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Känguru-Besitzer stellen Anzeige wegen Tierquälerei / Brandes: Vorwürfe sind unbegründet

Viggo bei Abholung misshandelt?

SACHSENHAGEN/BERGEN. Nächster Akt im Fall Viggo: Nachdem der Landkreis Celle der Berger Familie Müller/Arndt vor knapp drei Wochen ihr Känguru weggenommen hat, hat sie nun, wie die Cellesche Zeitung berichtet, Strafanzeige gegen den Celler Kreisveterinär Dr. Heiko Wessel sowie den Leiter der Wild- und Artenschutzstation Sachsenhagen, Dr. Florian Brandes, gestellt. Vorwurf: Tierquälerei.

veröffentlicht am 13.06.2018 um 16:17 Uhr

Känguru Viggo genießt die Ruhe in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. FOTO: PR.

Autor:

Christopher Menge und Andreas Ohler
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„Das Vorgehen ist so nicht hinnehmbar“, sagt der Anwalt der Familie, Markus Matuschczyk. Auf einem Video könne man sehen, wie das Tier bei der Wegnahme gelitten habe. „Viggo wurde gegen den Kopf geschlagen, am Schwanz gezogen und fixiert“, sagt Matuschczyk, der von „Misshandlung“ spricht. Er hat daher Strafanzeige gegen Brandes wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Wessel wird Tierquälerei durch Unterlassung vorgeworfen.

Er wisse offiziell bisher nichts von einer Anzeige, sagt Brandes. Sollte es zu einer solchen kommen, sehe er ihr gelassen entgegen: „Die Abholaktion ist absolut professionell verlaufen. Das Tier ist dabei ganz ruhig geblieben.“ Konkrete Angaben zum Vorgang wollte er auf Nachfrage nicht machen. Dem seit rund drei Wochen in Sachsenhagen lebenden Känguru gehe es gut: „Viggo macht einen guten Eindruck, liegt entspannt im Schatten und frisst ausgiebig. Auch sein Kot sieht gut aus.“ Laut Brandes ist dessen Form ein Indikator für den Zustand eines solchen Tieres.

„Viggo“ war seinen vormaligen Besitzern vom Landkreis Celle wegen nicht artgerechter Haltung weggenommen und in die Sachsenhäger Einrichtung gebracht worden (wir berichteten). Die Behörden hatten unter anderem bemängelt, dass dem Tier 50 Quadratmeter zu wenig (150 statt 200) zur Verfügung gestanden hatten und dass es nicht mit mindestens einem Artgenossen untergebracht gewesen war.

Währenddessen bereitet Anwalt Matuschczyk den Widerspruch gegen den Entziehungsbescheid vor. Nächste Woche endet die Frist zum Einlegen der Rechtsmittel.

Nachdem eine Frau, die der Familie ein Haus angeboten hatte, einen Rückzieher gemacht hat, will der Anwalt prüfen lassen, ob die Forderung des Landkreises nach einem größeren Grundstück überhaupt rechtens ist.

Zum einen ergebe es keinen Sinn, dass für ein Känguru eine genauso große Fläche gefordert werde wie für fünf Kängurus. Zum anderen habe man festgestellt, dass der Garten der Familie nicht wie vom Kreis behauptet 150 Quadratmeter groß sei, sondern 170. Das ist zwar auch noch zu klein. Aber mit dem Haus zusammen hat Viggo 230 Quadratmeter Platz. Wenn es nach ihm geht, bleibt die Familie in dem Reihenhaus wohnen – mit Viggo und einem zweiten Känguru.

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