weather-image
23°

Viele fragen sich: Warum musste Prof. Johannes Zeichen Mühlenkreiskliniken verlassen?

Wurde Prof. Johannes Zeichen wegen Streit um Zeugnis gekündigt?

MINDEN. Die fristlose Kündigung von Professor Dr. Johannes Zeichen schlägt hohe Wellen in der Region. Die Mühlenkreiskliniken (MKK) haben den Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Mindener Johannes Wesling Klinikum mit sofortiger Wirkung vor die Tür gesetzt und ihm auch Hausverbot erteilt, berichtet das Mindener Tageblatt. Die Aufregung unter den Angestellten ist groß. Eine MT-Recherche hat ergeben, dass Zeichen offenbar einem seiner Meinung nach schlechten Arzt kein gutes Zeugnis ausstellen wollte, obwohl dieser vor Gericht ein solches erstritten hat.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 00:00 Uhr

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Karriere von Chefarzt Professor Dr. Johannes Zeichen am Mindener Johannes Wesling Klinikum endete am Freitag jäh. Der Direktor der Orthopädie-Klinik könnte über eine interne Auseinandersetzung rund um ein Arbeitszeug

Autor:

Benjamin Piel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Da es sich um eines der prominentesten Aushängeschilder der Klinik handelte, dessen medizinische Reputation als ausgesprochen hoch gilt, ist die Aufregung rund um die Personalie sowohl unter den MKK-Mitarbeitern als auch in der Öffentlichkeit groß. Intern wie extern gibt es die Befürchtung, die Sache könne dem Ansehen der Kliniken insgesamt Schaden zufügen. Auch unter den Ärzten halten nicht wenige den Schritt offenbar für ein verheerendes Signal. Dafür spricht jedenfalls, dass zahlreiche Ärzte der Geschäftsführung laut MT-Informationen ein Schreiben haben zukommen lassen, in dem sie sich mit Zeichen solidarisch erklären.

In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter, das dem Mindener Tageblatt vorliegt, schreibt die MKK-Führung, man bedaure „die Notwendigkeit der Trennung“. Jedoch sei „unter den gegebenen Umständen (…) eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses (…) nicht möglich“ gewesen. Es sei „keine Alternative“ geblieben. Ausführliche Informationen will die MKK-Spitze nicht geben.

Dem MT liegen Informationen vor, denen zufolge es um eine Auseinandersetzung über den Inhalt eines Arbeitszeugnisses für einen jungen Arzt gegangen sein soll. Dem habe Zeichen demzufolge ein Zeugnis ausgestellt, das nicht den Erwartungen des Beurteilten entsprochen habe. Er habe deshalb vor dem Mindener Arbeitsgericht geklagt, der Richter habe Korrekturen im Sinne des Klagenden angemahnt. Das korrigierte Zeugnis habe Zeichen nicht unterschreiben wollen, sah sich angeblich aber unter so starkem Druck, dass er es doch getan habe. Im Nachgang habe er den Vorgang als verfehlt angesehen und die Ärztekammer informiert. Dieses Vorgehen wertete sein Arbeitgeber womöglich als Vertrauensbruch.

Das Mindener Tageblatt hat bei der Ärztekammer angefragt, ob sie auf diese Information hin ein Verfahren angestrengt habe, wie die MKK reagiert hätten und ob die Zulassung der MKK als Weiterbildungsstätte durch die Sache berührt sein könnte. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe bestätigte, dass ein Verfahren läuft. Zurzeit warte die Kammer „auf eine Stellungnahme der Klinik“. Zu mehr könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen.

Zeichen galt als ein Chefarzt, der mit Kritik nie hinter dem Berg gehalten hat und sich nicht scheute, Missstände zu benennen. Das könnte dem Orthopäden, Unfallchirurgen, Sport- und Rettungsmediziner nun zum Verhängnis geworden sein. Er selbst wollte sich gegenüber dem MT nicht äußern, ebenso wenig Minden-Lübbeckes Landrat Dr. Ralf Niermann (SPD), der dem MKK-Verwaltungsrat vorsitzt.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare