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TKKG-Theater am 3. März in Hameln

„TKKG“ und Co.: Was ist dran an diesen Hörspiel-Klassikern?

HAMELN. Anfang März machen „TKKG“ als Theaterstück Station in der Rattenfänger-Halle. Im vergangenen Jahr schauten dort auch schon „Die drei ???“ vorbei. Warum sind die Kinderhörspiel-Klassiker immer noch Dauerbrenner? Wir haben noch mal reingehört – und einen neunjährigen Experten von heute urteilen lassen:

veröffentlicht am 01.03.2019 um 10:56 Uhr

Klassiker-Folgen der Dauerbrenner: Inzwischen sind von „TKKG“...
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

HAMELN. Anfang März machen „TKKG“ als Theaterstück Station in der Rattenfänger-Halle. Im vergangenen Jahr schauten dort auch schon „Die drei ???“ vorbei. Vor allem als Hörspiele sind sie bis heute Dauerbrenner in Kinderzimmern – und nicht nur dort. So auch die „Fünf Freunde“. Wir haben noch mal reingehört in die Klassiker der Kassetten-Kinder – und einen neunjährigen Experten von heute urteilen lassen.

Früher stand das T mal für Tarzan, dann für Tim – weil Tim „Tarzan“ angeblich irgendwann einen doofen Spitznamen fand. Klößchen darf aber bis heute Klößchen heißen, obwohl das nun wirklich mal ein doofer Spitzname für einen dicken Jungen ist. Generell sind die Figuren eher grob geschnitzt: Tim kann eigentlich alles. Unvergessen sind zum Beispiel seine Autoverfolgungen auf dem Rennrad. Karl ist der schlaue Schlacks, Klößchen ein gemütlicher Pummel und Gabi ein (Klischee-)Mädchen. Also ist die Kommissarstochter in Tim – wen sonst? – verliebt und zudem: klug, sensibel, tierlieb, beschützenswert und manchmal genervt von den Jungs. Gemeinsam kümmern sich die vier Freunde seit den frühen 80er Jahren um knallharte deutsche Polizeiarbeit: Rauschgifthandel, Diebstahl, Überfälle, sogar Tote kommen am Rande mal vor. Das klingt im Ganzen aber so gemütlich-bieder wie alte ZDF-Serien. „Der Alte“ für die ganz Jungen. Da ist dann etwa wunderbar korrekt vom „Überfall auf eine Genossenschaftsbank“ die Rede. Dazu gibt’s pädagogisch lupenreine Botschaften wie: Drogen sind tödlich.


Angeber-Wissen: Traurigerweise bringt es die Reihe hinter den Kulissen inzwischen auf ziemlich viele Todesfälle. Als Lieblingsautor stand in so ziemlich jedem „Meine Schulfreunde“-Buch der 80er Jahre etliche Male der TKKG-Autor Stefan Wolf. Der hieß in Wirklichkeit Rolf Kalmuczak und starb 2007. Seitdem schreiben verschiedene Autoren die Serie weiter. Die Originalsprecherin der Gaby, Veronika Neugebauer, starb ebenfalls 2009. Auch drei Erzähler des Hörspiels leben schon nicht mehr.

Jonte (9): „Spannend. Die Verbrechen hören sich echt an, da ist weniger Fantasie dabei. TKKG sind viel unterwegs, das gefällt mir.“

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...den „Drei ???“...

Da kommt weite Welt ins Kinderzimmer: „Rocky Beach“ heißt die kalifornische Fantasie-Heimatstadt der drei Detektive Justus, Bob und Peter. Dort heißen Autos Rolls Royce und Buick, nicht Audi und Opel. Chefdetektiv Justus Jonas lebt nicht bei Mama und Papa in Mietwohnung oder Einfamilienhaus, sondern bei Tante und Onkel auf dem Schrottplatz. Das hat schon mal was. Das klassische Muster vor allem der frühen Episoden: Ein gruseliges Phänomen sorgt für Aufregung, die drei Detektive entdecken die finsteren Hintermänner und die verwendeten Apparaturen. Alles nur Tricks. Es gibt nämlich in Wirklichkeit gar keine grünen Geister, unheimliche Drachen oder flüsternden Mumien – das wissen die lauschenden Kinder, das wissen die drei Fragezeichen. Trotzdem funktioniert die Serie vermutlich als früher Einstieg in eher mystische Krimistoffe. Wer damals „Die drei ???“ mochte, freut sich vermutlich auch heute über jeden neuen Murot-Tatort. Als Premiumprodukt wird die Serie bis heute liebevoll weitergeführt. In neuen Folgen wird dann schon mal der Zweite Detektiv, Peter Shaw, nach Shanghai entführt. Diverse Liveshows tingeln durchs Land, längst Erwachsene lauschen den Geschichten ihrer Kindheit zum Einschlafen. Es gibt Leute, die ihr erstes Kind Justus und ihr zweites Jonas genannt haben – wirklich wahr.


Angeber-Wissen: Ursprünglich basieren „Die drei ???“ auf einer amerikanischen Reihe - „The Three Investigators“. Als diese eingestellt wurde, schrieben deutsche und österreichische Autoren weiter. Seit Hörspielfolge 57 läuft die Reihe – weiterhin unter der „Schirmherrschaft“ von Alfred Hitchcock – ohne US-Vorlage. Ein Rechtsstreit zwischen Buch- und Hörspielverlag führte zwischen 2005 und 2008 dazu, dass keine neuen Hörspiele zu den Büchern erschienen. Stattdessen wurden acht Folgen lang von den Originalsprechern Fälle als „DIE DR3i“ gelöst. Aus Justus Jonas wurde kurzerhand Jupiter Jones. Diesen Namen wiederum übernahm eine deutsche Poprock-Band.
Jonte: „Ich mag die coole Stimmung. Das macht auch die Musik. Die drei Figuren sind sehr unterschiedlich, das finde ich gut. Die Fälle sind spannend, aber nicht zu unheimlich.“

Der Methusalem unter diesen drei Hörspielklassikern. Enid Blytons Buch „Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel“ erschien 1953 auf Deutsch, schon elf Jahre zuvor im englischen Original. Ein erstes deutsches Hörspiel gab es 1975, die bis heute bestehende Reihe seit 1978. Entsprechend angestaubt klingen die alten Folgen für heutige Ohren. Das Personal ist bekannt. Eigentlich sind die fünf Freunde fünf Verwandte: Julian ist grenzenlos vernünftig und deshalb natürlich der Anführer, sein Bruder Dick ist lustig und futtert gerne, ihre Schwester Anne ist ein zimperliches Mustermädchen der 50er. „Das Mäuschen hat sich in einen Tiger verwandelt“, sagt Julian, wenn ihre Schwester doch mal richtig wütend wird. Oha. Bleiben noch die beiden bemerkenswertesten Charaktere: Cousine Georgina heißt eigentlich nur George, weil sie lieber ein Junge wäre. Wie modern: Sie darf es immerhin wollen. Der fünfte Freund ist ihr Mischlingshund Timmy: Unfassbar intelligent, in den älteren Hörspielen allerdings durch den immer selben eingespielten Vierfach-Beller repräsentiert, was ihn für mithörende Erwachsene schnell zur Hassfigur macht. Pädagogisch wertvoll: Bei den fünf Freunden kommen die Kinder viel an die frische Luft: Schatzinsel, Teufelsbucht, Pfad der Küstenschmuggler, das Geheimnis des Winterwaldes – solche Fälle klärt man nicht per Internetrecherche. Und all die schönen Geheimgänge fände so auch niemand. Das alles inszeniert das innere Auge in britischer Rosamunde-Pilcher-Idylle.


Angeber-Wissen: In den ersten 21 Folgen spricht Oliver Rohrbeck, als Justus Jonas Erster Detektiv der „Drei ???“, auch den Fünf-Freunde-Schlaukopf Julian. Sehr verwirrend. Ute Rohrbeck, seine Schwester, gibt die Anne. Zwei Bände der Buchreihe, die nach Blytons Tod 1968 fortgeführt wurde, musste der Bertelsmann-Verlag Ende der 70er wegen eines Lizenzstreits wieder vom Markt nehmen. Sie sind heute als „Geisterbände“ begehrte Sammlerstücke.


Jonte: „Schön, dass bei denen die Geschichten immer in den Ferien spielen. Dann sind sie viel am Meer und auf Inseln. Und ich finde gut, dass sie alle zu einer Familie gehören.“


Termin: Theaterstück „TKKG – Freundschaft in Gefahr“, Sonntag, 3. März, 19 Uhr, Rattenfänger-Halle.




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