weather-image
19°
×

Autokonzern hat angeblich auch Groß Munzel als Standort ins Visier genommen / Sorge ums Image?

Weitere Spekulationen um VW-Pläne

BAD NENNDORF. Seit bekannt ist, dass die Ansiedlungspläne für ein VW-Werk bei Bad Nenndorf auf Eis liegen, brodelt die Gerüchteküche. Denn die Gründe für das Aussetzen des Verfahrens sind – zumindest offiziell – unbekannt. Nach Informationen dieser Zeitung soll Volkswagen allerdings bei Groß Munzel eine andere Fläche ins Auge gefasst haben.

veröffentlicht am 17.10.2020 um 00:00 Uhr

Und das nicht erst seit gestern. Wie aus verlässlicher Quelle zu erfahren war, sind die Pläne für den Luftlinie etwa acht Kilometer entfernten Ort nahe der Autobahnabfahrt Kolenfeld deutlich älter als jene für Bad Nenndorf. Der Projektentwickler Metawerk, der die Variante zwischen B65 und A2 vorantreiben sollte, ist dort gar nicht im Spiel. Als Investor würde ein anderes Unternehmen auftreten. Der Zielstandort soll sich in Nachbarschaft zu jenem Gewerbegebiet befinden, wo unter anderem Nordzucker ansässig ist.

Ob die Kurstadt nur als Plan B dienen sollte oder das Ganze sogar nur ein taktisches Manöver war, um an anderer Stelle Druck aufzubauen, ist Spekulation. Doch unweigerlich werden Erinnerungen wach an die mit viel Tamtam vorgestellten Ansiedlungspläne für eine Großdruckerei in der Gehrenbreite. Dabei stellte sich schlussendlich heraus, dass die mittlerweile insolvente Sedai-Druckerei nie wirklich vorhatte, in Bad Nenndorf zu investieren. Dem Vernehmen nach sollte mit Medienberichten über die Pläne lediglich Investorengeld gesammelt werden, um die finanzielle Schieflage zu beheben.

Andere Beobachter vor Ort gehen im Fall von VW und Metawerk wiederum davon aus, dass dem Autobauer der Gegenwind in Bad Nenndorf zu stark geworden war. Aus Kreisen des Autokonzerns heißt es zumindest, man verfolge die Standort-Debatte sehr aufmerksam.

Dazu passt auch: Der Projektentwickler verkündete das Aussetzen der Planung nur wenige Tage nach Gründung einer Bürgerinitiative, die gegen das Vorhaben, einen Gewerbepark in ein Landschaftsschutzgebiet zu setzen, mobil macht.

Der VW-Konzern, der wegen des Abgasskandals ohnehin seit Jahren massiv Negativschlagzeilen produziert, möchte möglicherweise nicht erneut als Umweltsünder hingestellt werden und tritt deshalb auf die Bremse. Im Zusammenhang mit der Entwicklung von E-Mobilität in ein Landschaftsschutzgebiet einzugreifen, könnte der Glaubhaftigkeit des Unternehmens schaden, so ein Insider, der namentlich nicht genannt werden will. Am Deister bei Bad Nenndorf sollten Komponenten für den Elektro-Bulli ID.Buzz gebaut werden.

Hinzu kommt: Projektentwickler und Investoren hätten sich vonseiten der Nenndorfer Politik offenbar mehr Unterstützung und ein klareres Bekenntnis für die Ansiedlung gewünscht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es etwa, Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt habe unglücklich taktiert, sei mal euphorisch vorgeprescht, um dann wieder - ebenfalls öffentlich - Zweifel an dem Projekt anzumelden.

Und schließlich kursiert eine dritte Erklärung für das Aussetzen der Pläne: VW hat bereits mit der Produktion von Teilen für E-Fahrzeuge bei Meerane/Zwickau begonnen. Dort nun auch noch ein Komponentenwerk für den ID.Buzz zu errichten, hätte für den Konzern möglicherweise logistische Vorteile. Unter anderem werden dort Akkus hergestellt. So käme auch Metawerk wieder ins Spiel. Denn der Projektentwickler ist Eigentümer der dortigen Flächen.

Zum Stand der Dinge mag sich Projektplaner Michael Müller nur zurückhaltend äußern, allerdings deutet er auf Nachfrage dieser Zeitung einen Grund für den Planungsstopp an. „Wir bedauern außerordentlich, dass die sehr frühe öffentliche Diskussion über das erste Ansiedlungsvorhaben zwischen A 2 und B 65 sowie die Art der nachfolgenden Diskussion zu einer erheblichen Verunsicherung bei dem zukünftigen Nutzer geführt hat.“ Und Müller weiter etwas verklausuliert: „Das hat Entscheidungsprozesse verlangsamt und beeinflusst, sodass wir abwarten müssen, wie der zukünftige Nutzer diese Verunsicherung in seinen Entscheidungsprozessen verarbeitet.“ Soll wohl heißen: Der VW-Konzern hat im Hintergrund auf die Bremse getreten. gus, mf, göt




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige