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Keine Aussicht auf Erfolg: Staatsanwaltschaft sieht von Anklage gegen die Mutter ab

Tod eines Babys bleibt ungesühnt

LINDHORST/BÜCKEBURG. Gegen die Mutter des zu Tode geschüttelten Babys aus Lindhorst wird keine Anklage erhoben. Damit bleibt der Tod des drei Monate alten Jungen voraussichtlich ungesühnt. Weder dem Vater noch der Mutter lässt sich offenbar nachweisen, das Kind geschüttelt zu haben.

veröffentlicht am 14.11.2018 um 17:42 Uhr

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Autor:

Stephan Lyrath
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LINDHORST/BÜCKEBURG. Gegen die Mutter des zu Tode geschüttelten Babys aus Lindhorst wird keine Anklage erhoben. Nachdem der Vater im Mai aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden war, hatte die Staatsanwaltschaft in Bückeburg neue Erkenntnisse gesehen und das zunächst eingestellte Ermittlungsverfahren gegen die Frau wieder aufgenommen. Nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes sieht die Anklagebehörde jedoch keine Aussicht auf Erfolg.

Damit bleibt der Tod des drei Monate alten Jungen voraussichtlich ungesühnt. „Weder dem Vater noch der Mutter lässt sich nachweisen, das Kind geschüttelt zu haben“, so Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass eine andere Person auf den Säugling eingewirkt hat.“

In diesem Fall ist das Gutachten aus Sicht der Staatsanwaltschaft „nicht eindeutig genug“. Am Tag der Tat, dem 27. November 2017, war der Vater mit dem Baby von 15 bis 17 Uhr allein in der Wohnung. Im Prozess gegen den 23-Jährigen kam ein Rechtsmediziner jedoch zu dem Schluss, dass die Tat auch vor 15 Uhr passiert sein könne. Zu der Zeit hielt sich die Mutter ebenfalls in der Wohnung auf.

Ein Verfahren gegen die 21-Jährige würde wohl zu einem ähnlichen Ergebnis führen und mit einem Freispruch enden, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass es entweder der Vater oder die Mutter gewesen ist, als sehr groß gilt. Der Vater hatte die Vorwürfe als Angeklagter bestritten. Die Mutter erklärte als Zeugin vor Gericht, sie habe das Baby niemals geschüttelt. „Ich habe mich immer gut um den Kleinen gekümmert, war vorsichtig und habe aufgepasst“, sagte sie damals.

„Es ist eine ganz traurige Erkenntnis, dass wir das schreckliche Schicksal dieses Kindes nicht haben aufklären können, aber das Gericht darf keine vernünftigen Zweifel an der Schuld haben“, erklärt Schmidt. Dies hatte sich schon vorher abgezeichnet. Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender des Bückeburger Schwurgerichts, hatte bereits in der Urteilsbegründung des Freispruchs für den Vater die Vermutung geäußert, „dass niemand zur Verantwortung gezogen werden kann“.

Der Säugling war so heftig geschüttelt worden, dass er Hirnblutungen und einen Atemstillstand erlitt. Trotz einer Notoperation im Mindener Klinikum starb das Kind dort zwei Tage später. Dem Gutachten zufolge war der Kleine an zwei anderen Tagen, die bis zu drei Wochen zurücklagen, ebenfalls geschüttelt worden. Dies habe zu inneren Blutungen geführt, nicht jedoch zum Tode.

Nach dem Freispruch für den Vater hat die Staatsanwaltschaft außerdem beim Bundesgerichtshof Revision gegen das Urteil eingelegt, dieses Rechtsmittel aber zwischenzeitlich zurückgezogen. „Eine Erfolgsaussicht war nicht gegeben“, so Jochen Schmidt. In der Revision werden Urteile lediglich auf Rechtsfehler überprüft. Solche Fehler hat das Schwurgericht offenbar nicht gemacht.




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