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Verödete Kerne, neue Ideen

Wie verändern sich Schaumburgs Dörfer? Fachleute machen Bestandsaufnahme

LANDKREIS. Die „Zukunft unserer Dörfer“ hat jetzt eine Tagung der Schaumburger Landschaft beleuchtet. Drei Fachleute referierten im Dorfgemeinschaftshaus Hülshagen, anschließend entspann sich eine rege Diskussion.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 00:00 Uhr

Der motorisierte Verkehr hat die Struktur der Dörfer deutlich verändert. So auch in Hülshagen. Foto: rg
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Arne Boecker Reporter
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„Unsere Dörfer verändern sich“, führte Landschafts-Geschäftsführerin Lu Seegers in das Thema ein und präzisierte: „An den Peripherien wachsen Neubauten in die Höhe, während die Dorfkerne veröden.“ Sie verwies auf Schulen und Geschäfte, die aus dem Dorfbild verschwänden. Mit der Tagung wolle die Schaumburger Landschaft dazu beitragen, „Geschichte und Kultur zu erhalten, die in den Dörfern stecken“, sagte Seegers. Angeregt hatte die gut besuchte Veranstaltung die Landschafts-Arbeitsgruppe „Regionale Architektur und Kulturlandschaft“.

Manfred Röver ist Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe und ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter im Landkreis. Zunächst zeigte er ein Gemälde von Wilhelm Busch, das ein Haus mit „Schaumburger Mütze“ zeigte, dem typischen Vorbau am Bauernhaus-Dach. „Wer heute durch die Dörfer geht, kann sehen, dass von dieser Art der Historie noch viel übrig geblieben ist“, sagte Röver. Der Fachmann nannte Beispiele für Ortsansichten, wie man sie von früher kennt. So wird als erstes Kirchtürme und rote Dächer gewahr, wer sich von fern Hülsede oder Bergkirchen nähert.

„Was das Bild der Dörfer am deutlichsten verändert hat, ist das Schrumpfen der Zahl landwirtschaftlicher Betriebe“, sagte Röver, „das lässt sich auch nicht zurückdrehen.“ Selbst Nebenerwerbs-Landwirte gäben inzwischen auf, „übrig bleiben die, die man Agrar-Industrielle nennen könnte“. Der zweite Faktor, der die Dörfer umgebaut habe, sei der motorisierte Verkehr, „und zwar viel stärker, als man das gemeinhin wahrnimmt“.

Heiko Wiebusch hat als Landschaftsplaner viel vom Schaumburger Land gesehen, heute arbeitet er als Stadtbaurat in Hessisch Oldendorf. Er kündigte an, mit seinem Vortrag „Mut machen zu wollen“. Das tat er dann auch anhand mehrerer Beispiele. Wiebusch hat beobachtet, dass es verstärktes Interesse am Thema Dorf und gestiegenes Engagement in den Dörfern gebe. „An Müllsammel-Aktionen beteiligen sich in manchen Orten 150 Menschen“, sagte Wiebusch.

Jan Peter Wiborg schlug in seinem Beitrag einen Bogen von 1988 ins Heute. Der Hagenburger Journalist und Historiker hatte vor mehr als 30 Jahren eine Broschüre für das niedersächsische Sozialministerium erstellt. Titel: „Dörfer im Schaumburger Land“. Anhand alter Fotos und Zeichnungen skizzierte Wiborg die Veränderungen nach, die auch in Schaumburg nach den Dörfern gegriffen haben. Er spürte aber auch Kontinuitäten nach. So berichtete er davon, dass man in Riepen vor 30 Jahren verkehrsberuhigende Maßnahmen diskutiert habe, die heute in Sachsenhagen genau so wieder im Gespräch seien.




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