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„Diskrepanzen“ in Aussage der Frau

Vergewaltigung nicht nachzuweisen – Freispruch

NENNDORF/STADTHAGEN. Zitterpartie für einen 37-Jährigen: Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme über mehrere Stunden, in der acht Zeugen zu Wort kamen, hat das Schöffengericht in Stadthagen einen Altenpfleger vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

veröffentlicht am 11.12.2018 um 16:22 Uhr
aktualisiert am 11.12.2018 um 20:10 Uhr

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„Es bleiben Zweifel, die sich zugunsten des Angeklagten ausgewirkt haben“, stellte Richter Kai Oliver Stumpe fest.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, während der Arbeitszeit über eine Kollegin hergefallen zu sein, deren direkter Vorgesetzter er damals war. Als Tatort wird in der Anklageschrift ein Zimmer des Heimes in der Samtgemeinde Nenndorf genannt, wo beide an jenem 6. Juni 2017 beschäftigt waren. Die Bewohnerin war gerade beim Abendessen.

Für eine Verurteilung reichte es nicht, weil die Richter „Diskrepanzen in den Schilderungen der Zeugin“ sehen. So ließ die Frau in ihrer Aussage vor Gericht nicht nur Einzelheiten, sondern ganze Passagen aus, die sie in vorausgegangenen Vernehmungen bei der Polizei noch geschildert hatte. Dabei ging es vor allem um die Art der angeblichen Vergewaltigung.

Anzeige hatte die Frau auf Drängen ihres Verlobten erstattet, dem es so vorgekommen war, als bedrücke sie etwas. „Es kann sein, dass es tatsächlich stimmt mit der Vergewaltigung“, nannte Richter Kai Stumpe eine von zwei Möglichkeiten. „Oder die Zeugin hat eine Geschichte erfunden, aus der sie nicht mehr rauskam.“ Der Lüge überführt sei sie nicht, so Stumpe. Im Prozess hatte die Frau zum Schutz ihrer Intimsphäre unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt, während der Angeklagte von seinem Schweigerecht Gebrauch machte.

Der Mann hat zwischenzeitlich einen neuen Job. Die Frau arbeitet heute noch bei derselben Firma, ist aber in einem anderen Heim beschäftigt. Nach den Ereignissen war die Altenpflegerin vier Wochen lang krankgeschrieben. Der Anklage zufolge leidet sie noch immer unter Schlafstörungen, ist ängstlich und unsicher.

Im Plädoyer hatte Dietmar Weyland, der Anwalt der Frau, das Verhalten der Verteidigung kritisiert, die Teile des Intimlebens seiner Mandantin durchforstet sehen wollte – vermutlich, um deren Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Das Gericht war diesen Anträgen jedoch nicht nachgegangen.

Rechtskräftig ist die Entscheidung noch nicht. Staatsanwältin Neele Marleen Schlenker hatte eine zweijährige Freiheitsstrafe mit Bewährung gefordert. Weyland plädierte ebenfalls auf schuldig. Beide können noch Berufung gegen das Urteil einlegen. Dann würde der Fall vor dem Landgericht in Bückeburg neu aufgerollt. ly




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