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56-jähriger Mann wegen Missbrauchs seines ehemaligen Pflegekindes angeklagt

Tatort Tropicana: Pflegevater soll 12-Jährige missbraucht haben

HANNOVER/HESSISCH OLDENDORF. Die Straftat liegt bereits 19 Jahre zurück. Einfach haben es die Richter dann nicht, die Wahrheit herauszufinden. So wohl auch bei diesem Prozess, der seit Mittwoch vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Hannover stattfindet. Auf der Anklagebank: Gerrit R. (56) aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont. Er soll sich laut Anklage an seiner damals 12 Jahre alten Pflegetochter vergangen haben.

veröffentlicht am 06.03.2019 um 17:50 Uhr

Gerrit R. hat neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank Platz genommen. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Verjährt sind diese Taten nicht. Die Verjährungsfrist seibis zur Vollendung des 30. Lebensjahres der Opfer ausgesetzt, heiß es beim Landgericht. Viel passiert ist am ersten Prozesstag nicht. Zumindest in dem Teil, der öffentlich verhandelt wurde. Viel geredet wurde dagegen schon. Die Staatsanwaltschaft verlas die Anklage, Personalien wurden aufgenommen. Der Angeklagte kündigte an, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Und die wiegen schwer. Wie die Staatsanwältin ausführte, soll R. im Zeitraum zwischen Januar und April 2000 sexuelle Handlungen an seiner Pflegetochter vorgenommen haben. Zweimal soll es zu Geschlechtsverkehr gekommen sein. Die vier Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft im ehemaligen Wohnhaus des Angeklagten in einem Hessisch Oldendorfer Ortsteil, aber auch in einem Schwimmbad in Stadthagen ereignet haben.

„Das entspricht nicht den Tatsachen, in allen vier Punkten. Ich habe Fehler gemacht im Umgang mit dem Kind. Aber das entspricht nicht den Tatsachen“, wies R. die Anschuldigungen zurück. Der Angeklagte erzählte davon, selbst als Zehnjähriger in ein Heim geschickt worden zu sein („Ich fühlte mich abgeschoben“). Dort sei er Opfer einer Vergewaltigung geworden, sagte er. Da seine Frau und er selbst keine Kinder bekommen konnten, hatten sich beide dazu entschieden, ein Kind in Pflege zu nehmen. Zehn Jahre alt sei das Mädchen gewesen, als es zu dem Paar kam.

Ein „sehr reifes Kind“ sei es gewesen, „weit für ihr Alter“, meint R.. Nach der Trennung von seiner Frau soll das Mädchen zur Pflegemutter gekommen sein. Er hätte es als Berufskraftfahrer nicht leisten können, für das Kind da zu sein. An Wochenenden sei es bei dem Mann zu Besuch gewesen.

Die Tochter soll oft sexuelle Fragen gestellt haben, erzählte der Angeklagte. Es habe einen lockeren Umgang mit dem Thema Nacktheit gegeben. Annäherungsversuche seien vom Mädchen ausgegangen, sagte R. aus. Auch eine „Attacke“ im Stadthäger Schwimmbad, wo sich das Kind auf seinen Schoß gesetzt habe und versuchte, ihn zu küssen, so der Angeklagte. Er habe das Mädchen dann weggestoßen und mit Wasser bespritzt. „Es war wohl ein Versuch von ihr, das öffentlich zu machen, was ich immer abgelehnt hatte“, meint der Angeklagte.

Anke Blume, Anwältin der Nebenklage fragte den Mann aufgrund der vom Mann beschriebenen Auffälligkeiten des Kindes: „Kam es Ihnen nicht in den Sinn, beim Jugendamt um Hilfe zu bitten?“ „Ich wollte damit alleine klarkommen“, meinte R.

Später wurde hinter verschlossenen Türen weiterverhandelt, die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Was die heute 30 Jahre alte Zeugin und Nebenklägerin im Anschluss aussagte, ist daher unbekannt. Die ehemalige Ehefrau wurde befragt, Protokolle des Jugendamtes vorgelesen. Für das Verfahren sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt worden, bis zum 29. März. Vier Tage Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen, was vor 19 Jahren wirklich passierte.




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