile hat es, gut eine Stunde nach dem Zusammenprall der beiden Lkw, ein zweites Mal gekracht. Ein typischer Unfall im Rückstau – „Gott sei Dank wie der erste Zusammenstoß nur mit Blechschaden“, erklärt Michael Kötter von der Pressestelle der Autobahnpolizei wenig später. Dennoch: Wieder ein Verkehrshindernis, das bei den hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn besonders gefährlich ist.

Weiter vorne am Anfang des Staus trifft das erste Hilfsfahrzeug des ADAC ein. Der Werkstattwagen wird Teil des Bergeteams, das beide Unfallfahrzeuge von der Autobahn schleppen muss. Doch auch das gestaltet sich aufgrund der heftigen Schäden und der schweren Ladung beider Fahrzeuge äußerst schwierig, erklärt Kötter. Zu diesem Zeitpunkt rechnet die Polizei mit mindestens drei bis vier weiteren Stunden, um die Wracks transportfähig zu bekommen. Einfach hinter einen Abschlepper hängen, das funktioniert nicht. Lose Teile müssen gesichert und bestimmte Fahrzeugteile sogar ausgebaut werden. Und all das im fließenden Autobahnverkehr, damit die Autos nicht komplett zum Stillstand kommen. Mehr als eine Stunde Zeitverlust müssen die Staugeplagten am Mittwoch ohnehin auf dem Abschnitt zwischen Bad Oeynhausen und Veltheim einplanen.

Der Unfall bei Veltheim, er ist aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs kein seltener, erklärt dessen Sprecher Thomas Müther gegenüber dem Mindener Tageblatt: „Eine Panne auf der Autobahn kann lebensgefährliche Folgen haben. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil andere Fahrzeuge auf das Pannenauto auffahren oder Menschen beim Aussteigen von einem Pkw oder Lkw erfasst werden“, weiß der Experte. Dass es in Porta keine schwerwiegenderen Verletzungen gab, sei ein glücklicher Umstand. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, machen Automobilclubs immer wieder klare Ansagen: „Der ADAC rät dazu, bereits im Fahrzeug die Warnweste anzuziehen und das Auto zügig auf der fahrbahnabgewandten Seite zu verlassen“, sagt Müther.

Heißt: Wer auf dem Standstreifen zum Stehen kommt, sollte schleunigst nach rechts hinter die Leitplanke klettern. Wer auf dem linken Fahrstreifen liegen bleibt, kann sich in die Mitte zwischen beide Planken retten. „Das ist immer noch besser als gar kein Schutz“, betont Müther. Das gelte im Übrigen für alle Insassen des Fahrzeugs. Der schlimmste Fehler sei es, im Auto sitzen zu bleiben. Das Schadensausmaß des Unfalls bei Veltheim mache diesen Grundsatz wieder einmal deutlich. Ansonsten gelte natürlich: Warnblinklicht einschalten und Warndreieck aufstellen. „Als Faustregel gilt: das Warndreieck mindestens 150 große Schritte oder drei Leitpfosten hinter dem Fahrzeug aufstellen. Wichtig: Bis dorthin möglichst schon hinter der Leitplanke gehen.“ Das sei zwar keine Garantie dafür, dass nicht doch jemand ins Pannenfahrzeug kracht, verringere aber das Risiko.

Erst am frühen Dienstagmorgen hatte sich wenige Hundert Meter weiter ein ebenso folgenreicher Verkehrsunfall ereignet. Als ein Pkw mit voller Wucht auf einen Lkw fuhr, riss der Motorblock ab und flog auf die Gegenfahrbahn. In der Dunkelheit krachten drei weitere Fahrzeuge in die Unfallstelle. Auch auf der Gegenfahrbahn wurden Autos beschädigt. Besonders im Abschnitt zwischen Veltheim und Bad Eilsen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen, an denen oft Lastwagen beteiligt sind. Der Unfall von Mittwochmittag reiht sich also nur ein in eine lange Liste.

Von Thomas Lieske




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