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Anlageform „passt nicht mehr“

Sparkasse kündigt Prämiensparverträge: 6000 Kunden betroffen

LANDKREIS. Die Sparkasse Schaumburg kündigt die Prämiensparverträge, die keine feste Laufzeit haben, nach Erreichen der vollen Prämienstaffel. Die entsprechenden Briefe an die rund 6000 betroffenen Kunden wurden am Dienstag herausgeschickt. Die Gründe erklärt der Sparkassenvorstand:

veröffentlicht am 29.11.2019 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.11.2019 um 10:17 Uhr

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Redakteurin / Online zur Autorenseite

LANDKREIS. Die Sparkasse Schaumburg kündigt Prämiensparverträge nach Erreichen der vollen Prämienstaffel, die keine feste Laufzeit haben. Die entsprechenden Briefe an die rund 6000 betroffenen Kunden wurden am Dienstag herausgeschickt. Gekündigt werden die Verträge fristgerecht, teilt Vorstandsmitglied Oliver Schiller im Pressegespräch mit – und auch die letzten Prämienzahlungen werden entsprechend erfolgen.

Diese Art der Anlageform „passt nicht mehr in die heutige Zinswelt“, so Schiller. Hintergrund der Entscheidung ist die Niedrigzinspolitik, die die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin verfolgt und die der damalige EZB-Chef Mario Draghi Mitte September noch einmal bekräftigte.

„Das war für uns die klare Erkenntnis, dass wir bestimmt noch drei bis fünf Jahre in der Niedrigzinsphase bleiben werden“, so Vorstandsvorsitzender Stefan Nottmeier. In diesen Zeiten könne man einfach keine Prämien mehr auf Sparverträge zahlen, wie es noch vor 20 oder 25 Jahren der Fall war. Allein die zehnjährige Pfandbrief-Rendite sei innerhalb eines Jahres von 0,91 auf minus 0,14 Prozent herabgesackt, dies sei eine „dramatische Entwicklung“, so Nottmeier. Diese Niedrigzinsphase sei für die Bevölkerung und für „jeden persönlich“ ebenso eine Belastung wie für Banken und Sparkassen, die 0,5 Prozent Zinsen zahlen müssen, wenn sie Geld ihrer Kunden bei der EZB anlegen.

„Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung“, wirbt die Sparkasse Schaumburg um Verständnis für die Vertragskündigungen, sondern darum, „Arbeitsplätze zu erhalten“. Foto: Archiv

Zwar habe die Sparkasse schon Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen, die würden jedoch nicht mehr ausreichen. Viele Kreditinstitute hätten die Prämiensparverträge ihrer Kunden bereits gekündigt, und die Sparkasse Schaumburg werde nun nachziehen; dies sei wichtig für die „Zukunftsfähigkeit“ des Institutes. Erst im Mai hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass Sparkassen Prämiensparverträge kündigen dürfen, wenn die höchste Prämienstufe erreicht ist. Bereits seit 2009 kann man bei der Sparkasse Schaumburg keinen solchen Vertrag mehr abschließen, erläutert Schiller. Alle betroffenen Verträge wiesen eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren auf, im Durchschnitt sei bei jedem Vertrag fünfmal die höchstmögliche Prämie ausgezahlt worden. „Wir würden sagen: Der Sparzweck wurde erfüllt“, so Schiller.

Den betroffenen Kunden stelle sich nun die Frage nach künftigen Anlagemöglichkeiten, so Paul Knauthe, Leiter des Vertriebsmanagements der Sparkasse Schaumburg: „Unsere Berater sind alle informiert und gut vorbereitet.“ Die Sparkasse biete ein „breites Anlagenspektrum“ und könne für jeden Kunden ein „perfektes Angebot“ unterbreiten, dessen Rendite mit der der Prämiensparverträge „mindestens mithalten“ könne. In der nächsten Zeit werden die Berater persönlich auf die betroffenen Kunden zugehen. Viele hätten in ersten Gesprächen Verständnis gezeigt.

„Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung“, wirbt das Kreditinstitut für Verständnis, sondern darum, „Arbeitsplätze zu erhalten und trotz steigender Anforderungen weiterhin ein verlässlicher Partner vor Ort zu sein“, für Kunden ebenso wie für Unternehmen und Vereine.




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