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#wirmachenAUFmerksam: Mindener Einzelhändler nehmen teil - und üben Kritik an vorheriger Aktion

MINDEN. #WirMachenAuf hat deutschlandweit für viel Kritik und Empörung gesorgt. Die Aktion, die in den sozialen Medien dazu aufrief, Geschäfte trotz des coronabedingten Lockdowns zu öffnen, hatte dem teilweise existenzbedrohten Einzelhandel vorübergehende Aufmerksamkeit beschert, jedoch vor allem weil AfD-Politiker und Querdenker die Aktion für sich nutzten. Die Branche startete mit #wirmachenAUFmerksam nun eine Kampagne, die sich eindeutig von Forderungen von #WirMachenAuf distanziert. Dieses Mal sind auch Geschäfte aus der Mindener Innenstadt beteiligt.

veröffentlicht am 22.01.2021 um 14:51 Uhr

Die Initiatoren von #wirmachenAUFmerksam sind Uwe Bernecker vom Frankfurter Modelabel „Funky Staff" und Günter Nowodworski von der Agentur „Now Communication". Ihre Forderung ist eindeutig: Gleichbehandlung mit der Gastronomie, die Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen lokalen Einzelhandels oder angemessene Entschädigungen als Alternative. Deutschlandweit beteiligten sich Unternehmen daran.

#wirmachenAUFmerksam

Die Initiatoren von #wirmachenaufmerksam rufen bereits zur nächsten Aktion auf: Mit der Kampagne #wirgehenmitunter wollen sie im Lockdown auf die angespannte Lage von Angestellten im Einzelhandel aufmerksam machen. Auf der Internetseite www.freundschaftsdienst.eu heißt es: "Am Montag, den 01.02.2021 um 11 Uhr stellen Sie bitte Ihre Pakete vor Ihre Eingangstür und postieren sich zusammen mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften) hinter Ihre Pakete." In die Pakete soll symbolisch die liegengebliebene Lagerware gepackt werden.  

Auch das Mindener Modegeschäft Pamela Maria hat ein von den Initiatoren bereitgestelltes Plakat mit den genannten Forderungen in den sozialen Netzwerken und in einer WhatsApp-Gruppe für ihre Kunden geteilt. „Ich habe mitgemacht, um auf die Situation im textilen Handel aufmerksam zu machen. Denn es sieht derzeit so aus, als ob wir keine finanziellen Hilfen bekommen werden", erklärt Inhaberin Pamela Maria Zerner. Sie befürchtet, dass sich der Abverkauf für die Frühjahr- und Sommermode nach einer möglichen Wiedereröffnung stark verkürzt. „Wir sind sehr unter Druck. Es sind einige Existenzen bedroht. Nur wenn man Rücklagen geschaffen hat, kann man die derzeitige Situation überstehen", sagt die 49-Jährige. Ihre zwei festangestellten Mitarbeiter befinden sich aktuell in 100-prozentiger Kurzarbeit.

Um im Lockdown dennoch Einnahmen zu generieren, bietet Zerner ihren Kunden derzeit einen kontaktlosen Abholservice an: „Das geht in NRW zum Glück noch. Ich hoffe, das bleibt so. In den sozialen Netzwerken präsentieren wir die Ware. Die Kunden können sie bestellen und bei mir im Geschäft zwischen 10 Uhr und 17 Uhr abholen." Mit den Einnahmen könne sie aber nicht mal die laufenden Kosten decken. „Nachdem ich das Plakat gepostet hatte, dachten einige Kunden schon, ich würde einfach wieder öffnen. An illegalen Aktionen würde ich mich aber niemals beteiligen."

Gleiches gilt für Katja Speckmann vom Mindener Juweliergeschäft Watchtower in der Obermarktstraße: „Ich habe mich an #wirmachenAUFmerksam bei Facebook, Instagram und WhatsApp beteiligt. Leider haben die Leute aber die Aktion mit #WirMachenAuf verwechselt. Weil ich nicht als Corona-Leugnerin dastehen wollte, habe ich den Beitrag dann wieder gelöscht." Ursprünglich wollte die 45-Jährige mit der Beteiligung an #wirmachenAUFmerksam „darauf aufmerksam machen, dass sie uns die Läden abschließen und wir nicht so großzügig unterstützt werden, wie es die Regierung kommuniziert". Die Angst nach dem weggebrochenen Weihnachtsgeschäft sei groß, dass man es so nicht durchhält.

Aktuell bieten Katja Speckmann und ihr Mann Olaf Bormann online Schmuck an. Bestellte Ware liefert das Ehepaar den Kunden direkt an die Haustür. Die Werkstatt für Reparaturen von Schmuck und Uhren ist weiterhin geöffnet. Die Wiedereröffnung des Geschäfts erhoffe sich Speckmann realistischerweise für Mitte, Ende Februar: „Gerade wir kleinen Geschäfte, können die Einhaltung von Hygienemaßnahmen gewährleisten." Pamela Maria Zerner meint: „Ich bin auch dafür, das Corona-Virus einzudämmen. Ich hoffe nur nicht, dass der Lockdown bis Ostern weitergeht. Ich wäre auch mit mehr Auflagen einverstanden. Zum Beispiel, wenn nur ein Kunde gleichzeitig im Laden sein darf. Alles wäre besser als die jetzige Situation."

Von Fabian Terwey




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