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Update: Segelflieger muss vom Eigentümer aus Baum geholt werden

PORTA WESTFALICA. Zwei Tage nach der spektakulären Rettung eines Piloten und seiner Begleiterin hing deren Segelflugzeug am Montag noch immer in Baumkronen bei Porta Westfalica. Zuständig für die Beseitigung des Flugzeugs in einem Waldstück sei der Eigentümer, sagte eine Sprecherin der Stadt am Montag: «Der Eigentümer muss das entfernen». Die Stadt sei damit beschäftigt, ihn zu ermitteln.

veröffentlicht am 14.10.2019 um 14:46 Uhr
aktualisiert am 14.10.2019 um 16:38 Uhr

Der 21-jährige Pilot des Segelflugzeugs und seine 17 Jahre alte Begleiterin waren am Samstag in rund 15 Meter hohen Baumwipfeln in einem Waldstück hängen geblieben. Zur Ursache machte das für Flugzeugunfälle zuständige Bundesluftfahrtamt in Braunschweig am Montag keine Angaben.

Pilot und Begleiterin mussten vier Stunden auf Rettung warten

Die beiden jungen Leute hatten vier Stunden lang in der unangenehmen Situation ausharren müssen, bis die Besatzung eines Hubschraubers der Bundeswehr die beiden mit einer Seilwinde rettete und zu Boden brachte. Sie blieben unverletzt. Zuvor hatten Höhenretter der örtlichen Feuerwehr vergeblich versucht, die beiden aus der misslichen Lage zu befreien: Die Position des Fliegers in den Ästen war zu instabil.

 Der Pilot und seine Begleiterin, die aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen stammen, waren am Samstagmittag von einem Flugplatz in Porta Westfalica zu einem privaten Rundflug gestartet. Etwa eine Stunde später entdeckte ein Waldspaziergänger den festhängenden Segelflieger und alarmierte die Feuerwehr.

Abgesperrt: Die Stadt hat die Durchfahrt im Bereich der Absturzstelle untersagt. Trümmerteile könnten auf die Fahrbahn herabstürzen und Autofahrer oder Fußgänger treffen. Foto: Thomas Lieske

Update:

Das dramatische Wochenende beginnt mit einem harmlosen Facebook-Post: „Moin, wir würden gerne Samstag aus Lüchow vorbeikommen mit zwei Flugzeugen, spricht was dagegen?“ Dass das geplante Vergnügen am Samstagnachmittag mit einer stundenlangen Rettungsaktion endet, damit hätte Yannick Posselt niemals gerechnet. Der 23-Jährige muss stundenlang vom Boden aus zusehen, wie zahlreiche Rettungskräfte versuchen, seine Freunde aus dem in Lohfeld verunglückten Segelflieger zu retten.

Es ist 13.30 Uhr, als es passiert. Nur eine Viertelstunde zuvor ist er noch selbst mit diesem Segelflugzeug in der Luft. Nach dem Pilotenwechsel verliert das Segelflugzeug vermutlich an Höhe, kracht in den Buchenwald. Was dann folgt, sind viereinhalb Stunden voller Angst, erzählt Posselt. „Die Passagierin hat uns am Flughafen angerufen. Wir haben Telefonkontakt gehalten, bis wir an der Unglücksstelle waren“, erzählt Posselt. Parallel schicken die beiden verunglückten Segelflieger den Freunden am Boden einen Standort via WhatsApp. „Den haben wir an die Rettungsleitstelle weitergeleitet.“

Dann machen sich die Lüchow-Dannenberger vom Flugplatz in Vennebeck auf nach Lohfeld. Als sie ankommen, steht bereits ein Rettungswagen am Waldrand. „Wir mussten uns kurz orientieren und das Flugzeug suchen.“ Das Telefon übergibt Posselt an das Rettungspersonal: Es gibt keine Verletzten. „Die beiden waren natürlich sehr aufgeregt und aufgelöst. Aber wir konnten sie gut durch den Telefonkontakt beruhigen."

 Noch können sie vom Boden aus nicht genau einschätzen, ob das Flugzeug nach der Bruchlandung stabil im Baumwipfel hängt, oder ob es herunterstürzen könnte. Sie müssen Abstand halten zur Unglücksstelle. Sie müssen Ruhe bewahren. Dann trifft die Feuerwehr ein. Jetzt kümmern sich zahlreiche Retter um die Verunglückten in 35 Metern Höhe. Yannick Posselt und die anderen Lüchow-Dannenberger können kurz durchatmen. Sie unterstützen Feuerwehr und Polizei, geben Tipps zur Maschine, sagen, wo man einen Haken zur Bergung befestigen könnte. „Wir haben ihnen alles gesagt, was wir zum Bautyp wissen.“ Währenddessen bauen Feuerwehrleute zwei Sprungkissen auf. Es sind nervenaufreibende Stunden im Lohfelder Wald.

Und es gibt ein Problem: Die Retter kommen nicht an die Kabine heran. Der Baum ist zu hoch für die Steckleitern. Und die Drehleiter der Feuerwehr findet in dem dicht bewachsenen Waldstück keinen Platz. Auch Hubschrauber der Polizei scheitern. Das Warten am Boden geht weiter. „Wir haben dann recht schnell erkannt, dass das Flugzeug ziemlich sicher im Baum hängt und vermutlich nicht abstürzen wird“, erinnert sich Posselt. „Und wir wussten ja, dass sie unverletzt sind.“

Der erlösende Moment kommt gegen 18 Uhr, als es langsam dunkel wird. „Ein Hubschrauber der Bundeswehr konnte die beiden endlich aus der Kabine befreien. Wir waren einfach nur erleichtert“, sind Yannick Posselt und die anderen Segelflieger den Einsatzkräften dankbar für die stundenlange Mühe. Wie es zu dem Absturz kam, und wer geflogen ist, „dazu darf ich nichts sagen“, betont der 23-Jährige. Derzeit ermittelt die Polizei noch den Hergang. Ergebnis: offen.

Am Montagmorgen zeugen nur noch Absperrbaken und Flatterband von der dramatischen Rettungsaktion. Noch immer könnten Teile des Flugzeugs herunterstürzen. Eine Frau, die nur wenige Meter vom Unglücksort entfernt wohnt, hat den Trubel von Samstag noch nicht recht verarbeitet. Für sie ist klar: „Das hätte auch auf mein Haus stürzen können. Aber es ist am Ende ja alles gut gegangen“, ist sie erleichtert. Sie habe gedacht, dass an diesem Tag das Flugzeug geborgen wird.

Zuständig ist dafür der Eigentümer des Flugzeugs und der Waldbesitzer, erklärt Portas Pressesprecherin Babette Lissner im MT-Gespräch. „Die Stadt hat lediglich den Gefahrenbereich abgesperrt. „Und wir werden natürlich an allen Stellen unterstützen“, verspricht Lissner.

Vermutlich heute oder in den kommenden Tagen wird der Besitzer das Flugzeug bergen lassen, verrät Yannick Posselt. „Wir stimmen das derzeit noch ab.“ Bis auf ein kaputtes Flugzeug wäre die Aktion dann glimpflich ausgegangen. Den Schock werden die Lüchow-Dannenberger, die eigentlich nur zu einem schönen Rundflug nach Porta gekommen waren, aber so schnell nicht vergessen.

von Thomas Lieske 




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