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Technische Ursache für Großbrand: Spurensuche in der Brandruine an der Lübbecker Straße

MINDEN. Ein einsturzgefährdetes Haus, daneben Schutt, Asche und Fahrzeuggerippe – so sieht heute der Einsatzort für Thomas Möller aus. Der Kriminalhauptkommissar soll die Ursache für das Feuer am Montagabend an der Lübbecker Straße herausfinden, bei dem die Lagerhallen eines Dachdeckerbetriebs, die angrenzenden Büroräume einer Zimmerei und ein Wohnhaus zerstört wurden.

veröffentlicht am 17.09.2020 um 16:07 Uhr

„Wenn die Brandstelle kalt ist, fängt die Ermittlung an“, erklärt Möller am Donnerstagmorgen. Der Brandsachbearbeiter und seine Kollegen werden nach jedem Feuer eingeschaltet, der Ort für den Zeitraum der Ursachenforschung beschlagnahmt. Stellen die Ermittler Brandstiftung fest, ermittelt die Polizei weiter. Bei einer technischen Ursache sei sie hingegen raus und das Ganze nur noch Sache der Versicherung, erklärt Möller.

Wichtig ist für die Ermittler der Ausgangspunkt des Feuers. Den finden sie anhand der sogenannten „Abbrandrate“, also dort, wo am meisten weggebrannt ist. „Hier schaut man genauer hin“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Können sie den Brandort betreten, suchen die Ermittler nach technischen Anlagen wie einem Herd oder einer Pumpe oder untersuchen elektrische Leitungen, Mehrfachsteckdosen oder Lichtschalter, um eine technische Ursache auszuschließen.

Das geht in diesem Fall allerdings nicht. „Vom Holzständeranbau ist ja nichts mehr da“, meint Thomas Möller beim Anblick der Ruine. Was nach den Flammen übrig blieb, wurde bei den Löscharbeiten zunichte gemacht. In der Brandnacht habe die Feuerwehr mit Schaufelbaggern alles auf links gedreht, so Möller. Zuletzt war sie Mittwochnachmittag im Einsatz: Es hatte wieder gebrannt. Für die Löscharbeiten mussten die Helfer mit Baggern Blechdachplatten wegräumen. So den Grund für das Feuer rauszufinden – für Möller kaum möglich.

„Dann muss ich mich auf Zeugenaussagen verlassen und auf Fotos. Die Bilder von den ersten Minuten sind für Brandermittler am wichtigsten.“ Die Feuerwehr stellt sie ihm auch in diesem Fall zur Verfügung. Auch eines der vom Brand betroffenen Familienmitglieder hat, kurz nachdem es das Feuer bemerkte, Fotos gemacht. Die Befragung der Familie, die zu Möllers Arbeit gehört, und erste Eindrücke von den Bildern legen nahe: Es war keine Brandstiftung. Fest steht für Möller hingegen: Die Flammen sind von der Halle aufs Wohnhaus übergegangen. Zwar konnten sie hier gestoppt werden. Aber jetzt ist es einsturzgefährdet. Den Mitarbeiter des Netzversorgers, der die Hauptleitung abstellen wollte, hat Thomas Möller denn auch gleich weggeschickt. „Da ist jetzt eh kein Strom mehr drauf.“ Nun muss wahrscheinlich vorm Haus die Zuleitung freigebaggert und gekappt werden, meint er.

Möller verschwindet im Spezial-Bulli der Polizei, um sich umzuziehen. An Bord hat der Transporter jede Menge Equipment. Zum Beispiel verschließbare Gläser, mit denen flüssiger Brandbeschleuniger gesichert wird, aber auch Schaufeln und Besen. Für Möller, mittlerweile in Latzhose und Gummistiefel geschlüpft, ist heute aber die Digitalkamera das wichtigste Arbeitsmittel. Mit ihr hält er alles für die Auswertung und den Bericht fest.

Der Brandermittler stiefelt hinter den Absperrzaun. „Ich arbeite mich von außen ins Zentrum rein“, sagt er und verschwindet in Richtung Schutt und Asche. Hinweise auf Brandstiftung hat er auch nach knapp fünfstündiger Suche nicht gefunden. Möller geht von einer technischen Ursache als Grund für das Feuer aus. Die Ermittlungen sind damit beendet.

Von Doris Christoph




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