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Stippvisite in Schaumburg: Aktivistin Rosie Swale Pope wandert von Brighton nach Berlin

Weltenbummlerin mit Herz

LANDKREIS. Rosie Swale Pope wandert von Brighton nach Berlin und legt in Schaumburg eine kurze Rast ein. Die Aktivistin hat bereits zu Fuß die Welt umrundet.

veröffentlicht am 20.11.2018 um 17:02 Uhr

Rosie Swale Pope gönnt sich auf ihrem langen Marsch nach Berlin eine kleine Pause in Stadthagen – für einen Kaffee. foto: geb

Autor:

gerrit brandtmann
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LANDKREIS. Eine außergewöhnliche Aktivistin hat kürzlich Schaumburg durchstreift. Die Britin Rosie Swale Pope will Menschen über Krebsvorsorge aufklären und Mut machen. Ihre Mission führte sie schon einmal um die Welt – zu Fuß.

2002 starb ihr Mann Clive an Prostatakrebs. Mit ihrem Schmerz wollte Swale Pope nicht alleine sein und Menschen helfen. „Hoffnung ist stärker als Verzweiflung“, ist ihre Überzeugung. Die damals 57-Jährige marschierte 2003 nur mit einem Rucksack vor den Stufen ihres Hauses in Tenby los. In fünf Jahren wanderte sie ostwärts quer über die nördliche Erdhalbkugel, ab Moskau mit einem länglichen Anhänger als mobiler Unterschlupf, den sie wie einen Planwagen hinter sich her zog.

Sie erlebte zwei Winter allein in Russland, erreichte Alaska über die Beringstraße und kehrte über Kanada, Grönland, Island, die Faröer Inseln und Schottland nach Hause zurück. 250 000 Pfund Spenden für ein russisches Kinderheim brachte sie mit der beispiellosen Aktion zusammen. Ihre Erlebnisse schilderte sie in ihrem 2009 erschienen Buch „Mein längster Lauf“.

Dieses Mal ist sie nicht ganz so waghalsig. Im Februar hatte sie sich vom Haus ihres Sohnes in Brighton aus aufgemacht. Ziel: Berlin. Ihre Ankunft war eigentlich schon für den 2. Oktober geplant – „mein 72. Geburtstag“, erzählt die Wanderin bei ihrem Stopp in Stadthagen. Doch eine gebrochene Hüfte hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht und den für Dezember geplanten Aufbruch verzögert. Mittlerweile ist der drahtigen und gut gelaunten Britin nichts mehr anzumerken, was auf ein Gebrechen hindeutet.

In diesen Breitengraden scheinen es der Weltenbummlerin Land und Leute ganz besonders angetan zu haben. „Ich liebe Deutschland, ein sicherer und netter Ort. Die Leute sind fantastisch und das Essen köstlich“, schwärmt Swale Pope. Auf ihrer Route sei ihr zuletzt in der Nähe von Minden ein Krebskranker begegnet. Ihr knallroter beklebter Wagen war ihm ins Auge gesprungen. „Er hat mir schon eine E-Mail geschrieben“, freut sie sich. Feste Punkte oder Termine steuert sie auf ihrem Weg nicht an. Wer ihren Kontakt sucht, bekommt ihn. „Jeder braucht Ermutigung“, findet Swale Pope. Einige Eindrücke hält sie unterwegs in einem Buch fest oder lässt ihre neuen Bekanntschaften ein paar Zeilen verfassen.

Auch jetzt, wo es dunkler und kälter wird, verbringt sie neun von zehn Nächten in ihrer rollenden Behausung, das Zelt, Schlafsäcke, die selbst sibirischen Wintertemperaturen trotzen, Anziehsachen und Nahrung. Hotels steuert sie nur an, um Smartphone oder Laptop aufzuladen. Schließlich hatte sie auf ihrer Weltumrundung schon Temperaturen von Minus 61 Grad Celsius, Erfrierungen und Wolfsbesuche durchgestanden. Wenn sie bei ihrer für den 14. Dezember geplanten Ankunft in Berlin auch ihren eigenen Geburtstag längst verpasst hat, ist es für Swale Pope trotzdem ein denkwürdiges Datum: „Es ist der Geburtstag meiner verstorbenen Stiefmutter. Ich werde mein Glas auf sie erheben.“




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