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Harmlose Gespinstmotten hüllen Bäume mit ihren Netzen ein / Kein Eichenprozessionsspinner

Weiße Netze an Bäumen: Raupen sorgen für Grusel

STADTHAGEN. Der Schrecken unserer Leserin ist leicht nachzuvollziehen: Der Busch am Straßenrand ist komplett mit einem feinen weißen Netz überzogen, von langen Fäden hängen kleine Raupen, im Netz wimmelt es nur so von den Schmetterlingslarven. Aktuelle Medienberichte von evakuierten Schulen (siehe Kasten) im Hinterkopf, dachte die Stadthägerin schnell an den für Menschen gefährlichen Eichenprozessionsspinner und informierte den Landkreis. Dieser gab nun Entwarnung. Bei den Raupen handelt es sich um die Larven der Gespinstmotte. Diese sind zwar gefräßig, aber völlig harmlos.

veröffentlicht am 31.05.2019 um 18:32 Uhr

Die Raupen der Gespinstmotte haben einen Busch an der Nordsehler Straße eingehüllt. Foto: rg

Autor:

katharina grimpe
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Aktuell gehöre Stadthagen und das Schaumburger Land nicht zu den betroffenen Regionen in Deutschland, in denen sich der Eichenprozessionsspinner ausbreitet, erklärt Anja Gewald, Sprecherin der Kreisverwaltung. „Bisher ist uns kein Fall bekannt.“ Dennoch beobachte der Landkreis die Lage in den Nachbarregionen, um im Ernstfall schnell handeln zu können. Und er gehe als zuständige Naturschutzbehörde jeder Meldung nach.

Der Grund: Der Eichenprozessionsspinner ist nicht nur für die von ihm bevorzugten Eichen, sondern auch für den Menschen gefährlich. Die kleinen Brennhaare der Raupen enthalten Nesselgift und können in die menschliche Haut eindringen. Folge sind unangenehme Knötchen, Quaddeln oder Entzündungen. Die Reaktionen gehen bis zu Augenreizungen, Fieber und Schwindel. Werden die dünnen Haare in der Umgebungsluft eingeatmet, können sie Atembeschwerden wie Bronchitis und Asthma auslösen, teilt der Naturschutzbund (Nabu) mit. Das Problem: Die Brennhaare sind lange Zeit giftig und können auch Jahre nach einem Befall Reaktionen beim Menschen verursachen.

Erkennen lassen sich die Raupen des Nachtfalters an ihrem typischen Gespinst in den befallenen Bäumen. Die Nester sind etwa fußballgroß und befinden sich in Astgabeln am Stamm oder an großen Ästen. Sie fressen nachts und wandern dazu gemeinsam den Baumstamm entlang. Diese namensgebenden Prozessionen können bis zu zehn Meter lang sein, erläutert der Nabu. Die Tiere besiedeln fast ausschließlich Eichen, bevorzugt am Waldrand oder Einzelbäume.

Nicht zu verwechseln ist der Eichenprozessionsspinner mit der harmlosen Gespinstmotte. Die Motte lässt sich vor allem auf Traubenkirschen, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder Weiden nieder. Gelegentlich werden auch Obstbäume befallen, schreibt der Nabu. Geschützt vor Feinden fressen die Raupen dann den gesamten Baum kahl. Für die Pflanzen geht der Belagerungszustand in der Regel glimpflich aus. Mitte Juni verpuppen sich die Raupen, dann hat der Fraß ein Ende und der Baum kann mit dem sogenannten Johannistrieb neu austreiben.

Experten vermuten, dass der Klimawandel für die Ausbreitung sowohl von Eichenprozessionsspinner als auch der Gespinstmotte verantwortlich ist.

Information

Der Frühsommer ist die Zeit des Eichenprozessionsspinners. Vor allem der Süden Deutschland ist betroffen. Dort mussten Behörden gegen den Befall vorgehen. In Baden-Württemberg mussten innerhalb weniger Tage zwei Schulen geräumt werden, weil die Kinder allergische Reaktionen hatten. Die giftigen Härchen der Raupen sollen vom Wind in die Klassenräume geweht worden sein.

Durch das mildere Klima breitet sich der Nachtfalter bis in den Nordosten aus, im vergangenen Jahr sind erstmals Raupen an der Ostsee entdeckt worden.




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