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Größte Posten für Einsparungen bei Mitarbeitern

Wegen Millionendefizit: Klinikum will bei Personal sparen

LANDKREIS. 3,9 Millionen Euro erwarteter Verlust alleine im Jahr 2018. Dazu ein Schuldenberg von 55 Millionen Euro, auf dem das Agaplesion-Klinikum bereits Ende 2017 saß. Eins ist klar: Das neue Krankenhaus in Vehlen muss sparen. Doch wie? Unsere Zeitung hat eine interne Auflistung von „Einsparpotenzial“ vorliegen.

veröffentlicht am 14.09.2018 um 12:25 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 17:37 Uhr

Das neue Gesamtklinikum muss sparen. Foto: tol
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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Auf eine ausführliche Anfrage zu den geplanten Sparmaßnahmen dieser Redaktion wollte Pressesprecherin Nina Bernard nur ausweichend antworten. Einen einzigen konkreter Punkt gab sie bekannt: Man wolle die komplette Bebilderung des gesamten Klinikums um ein Jahr verschieben. Dass sich damit kein Krankenhaus sanieren lässt, sollte klar sein.

Doch mit welchen Maßnahmen könnte die Geschäftsführung sparen? Unsere Redaktion hat mit zahlreichen Mitarbeitern gesprochen und dabei auch interne Dokumente zugespielt bekommen. Sie sind unterzeichnet von der Geschäftsführung.

Denn in der Belegschaft des Krankenhauses schlagen ganz andere Sparpläne momentan Wellen. Aus Angst vor dienstrechtlichen Konsequenzen wollte sich niemand namentlich zitieren lassen.

Übereinstimmend berichten sie, dass die Geschäftsführung die Mitarbeitervertretung vor die Wahl gestellt habe: Entweder sie stimme der Einführung der 5,5-Tage-Woche für alle Pflegekräfte zu – oder man streiche das Weihnachtsgeld.

Pikantes Detail am Rande: Durch die Einführung der 5,5-Tage-Woche wolle Agaplesion auch die vom Gewerbeaufsichtsamt festgestellten systematischen Arbeitszeitverletzungen in den Griff bekommen.

Eine Forderung, die von der Mitarbeitervertretung rundheraus abgelehnt wurde.

Doch andere Sparmaßnahmen benötigen nicht die Zustimmung der Mitarbeitervertretung. Ein internes Dokument, das der Redaktion vorliegt, listet minutiös angeblich von der Geschäftsführung angedachte Sparmaßnahmen auf. Insgesamt sollen, so geht es aus dem Schriftverkehr hervor, mehr als 3 Millionen Euro eingespart werden. Mehr als die Hälfte durch Einsparungen beim Personal. Außerdem sollen zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe gemacht werden.

Der größte Posten laut dem Maßnahmenkatalog: Die weitere Beschäftigung von Honorarärzten unterbinden. Mehr als 700 000 Euro könne man dadurch einsparen. Pressesprecherin Bernard schreibt in ihrer Stellungnahme: „Grundsätzlich beschäftigen wir momentan noch viele Ärzte, die per Arbeitnehmerüberlassung befristet für unser Klinikum arbeiten. Hierbei handelt es sich um eine bundesweite Herausforderung, die nicht nur uns betrifft. Dennoch hat es unsere Geschäftsführung geschafft, bis Ende des Jahres mehrere neue Assistenz- und Fachärzte für unser Haus unter Vertrag zu nehmen.“

Das Sparpaket, das der Redaktion vorliegt, sieht außerdem ein Einsparpotenzial von 600 000 Euro durch das Streichen der Jahressonderzahlungen – also des Weihnachtsgeldes – vor. Dieser Punkt ist nach Informationen dieser Zeitung mittlerweile allerdings vom Tisch.

550 000 Euro könne man durch das Einrichten einer Kurzzeitstation einsparen. Dadurch soll einerseits bei den Patienten die „Verweildauer optimiert“ (also verkürzt) werden, als auch ein Abbau von Überstunden und Urlaubstagen von Mitarbeitern möglich werden.

Unter den insgesamt 28 Punkten finden sich auch zahlreiche kleine Optimierungen. So könne man etwa 1500 Euro durch das Trennen von Wertstoff und Glas einsparen.

Weitere sechsstellige Summen, so schlägt es das Maßnahmenpaket vor, könne man durch den Abbau von Überstunden und Urlaubstagen einsparen. Oder fast 50 000 Euro dadurch, dass man die Bebilderung im Krankenhaus streiche, wie Pressesprecherin Bernard bereits bestätigte. Auch durch die bereits öffentlich verkündete Verschiebung des Tages der offenen Türe, ließen sich 30 000 Euro einsparen. 6 900 Euro könne man bei der Werkfeuerwehr einsparen, indem man die Ausbildungskosten reduziere und einen Aufnahmestopp verhänge.

Welche der 28 Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, war über die Pressestelle leider nicht zu klären.Bis auf die Bebilderung, und einer grundsätzlichen Antwort zum Thema Honrarärzte, schweigt sich die Geschäftsführung des Agaplesion-Krankenhauses dazu noch aus.




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