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Die Digitalisierung an den Schaumburger Schulen schreitet voran – wie sieht das in der Praxis aus?

Tabletklassen in Schaumburg: Stück für Stück in die Zukunft

LANDKREIS/STADTHAGEN. Stück für Stück geht es voran mit der Digitalisierung der Schaumburger Klassenzimmer. An sechs Schulen wischen bereits Schüler im Unterricht auf den Displays ihrer Tablets herum – nicht zum Zocken oder Influencen, sondern zum Lernen. Nach den Sommerferien kommen drei sogenannte Tabletklassen hinzu, zwei am Wilhelm-Busch- und eine am Ratsgymnasium in Stadthagen.

veröffentlicht am 12.05.2019 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 12.05.2019 um 19:40 Uhr

Motiviert und konzentriert: An der IGS Schaumburg – wie auch an weiteren Schulen aus dem Landkreis – lernen und arbeiten die Schüler einzelner Klassen im Unterricht unter anderem an und mit Tablets. Foto: tro

Autor:

Thomas Rocho und jan-Christoph Prüfer
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LANDKREIS. Stück für Stück geht es voran mit der Digitalisierung der Schaumburger Klassenzimmer. An sechs Schulen wischen bereits Schüler im Unterricht auf den Displays ihrer Tablets herum – nicht zum Zocken oder Influencen, sondern zum Lernen. Nach den Sommerferien kommen drei sogenannte Tabletklassen hinzu, zwei am Wilhelm-Busch- und eine am Ratsgymnasium in Stadthagen.

Bis Ende 2020 sollen alle weiterführenden Schulen im Landkreis mit schnellen WLAN-Verbindungen ausgestattet sein, sagt Katharina Augath. Für solch sächliche Ausstattung ist die Kreisverwaltung als Schulträger zuständig, erklärt die Schuldezernentin des Landkreises Schaumburg. Die Tabletklassen sind eine Probephase, sukzessive dürften es immer mehr werden.

Das ist auch in Ordnung, solange es sich um ein zusätzliches Hilfsmittel handelt, sagt Daniel Francke. Am Wilhelm-Busch-Gymnasium, wo Francke stellvertretender Schulleiter ist, werden die Tablets in den siebten und elften Klassen eingeführt. „Aber wir werden nicht auf Stift und Papier verzichten“, sagt Francke.

Auch weil die Forschung gezeigt habe, dass Schreiben und Blättern im gedruckten Buch wichtig ist für die Entwicklung des Gehirns. Was allerdings tatsächlich durch das Tablet ersetzt werde, sind Taschenrechner und Wörterbücher für den Fremdsprachenunterricht.

Das Ratsgymnasium nutzt den Freiraum im abiturfreien Jahr 2020, um das Kollegium zu schulen. Einige Lehrer haben bereits Fortbildungen gemacht, sie greifen bis nächstes Jahr ihren jeweiligen Fachschaften unter die Arme, erklärt Schulleiterin Angelika Hasemann. Nach den Sommerferien wird der siebte Jahrgang mit dem Tablet lernen.

Nicht jeder Lehrer freut sich über die Neuerung. „Es ist wie überall“, sagt Hasemann. Eine Fraktion sage: Endlich ist es so weit. Eine andere: Oh Gott, aber es muss wohl sein. Und eine kleine, dritte: Leute bitte, ich habe noch ein Jahr bis zur Rente. Das Ja zur Tabletklasse sei aber in der Schulkonferenz mit überwältigender Mehrheit gefallen.

Skepsis habe es interessanterweise auch aufseiten der Schüler gegeben. „Die SV hinterfragte, ob wirklich alles Heil in der Digitalisierung liegt“, sagt Hasemann. Auch am „Rats“ gelte aber: Die Tablets sollen ergänzen, nicht ersetzen. Für den Biologieunterricht zum Beispiel könnte das ein 3-D-Modell des menschlichen Körpers sein, wie man es vorher so nicht in den Fachraum bekommen hat.

Zudem hätten die Schüler wissen wollen, was an Kosten auf ihre Eltern zukommt. Die WLAN-Ausstattung zahlt der Kreis, die Tablets nicht – wie ein Schulbuch. Eltern in Schaumburg zahlen die Computer mit zinslosen Mietkäufen, angeboten von der Gesellschaft für digitale Bildung. Etwa 14 Euro sind das im Monat, nach ein paar Jahren ist das iPad – Landkreis und Schulen haben sich zur Vereinheitlichung zunächst auf Apple als Anbieter geeinigt – bezahlt.

Bleibt die Frage, wie Schüler während des Unterrichts vom Zocken und Influencen abgehalten werden – oder einfach vom ziellosen Dahintreiben im Internet. Dafür werden die Tablets speziell konfiguriert, sodass zum Beispiel nur der Aufruf relevanter Seiten möglich ist.

Auf diese Weise wird auch die Konzentration in den Tablet-Klassen der IGS Schaumburg hochgehalten: Was auf dem Gerät nichts mit dem Unterricht zu tun hat oder unter den Jugendschutz fällt, wird im Schul-WLAN ganz einfach blockiert, ob Internetseite oder gleich eine komplette App.

An der IGS zeigt sich auch, dass das Gesamtkonzept durchaus funktioniert: Gerade ist dort in Jahrgang sieben eine einjährige Pilotphase zu Ende gegangen – im Februar sprach sich die Gesamtkonferenz mit großer Mehrheit für eine Fortführung aus. „Es läuft problemlos und wir sehen eine hohe Akzeptanz bei Eltern und Schülern. Über 90 Prozent der Eltern folgen uns auf diesem Weg“, sagt Schulleiterin Astrid Budwach.

„Wir orientieren uns an der Wissenschaft“, so die Rektorin weiter. Sprich: Zunächst lernen die Schüler nicht digital, ab der siebten Klasse kommt dann die Technik hinzu. „Ab diesem Zeitpunkt bietet es einen Mehrwert.“

Wie genau dieser Mehrwert aussieht, berichten die beiden Klassenlehrer Jan Klokkers und Nils Brickwedel. „Wir nutzen die Geräte dann, wenn es sinnvoll ist. Auch handschriftlich wird bei uns noch gearbeitet“, sagen sie. Beim „verhassten“ Vokabellernen zum Beispiel sehe man aber eindeutig positive Effekte der Technik – Stichwort Motivation: „Das lassen die eine halbe Stunde lang mit sich machen und merken gar nicht, dass sie gerade etwas lernen.“

Individuell nach Fach und Unterrichtsinhalt setzen die Lehrer die Tablets ein. „Das funktioniert ganz nahtlos. Die Geräte sind niedrigschwellig, sie lassen sich unkompliziert mit dem Beamer verbinden, wir können Arbeitsblätter hin- und herschicken und mehr“, berichten Klokkers und Brickwedel weiter. Zudem trügen sie auch zur Inklusion und zum Abbau von Barrieren bei: Visuell eingeschränkte Förderschüler mit Leseproblemen beispielsweise könnten Literatur im Unterricht einfach als Hörbuch hören, während die Mitschüler lesen.

Wer sich an der IGS das Tablet nicht leisten kann oder will, der bekommt eines der Leihgeräte, die der Förderverein der Schule finanziert hat. „Wir wollen keinen Druck aufbauen – und auf gar keinen Fall eine soziale Spaltung“, sagt Budwach. Viel mehr gehe es darum, die Schüler „anschlussfähig“ für die Berufswelt zu machen, ihnen schon in der Schule Medienkompetenz zu vermitteln. „Über digitale Medien beziehen Schüler heute ihre Informationen – da ist digitaler Unterricht zeitgemäß.“




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