weather-image
Baumsachverständige schlägt Alarm: In zehn Jahren sind nur noch Relikte der Allee erkennbar

Süntelbuchen hinter Gittern

BAD NENNDORF. Die Süntelbuchenallee stirbt. Was wie eine Dramatisierung klingt, wird in den nächsten zehn Jahren bitterer Ernst, wenn die von der Stadt vorgeschlagenen Maßnahmen nicht zeitnah greifen. Die Baumsachverständige Claudia Amelung hat nun Alarm geschlagen. Möglicherweise wird die Allee bald eingezäunt und ist dann nur noch im Rahmen von Führungen und am Wochenende begehbar.

veröffentlicht am 11.11.2018 um 16:05 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 19:50 Uhr

Die goldenen Sonnenstunden werden in der einzigartigen Süntelbuchenallee durch Vandalismus getrübt. Foto: göt

Autor:

Andrea Göttling
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

BAD NENNDORF.Die Süntelbuchenallee stirbt. Was wie eine Dramatisierung klingt, wird in den nächsten zehn Jahren bitterer Ernst, wenn die von der Stadt vorgeschlagenen Maßnahmen nicht zeitnah greifen. Die Baumsachverständige Claudia Amelung hat nun Alarm geschlagen. Möglicherweise wird die Allee bald eingezäunt und ist dann nur noch im Rahmen von Führungen und am Wochenende begehbar.

Die Süntelbuchenallee ist längst zu einem Wahrzeichen der Kurstadt geworden. Schließlich ist diese weltweit einzigartige Baumansammlung mit mutierten Rotbuchen ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Durch die entsprechende Bewerbung haben die Besucherzahlen stark zugenommen, heißt es im Vorbericht zur heutigen Umweltausschusssitzung. „Den Bäumen sieht man das inzwischen leider auch an.“ Viele könnten demnach den Belastungen nicht mehr standhalten. Gemeint sind Spaziergänger, die nicht auf den Wegen bleiben, gar auf den Bäumen sitzen oder Sportübungen an den Ästen machen. Deutlich erkennbar sind zudem die zahlreichen Spuren durch Vandalismus: Stämme werden eingeritzt, Äste abgesägt oder verkohlt.

Wie dem Vorbericht zu entnehmen ist, sind die Folgen inzwischen dramatisch: Vier Altbäume sterben derzeit ab. Viele weitere zeigen bereits massive Schäden. In den vergangenen Jahren waren schon einige Verluste zu verzeichnen.

270_0900_114895_ne_suenteldrama_oben.jpg
270_0900_114896_ne_suenteldrama_unten.jpg

Dabei hat die Stadt verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Allee getroffen. Erst in diesem Jahr wurde ein Weg mit Hackschnitzeln aufgeschüttet, um die Besucher durch die Allee zu lenken. Zudem wurden Schilder aufgehängt mit der Bitte um Schonung der Süntelbuchen. Beides hat die gewünschte Wirkung verfehlt. Viel Geld ist außerdem in Nachpflanzungen investiert worden. Auch diese Bäume gehen inzwischen ein. Vor wenigen Jahren war die Allee unter der Regie von Amelung bereits saniert worden. Fremde Bäume und Büsche wurden herausgeschnitten, Totholz an den Krüppelbuchen sowie kranke Pflanzen entfernt.

„Es besteht akuter Handlungsbedarf, wenn die Allee noch gerettet werden soll“, heißt es in dem Sitzungspapier. Amelung gibt der Süntelbuchenallee nur noch maximal zehn Jahre Zeit, „dann werden so viele Bäume abgestorben sein, dass nur noch Relikte einer Allee erkennbar sind“.

Vorgeschlagen wird, ein Banner anzubringen, mit dem auf den Zustand der Allee aufmerksam gemacht wird – beispielsweise mit dem Spruch „Unsere Süntelbuchen sterben“. Zudem sollen klare Verbote aufgezeigt werden: keine Hunde, kein Verlassen des Weges, kein Sitzen und Klettern auf den Bäumen.

Langfristig soll mit Mitteln aus dem Förderprojekt Zukunft Stadtgrün ein Gesamtkonzept entwickelt werden. Dazu wird angeregt, die komplette Allee zu umzäunen und nur noch im Rahmen von Führungen oder am Wochenende zu öffnen.

Näher erläutert wird die Problematik durch Amelung im Umweltausschuss der Stadt am heutigen Montag. Beginn ist um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare