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SPD und CDU stürzen ab: So hat Schaumburg bei der Europawahl gestimmt

Wie auf Bundesebene bestätigte sich auch im Landkreis der Trend bei der Europawahl: Die SPD stürzte ab auf 24,08 Prozent (2014: 37,64 Prozent), die CDU auf 27,66 Prozent (36,93 Prozent). Die Grünen kamen auf 21,76 Prozent (9,14 Prozent), die AfD auf 9,02 Prozent.

veröffentlicht am 27.05.2019 um 10:00 Uhr

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Im Stadthäger Kreishaus ist es am Wahlabend um 19 Uhr sehr ruhig gewesen. Einige Vertreter der SPD hatten sich schon früh dort versammelt, um die Wahlergebnisse zu verfolgen. Schnell war der herbe Verlust deutlich geworden, den die Partei auch auf Kreisebene hinnehmen musste.

SPD-Unterbezirksvorsitzender Carsten Ruhnau und Jan-Philipp Beck, Vorsitzender der SPD Stadthagen, machten aus ihrer gedrückten Stimmung keinen Hehl. „Wir liegen zwar in Schaumburg vor dem Bundestrend, aber zufrieden können wir nicht sein“, sagte Ruhnau mit Blick auf die 24,08 Prozent, die seine Partei im Landkreis eingefahren hat. Im Vergleich zur Europawahl 2014 hat die SPD knapp 14 Prozentpunkte verloren.

124.384 Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, 58,68 Prozent haben davon Gebrauch gemacht. Vor fünf Jahren waren es nur 50,6 Prozent. Besonders hoch war in diesem Jahr die Beteiligung an der Briefwahl. Im Kreishaus war die Zahl der Wahlhelfer extra erhöht worden, um die Menge an Unterlagen auszuzählen. Die vorläufigen Ergebnisse lagen deswegen auch erst um 21.57 Uhr vor.

„Auf Bundesebene ist das Ergebnis natürlich eine Katastrophe“, sagt SPD-Europaabgeordneter Bernd Lange, „wir haben gekämpft, um den Trend umzudrehen, erfolglos.“ Die Klarheit, für die die SPD stehe, habe gefehlt, die Umsetzung dessen, was versprochen wurde und die Geschlossenheit innerhalb der Partei. „Wir sind ein Chor, der nicht zusammen singt.“ Er könne sich die Haare raufen, wenn nach einem Parteibeschluss der erste schon wieder twittere, dass er anderer Meinung sei.

Für ihn persönlich sehe er durch die Wiederwahl eine besondere Verantwortung, Niedersachsen in Brüssel zu vertreten. Positiv bewertet Lange aber, dass die Wahlbeteiligung hoch war – auch unter den jungen Menschen.

Für Tilman Kuban, den CDU-Kandidaten für den Bereich Schaumburg, war es gestern noch ein langer Abend auf der Wahlfeier des Bezirksverbands in Hannover. Ob sein vierter Landeslistenplatz für den Sprung ins Europäische Parlament reicht, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. „Das schlechteste jemals auf Bundesebene erzielte Ergebnis kann uns nicht zufriedenstellen.“ Er sei der Überzeugung, dass andere Parteien es besser geschafft hätten, Themen zu setzen, so der 31-Jährige. „Die Grünen mit dem Klimaschutz und die AfD mit der Sicherheit.“ Die Wähler forderten von der CDU jetzt eine Antwort auf die Frage: „Wo steht ihr?“

Heiko Tadge, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Stadthagen, hofft, dass es trotz der erheblichen Verluste bei den etablierten Parteien zu bürgerlichen Mehrheiten im Europaparlament kommt. Er befürchte, dass sonst die Rechten erstarken. Im Landkreis konnte die AfD von 5,82 Prozent auf 9,02 zulegen. Die CDU hat 27,66 Prozent erreicht, 9,27 weniger als 2014. Trotzdem ist sie damit knapp stärkste Kraft geworden.

Alle Vertreter der Parteien sind sich einig, dass das Thema Klimaschutz das entscheidende gewesen ist. „Ich freue mich, dass wir ein Zeichen setzen konnten für den Klimaschutz und das Ergebnis im Bund auch bei uns im Landkreis sichtbar ist“, sagte Imke Hennemann-Kreikenbohm vom Grünen-Kreisvorstand. Die Grünen haben 21,76 Prozent erreicht (+12,62). Anke Schmidt, Fraktionsvorsitzende im Auetal, sieht in den Schüler-Demonstrationen „Fridays for Future“ einen Grund für den Erfolg ihrer Partei. „Diese erste junge Bewegung seit den 68ern wird von einigen Parteien nicht ernst genommen. Wir dagegen haben sie von Anfang an unterstützt.“ Von Mira Colic

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