weather-image
16°

Fast 100 Reviere im Weserbergland

Willkommen zurück, Uhu!

WESERBERGLAND. So lautlos wie er jagt, so klammheimlich und still hat der Uhu seinen Lebensraum im Weserbergland zurückerobert. Aktuell haben die Forscher Kenntnis von 92 Brutrevieren im Forschungsgebiet von der Porta Westfalica bis nach Einbeck. Ein Grund zur Freude?

veröffentlicht am 16.02.2019 um 00:00 Uhr

Der Uhu ist an seinen auffällig langen Federohren gut zu erkennen. Foto: fn
Frank Neitz

Autor

Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

WESERBERGLAND. So lautlos wie er jagt, so klammheimlich und still hat der Uhu seinen Lebensraum im Weserbergland zurückerobert. Spitzt man die Ohren, ist nach Einbruch der Dämmerung das dumpfe „buhu“ der großen Vögel zu hören.

Experten ziehen aus den Lauten sogar Rückschlüsse auf das Geschlecht des rufenden Tieres. Wie Prof. Dr.-Ing. Kersten Hänel. „Ich war verwundert, als mitten im Ith ein Uhu rief“, sagt der Wissenschaftler. Diese erste Begegnung im Jahr 2002 ließ dem Hamelner keine Ruhe. Hänel ging der Sache auf den Grund. Seit vielen Jahren untersucht der an der Hochschule Osnabrück tätige Professor ehrenamtlich mit vielen Helfern die Population auf einer rund 2000 Quadratkilometer großen Fläche – von der Porta Westfalica bis nach Einbeck. Aktuell haben die Forscher Kenntnis von 92 Brutrevieren in diesem Forschungsgebiet.

Uhupopulationen hatte es in den Landschaften an der Weser mehr als vier Jahrzehnte nicht gegeben. Wie in den meisten Regionen in Deutschland war er auch hier seit 1937 ausgerottet. Der Vogel galt in früheren Zeiten als Bote der Unterwelt, kündigte Feuersbrünste, Hunger, Tod, Kriege und Unheil an. Gründe, für die die „Adlereule“ Federn lassen musste. Uhus wurden auch als Jagdschädlinge bejagt.

40 Jahre gab es in Niedersachsen kein einziges Brutpaar mehr. Erst 1977 stellte sich der erste Bruterfolg frei lebender Uhus im Weserbergland ein, nachdem Anfang der 70er Jahre die ersten Vögel ausgewildert wurden. 1985 zählte man 15 Reviere, 2002 bereits über 30. Das ehrenamtliche Monitoring zeigt mittlerweile noch höhere Bestandszahlen auf. Wurden 2005 47 Reviere erfasst, stieg die Anzahl 2015 auf 97. Diese nachgewiesene Zunahme stimmt Naturfreunde positiv, auch wenn die Zahl in den darauffolgenden Jahren wieder leicht sank – auf 92 Reviere im Vorjahr. Äußerst unterschiedlich ist die Anzahl flügge gewordener Jungvögel. Waren es 2012 117 Tiere, zählte man 2018 gerade einmal 19 Uhujunge. Der Lebensraum der Mittelgebirgslandschaft mit aus Kalk- und Sandstein aufgebauten bewaldeten Höhenzügen ist eigentlich ein Eldorado für die Felsbrüter. Sie nisten gern in Wänden und Nischen. Größere Steinbrüche waren bei Projektbeginn schon fast ausnahmslos von Uhus besetzt, erinnert sich Hänel. Die Eulenart brütet nicht nur in stillgelegten Steinbrüchen, auch in noch betriebenen Anlagen. Da ist der Uhu sehr clever. Der Vogel kann sehr gut einschätzen, wo Bauarbeiten stattfinden oder wo gesprengt wird. „Er schreckt nicht vom Nest hoch, wenn dort Lkw fahren oder Sprengungen erfolgen“, meint der Wissenschaftler. Trotz des typischen Felsbrütergebietes kommt der Uhu in unseren ausgedehnten Waldgebieten regelmäßig als Baumbrüter vor. Ein Baumeister ist der Nachtvogel nicht. Er bezieht ausschließlich fertige Nester – von Bussarden, Milanen & Co.

So sehr sich die Naturfreunde über die Rückkehr des Vogels freuen, dürfte seine Anwesenheit bei Ringeltauben, Rabenkrähen, Ratten und Igeln Angst und Schrecken verbreiten. Die stehen auf seiner Speisekarte ganz weit oben. Auf ein Jahr gerechnet decken Tauben 25 Prozent der erbeuteten Nahrung ab.

Forscher erkannten aber auch, dass sich ein guter Bruterfolg nur noch in den Jahren einstellt, in denen Mäuse hohe Dichten erreichen. „Demzufolge sind besonders Grünlandflächen, in denen die Feldmaus gute Populationen aufbauen kann, auch für den Uhu von großer Bedeutung“, mahnt Umweltplaner Hänel.

Verschiedene Gefahren trüben die eigentlich gute Stimmung der Wissenschaftler. Wie Stacheldrähte, in denen sich die Vögel verfangen können und dann zugrunde gehen. Auch an Strommasten können Uhus immer noch sterben.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare